Die letzte Chance für das «Palace»?
Verschneite Landschaft, Hotel am besten Platz im Dorf, und nichts rührt sich: Das Palace ist im Winterschlaf. Die einzige Person, die ziemlich regelmässig das Gebäude betritt, ist der Hauswart Franz Sonderegger, der sich seit 40 Jahren um das Gebäude kümmert. Gemäss Handelsregister befindet sich die Alpin Palace Mürren AG in der Nachlassstundung. Diese dauert noch bis 22.Mai. Damit erhält die Schuldnerin (Aktiengesellschaft) Zeit, sich einvernehmlich mit ihren Gläubigern zu einigen. Sollte das nicht klappen, folgen Betreibung, Fortsetzungs- und Konkursbegehren. Spricht der Richter den Konkurs aus, wird damit die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens offiziell.
Doch die ausländische Besitzerin, die Kasachin Svetlana Kan aus Almaty, will es so weit nicht kommen lassen: «Für mich ist das eine einzige Katastrophe. Ich will das Hotel unbedingt retten, aber ich kann nicht», sagt sie auf Anfrage. Die Krux an der Sache: Das Hotel ist vertraglich an Time-sharing-Anbieter gebunden. Deren Besitzer haben einst Geld bezahlt und dafür die Garantie erhalten, während mehreren Wochen im Jahr im Alpin Palace logieren zu dürfen. Solange das Nutzniessungsrecht der Timeshare-Partner auf der Immobilie besteht, wird keine Bank bei der Finanzierung helfen, da die Schuldbriefe durch das Nutzniessungsrecht blockiert sind. Die englische Timesharing-Firma war bisher nicht bereit, auf ihre Forderungen zu verzichten.
Die Ära Jäggi
Der vorherige Besitzer war seit 1989 gemäss Handelsregisterauszug René C.Jäggi, Unternehmer, Sportmanager: Er galt als Sanierer von Adidas, brachte den FC Kaiserslautern auf Kurs und managte auch schon den FC Basel. Er tritt auch als Vortragsredner auf, die Firma, die ihn vermittelt, schreibt auf ihrer Website: «Der Vollblutunternehmer springt am liebsten dann ein, wenn andere schon längst aufgegeben haben und keine Perspektiven mehr sehen.» Man munkelt, Kan hätte für den Komplex zwischen 5 und 7 Millionen Franken gezahlt.
In Mürren kursiert noch heute der Vorwurf, dass sie das Hotel niemals zu diesen Konditionen hätte kaufen dürfen. Doch das ist reine Spekulation. Dennoch ist es für Mürren eine Hypothek, dass ein solches Hotel mit 100 Betten bereits seit Sommer 2009 zu ist.
Noch vergangenen Herbst zeigte sich ein Silberstreif am Horizont: «Im Winter wollen wir aufmachen – mit Zimmer/Frühstück. Dann erweitern wir das Angebot Schritt für Schritt», sagte damals Svetlana Kan zur Zeitung Berner Oberländer. Mehr werde sie an einer Medienorientierung sagen – die nie stattfand. Sie ist seit Mai 2008 Besitzerin des Alpin Palace. Obwohl das Hotel zwar erstaunlich gut renoviert ist, gibt es Nachholbedarf.
Lob von Gästen aus Übersee
An der ausserordentlichen Generalversammlung von Mürren Tourismus vergangenen September erkläre Präsident Werner Zimmerli, die Steuerverwaltung habe einen Kostenvorschuss von 8000 Franken geleistet, damit es weitergehe mit dem Alpin Palace – in welchem Zeitrahmen, sei zurzeit ungewiss. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass es mit dem Betrieb zu einer guten Lösung komme.
Einer der letzten Gäste war ein Herr aus Stuttgart. Er schreibt nach seinem letzten Aufenthalt im Oktober 2008 auf «qype.ch»: «Das Alpin Palace stellt sich dem Gast sehr uneinheitlich dar. Das Essen im Restaurant Peppino ist sehr gut und verhältnismässig günstig, das Hotel selbst und insbesondere die Zimmer sind schon arg abgewirtschaftet.»
Auf anderen Hotelbewertungsseiten hingegen wird das Hotel sehr gerühmt, besonders von Gästen aus Übersee: «Without a doubt, best in Murren. But it’s closed now!», schreibt ein Gast aus New York diesen Februar auf der Website «virtualtourist.com» und vergibt dem Haus als Bewertung fünf Sterne. (Berner Oberländer)
Erstellt: 09.02.2012, 10:36 Uhr


