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Direktor Biasiutti zur Zukunft der KWO

Von Susanna Michel. Aktualisiert am 18.03.2010

Die Ankündigung der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), sie prüfe den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes, war eine Überraschung. Gianni Biasiutti, Direktor der KWO, erklärt die Zukunftspläne der Stromproduzentin.

Gianni Biasiutti, Direktor der Kraftwerke Oberhasli (KWO) in seinem Büro in Innertkirch.

Susanna Michel

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Die KWO will mit dem Investitionsprogramm KWOplus die Kraftwerke Handeck und Innertkirchen aufwerten, das Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 3 realisieren und den Grimselsee vergrössern. Gesamtinvestition: Rund 900 Millionen Franken. Vor einem Jahr erhielt sie vom Bundesgericht den Bescheid, dass es dazu Änderungen der Konzessionen braucht. Bereits vor Monaten hatte die KWO angekündigt, die Gesuche in diesem Frühjahr einzureichen. Doch vor wenigen Tagen sorgte eine Medienmitteilung der Stromproduzentin aus dem Oberhasli für eine Überraschung: Die KWO prüfe den Bau eines Pumpspeicherkraftwerkes vom Räterichsbodensee zur Axalp und von dort in den Brienzersee. Nachfragen dieser Zeitung ergaben damals, dass das Pumpspeicherkraftwerk möglicherweise ein Kernkraftwerk ersetzen könnte. Das heizte die Debatte rund um den Ersatz des Atomkraftwerks Mühleberg zusätzlich an. Jetzt nimmt KWO-Direktor Gianni Biasiutti dazu Stellung.

Warum verkündete die KWO diese Idee ausgerechnet zu einer Zeit, in der das Einreichen der drei Gesuche für die Konzessionen von KWOplus erwartet wird?
Gianni Biasiutti: In der Begleitgruppe, die von Regierungsrätin Barbara Egger geleitet wird und der nicht nur wir, sondern auch Gegner unserer Ausbauvorhaben angehören, wurde diese Idee thematisiert und erwartet, dass die KWO das abklärt. Deshalb lassen wir eine Machbarkeitsstudie erstellen. Das braucht Abklärungen und Begehungen vor Ort in der Landschaft. Damit sich niemand wundert, was diese Leute denn da machen, wollten wir frühzeitig über dieses Vorhaben informieren. Die Reaktionen auf diese Medienmitteilung haben uns gezeigt, dass in dieses Ansinnen mehr hinein interpretiert wird, als derzeit überhaupt gesagt werden kann.

Und was konkret kann zu dieser Idee gesagt werden?
Wer die Landkarte studiert, sieht, dass sich durch die Topografie ein Pumpspeicherwerk vom Brienzersee über die Axalp bis zum Räterichsbodensee geradezu aufdrängt. Da sind zwei Seen, die sich verbinden lassen mit einer grossen Höhendifferenz dazwischen. Zudem liegt im unteren See viel Wasser, das für einen Pumpspeicherbetrieb genutzt werden kann. Ich muss aber sagen, dass ein Pumpspeicherwerk kein Kernkraftwerk ersetzen kann. Denn eine solche Anlage liefert keinen Strom, sondern hilft, die Sicherheit und die Effizienz der Energieversorgung zu steigern. Das ist gerade für die Stromproduktion mit Sonn und Wind sehr wichtig. Diese Energiequellen sind schwer berechenbar , um den Strombedarf abzudecken. Ein Pumpspeicherkraftwerk kann in idealer Weise den Ausgleich erbringen.

Also steht dieses Vorhaben nicht in Zusammenhang mit KWOplus, oder ist es doch so etwas wie ein Plan B, falls die Gesuche scheitern und die Staumauern des Grimselsees nicht erhöht werden dürfen?
Das ist keineswegs ein Plan B, sondern es kann einen weiteren Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energie sein. Ein Stausee ist gewissermassen ein Treibstofftank, der es ermöglichtt, das Wasser dann zu nutzen, wenn Strom gebraucht wird. Dank dieser Reserve kann ein Wasserkraftwerk in Zeiten einspringen, wenn besonders viel Strom verbraucht wird. Den Tank Grimselsee wollen wir nach wie vor vergrössern. die drei Projekte, die wir jetzt eingeben wollen, sind tiefhängende Früchte unter den Optimierungsmöglichkeiten. Mit einem relativ geringen Aufwand kann die Effizienz der bestehenden Anlagen der KWO deutlich gesteigert werden. Das Pumpspeicherkraftwerk am Brienzersee würde aber zweifellos dazu dienen, unsere Anlagen noch weiter zu optimieren.

In welchem Zeitraum liesse sich so ein Werk bauen?
Wie gesagt: Wir sind ganz am Anfang. Die Frage nach der Bauzeit wird die Machbarkeitsstudie ebenso beantworten wie die nach den Kosten des Werks. Die KWO muss auch langfristig planen.

Welche Rolle spielen bei diesen langfristigen Plänen die Klimaveränderung, respektive der Rückgang der Gletscher, die der KWO gerade in trockenen Sommern bereits mehrmals willkommenes zusätzliches Wasser bescherten?
Die Klimaveränderung und die Endlichkeit der fossilen Stoffe haben zur Folge, dass zukünftige Energiesysteme viel mehr auf Strom basieren wird als heute. Strom erlaubt es, alle Quellen der erneuerbaren Energie anzuzapfen, und die Energie über weite Distanzen zu transportieren. So macht es Strom bereits heute möglich, dass ein Elektroauto mit Windenergie fährt. Auf diese Zukunft stellen sich die Wasserkraftwerke ein, sie sind wichtige Partner für die Versorgungssicherheit im wachsenden Stromnetz, gerade im Hinblick auf die Vision Desertec.

Das ist das Vorhaben, dass Stromnetze Kontinente miteinander verbinden würden und so Energie aus Wind und von den Küsten und Sonne in den Wüsten nach Europa leiten. Mit der Vernetzung erhofft sich Vision Desertec eine starke Nutzung erneuerbarer Energie. Was kann die KWO dazu beitragen?
Das ist wie ein Puzzlespiel, bei dem verschiedene Teilchen zueinander passen müssen. Wir können dafür sorgen, dass unser Puzzleteil, die Wasserkraft, die Funktion erfüllt, die von ihm zukünftig erwartet wird. Wir sprechen hier von einer Vision, die jetzt geplant werden muss, weil es sehr viel Zeit braucht, bisdie riesigen Investitionen getätigt werden können. Dazu gehört unter anderem der Bau von vielen Solarkraftanlagen in der Wüste. In der Zwischenzeit braucht es mindestens die nächste Generation von Kernkraftwerken, um die Stromversorgung garantieren und sukzessive auf die fossilen Energien verzichten zu können.

Kehren wir zum Schluss zur nahen Zukunft zurück: Wann reicht die KWO die drei Gesuche für die Konzessionen ein?
Wir arbeiten mit Hochdruck daran. In zwei bis drei Monaten können die Gesuche zu den beiden Kraftwerkprojekten eingereicht werden. Die Eingabe zur Vergrösserung des Grimselsees folgt rund zwei Monate danach. (Berner Oberländer)

Erstellt: 18.03.2010, 09:49 Uhr

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