«Die Spitalschliessung ist undenkbar»
Situation STS AG
Nebst dem Spital Frutigen, wurden in dieser Zeitung am Freitag auch die Spitäler Zweisimmen und Saanen als Standorte genannt, die geschlossen werden könnten. «Für unsere Mitarbeiter war das keine sehr grosse Überraschung, da bereits seit dreieinhalb Jahren über die Schliessung der Spitäler diskutiert wird», sagt Bruno Guggisberg, CEO der Spital STS AG. Das heisse nicht, dass sie keine Angst vor einem möglichen Verlust ihrer Arbeitsplätze hätten. «Die Mitarbeiter haben mittlerweile etwas resigniert. Trotzdem ist auch für sie die Unsicherheit schwer zu ertragen.» Um die Leute zu entlasten, würden sie laufend über die neusten Entwicklungen informiert.
Etwas dürfe man bei der Debatte um die Schliessung von zwölf Spitälern im Kanton Bern aber nicht vergessen, betont Guggisberg: «Wenn in Bern ein Spital geschlossen wird, ist der Weg in das nächste nicht weit. Im Oberland ist das anders, hier kann sich der Weg wesentlich verlängern.»
Weil es im Kanton Bern zu viele Spitäler habe, müssten die Spitalstandorte konzentriert werden. Dieses Szenario schwebt zumindest dem bernischen Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) vor. Die Zukunft der Spitäler sorgte auch am Tag der Ehemaligen im Spital Frutigen am Samstag für Gesprächsstoff. Zu diesem Anlass trafen sich die Ärzte des Spitals mit Arbeitskollegen, die in den vergangenen Jahren einmal am Spital gearbeitet hatten, zum Austausch. «Ihr seid die Rückmeldung darauf, was wir in die Ausbildung von Ärzten investieren», begrüsste Marco Negri, Chefarzt für Innere Medizin, die Ehemaligen, die nicht nur aus der Schweiz, sondern sogar von Berlin und Hannover angereist waren.
Forschung trägt Früchte
Bei den meisten handelte es sich um ehemalige Assistenzärzte des Spitals, die sich nach ihrer Zeit in Frutigen auf einem medizinischen Fachgebiet spezialisiert hatten und nun mit kurzen Vorträgen die Ergebnisse ihrer Forschung ihren ehemaligen Lehrern und Förderern vorstellten. So referierte unter anderem Peter Gerber, Klinik Sonnenhof Bern, über Atemschlafstörungen und Nadir Simbrey, evangelische Lungenklinik Berlin, über Metastasenchirurgie an der Lunge.
Angst beim Personal
«Diese Leute tragen den Ruf von Frutigen in die Welt hinaus», stellte Spitalvizedirektor Fritz Nyffenegger fest. Die Tatsache, dass die Ehemaligen so zahlreich erschienen seien, zeige auch, dass Frutigen als guter Arbeitsplatz in Erinnerung bleibe. Umso erstaunlicher sei es, dass immer wieder über Frutigen als Spitalstandort und eine mögliche Schliessung debattiert werde. «Die Überlegungen von Philippe Perrenoud haben bei unseren Mitarbeitern für grosse Verunsicherung gesorgt, da in der Zeitung erklärt wurde, dass es auch Frutigen treffen könnte.» Mitarbeiter seien in sein Büro gekommen und hätten gefragt, ob sie in einem Jahr ihre Arbeitsstelle verlieren würden.
So heiss wird nicht gegessen
Fritz Nyffenegger hat Verständnis für die Sorgen seiner Mitarbeiter. «So heiss, wie das Ganze angekündigt wurde, wird es sicher nicht gegessen», hält der Vizedirektor fest. Es sei sogar richtig, dass über das Thema der Rentabilität der kleinen Spitäler in der Peripherie gesprochen werde. «Aber dabei handelt es sich um langfristige Überlegungen, die jetzt sehr weit gesponnen wurden.» Da die Region Frutigen für den Tourismus eine sehr wichtige Rolle spiele und somit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei, wäre es undenkbar das Spital so einfach zu schliessen.
Wundpflege mit Honig
Am Tag der Ehemaligen wurden zahlreiche Innovationen und Strategien präsentiert, welche die Qualität des Standortes Frutigen weiterhin sichern sollen. Dominik Heim, Chefarzt Chirurgie, stellte beispielsweise eine spezielle Methode der Wundbehandlung vor, die in Frutigen angeboten wird. «Wir verwenden neu sterilisierten Bienenhonig zur besseren Wundheilung», erklärte Heim. Mit dieser Methode hätten bei der Behandlung von offenen Beinen gute Resultate erzielt werden können. Heim ist in der nächsten Zeit vor allem die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiges Anliegen. «Das Spital muss weiterhin gut in der lokalen Bevölkerung verankert werden. Zusätzlich legen wir grossen Wert auf die Zusammenarbeit mit den umliegenden Spitälern und den Hausärzten, welche uns Patienten zuweisen.» Wenn diese Arbeit gut gemacht werde, so ist sich Heim sicher, könne der Spitalstandort Frutigen auch weiterhin erhalten bleiben. (Berner Oberländer)
Erstellt: 06.09.2011, 07:28 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte warten
