«Die Milchkuh muss gefüttert werden»

AdelbodenDer Präsident der Bergbahnen Adelboden AG (Baag) äusserte deutlich die Enttäuschung über den negativen Entscheid an der Urne zur ÖV-Erschliessung Fuhrenweidli. Auch die Bewilligung für die Höchstbahn lässt noch auf sich warten.

Erstmals in der Geschichte der Bergbahnen Adelboden AG (Baag) wird ein Verlust von 280'000 Franken ausgewiesen.

Erstmals in der Geschichte der Bergbahnen Adelboden AG (Baag) wird ein Verlust von 280'000 Franken ausgewiesen. Bild: Corina Kobi

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«Die Milchkuh Baag muss auch gefüttert werden, wenn sie weiterhin Milch geben soll.» Verwaltungsratspräsident Emanuel Aellig nutzte deutliche Worte dafür, seine Enttäuschung über die Urnenabstimmung vom 28.September zu beschreiben. Der neue Zubringer für den Bus direkt zur Silleren-Talstation wurde mit 896 Nein zu 680 Ja abgelehnt. Aellig zählte Beispiele auf, was die Bahn an Leistungen erbringe, von denen der ganze Ort profitiere – und die in anderen Tourismusorten oft nicht von den Bahnen erbracht werden müssen.

«Vieles wird eben schon als selbstverständlich angenommen: Wir betreiben eine Dorfbahn, die uns Defizite einfährt. Wir bezahlen jährlich über 600'000 Franken an den öffentlichen Verkehr. Wir betreiben Talabfahrten, haben in den letzten zwanzig Jahren mehr als 20 Millionen Franken in Beschneiungen investiert, bieten Winterwanderwege an und beteiligen uns an Kombiangeboten.» Und gerade der öffentliche Verkehr werde immer wichtiger für den Tourismus, wie die steigenden Passagierzahlen der Automobil Frutigen-Adelboden AG und Projekte der Konkurrenz zeigten.

Engere Zusammenarbeit

Erstmals in der Geschichte des Unternehmens wird ein Verlust von 280'000 Franken ausgewiesen. Dieser wird vor allem auf das oftmals nicht bahnfreundliche Wetter zurückgeführt. Der Rückgang bei den Sommerfrequenzen ist auch auf die Zusammenarbeit mit Kandersteg zurückzuführen. Das bisher eher einseitig von Adelbodner Gästen genutzte Angebot wird weitergeführt und eventuell später auf die Lenk ausgedehnt. Was die Skiregion Adelboden-Lenk im Winter ist, könnte im Sommer die Wanderregion Adelboden-Kandersteg sein.

Grosse Projekte

Direktor Markus Hostettler informierte die 340 anwesenden Aktionäre (42,3 Prozent des Aktienkapitals) über laufende oder kommende Projekte: Nach der erfolgreichen Inbetriebnahme der Bahn Geils–Hahnenmoos steht der Bau der neuen Bahn Bergläger–Höchst an. «Aber das Verfahren ist nicht einfach. Bis sieben Meter links und rechts vom Seil ist es Bundessache. Ausserhalb dieses Korridors will auch der Kanton mitreden. Jedenfalls warten wir auf die Baubewilligung, sind aber zuversichtlich.»

Verzögert wurde die für diesen Herbst geplante Rodung, damit soll nun im März begonnen werden. Deshalb wird – egal, wie die Pistenverhältnisse sind – das Chuenisbärgli Mitte März geschlossen. Die Finanzierung ist jedenfalls gesichert, wie Hostettler sagte. Der Bau der Bahn soll mit Infoanlässen eingeleitet werden. Auch der Betrieb wird thematisiert: Zum Beispiel haben die Abklärungen über Crossstrecken im Sommer als zusätzliche Einnahmequelle noch nicht zum Ziel geführt.

Ersatz von Bahnen

Angedacht ist bereits der Ersatz der Sillerenbahn und der Dorfbahn. Die anfangs erwähnte Abstimmung kann auch auf die Dorfbahn Auswirkungen haben. «Verschiedene Ideen und Linienführungen – bis zu einem Tunnel, der wegen geologischer Probleme zwar kaum infrage kommt – werden von einer Arbeitsgruppe geprüft», sagte Hostettler. Für die Finanzierung soll stärkeres Sparen angesagt sein, damit später möglichst viel Eigenkapital eingesetzt werden kann. Spätestens dann werden die Beiträge der «Milchkuh Baag» – zum Beispiel an den öffentlichen Verkehr – wieder thematisiert.

www.adelboden-silleren.ch (hsf)

(Erstellt: 13.10.2014, 10:28 Uhr)

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