Der Zahntechniker auf drei Rädern

LängenbühlRobin Bezençon hat sich bei der Dittligmühle sein eigenes Labor eingerichtet und ist mit einem Elektromobil als Zahntechniker unterwegs.

Mit dem Elektromobil der Dittligmühle besucht der mobile Zahntechniker Robin Bezençon seine Kunden. Im Container (hinten) hat sich Bezençon sein eigenes Zahntechniklabor eingerichtet.

Mit dem Elektromobil der Dittligmühle besucht der mobile Zahntechniker Robin Bezençon seine Kunden. Im Container (hinten) hat sich Bezençon sein eigenes Zahntechniklabor eingerichtet. Bild: Karin Wenger

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In Genf arbeitete er als Zahntechniker im Auftrag von renommierten Zahnärzten. Im letzten Oktober hat sich Robin Bezençon sein eigenes, kleines Labor in einem Container neben der Dittligmühle in Längenbühl eingerichtet und besucht nun seine Kunden zu Hause.

Der Grund für diesen grossen Wechsel ist eine Herzensangelegenheit: Vor 3 Jahren lernte der 31-Jährige seine Frau Carmen kennen, im April 2012 läuteten die Hochzeitsglocken. «Carmen ist die Besitzerin der Dittligmühle, ich dagegen war an keinen Ort gebunden. Für mich war sofort klar, in den Längenbühl zu ziehen», erzählt Bezençon.

Der Wunsch vom Landleben

Der Wechsel von Stadt zu Land stellte keineswegs ein Problem dar. Der Zahntechniker bezeichnet sich selber als Landmenschen. Er hat bis zu seinem 16.Lebensjahr in Etoy, einem ländlichen Dorf in der Nähe von Morges im Kanton Waadt, gelebt, bevor er nach Morges und später nach Lausanne gezogen ist. «Das Leben in der Stadt ist viel stressiger. Seit ich nicht mehr in Etoy lebte, war es mein Wunsch, wieder auf dem Land zu wohnen.»

Geboren wurde er in Sri Lanka, seine Adoptiveltern brachten ihn wenige Wochen nach seiner Geburt in die Schweiz. Seine richtigen Eltern kenne er nicht, sagt Bezençon, aber er sei vor 15 Jahren nach Sri Lanka gereist, das Land habe ihm sehr gut gefallen. Er und seine Frau planen ein humanitäres Projekt. Sie möchten jedes Jahr für ein paar Wochen nach Sri Lanka reisen, um mittellosen Menschen Zahnprothesen anzufertigen. Jedoch sei die Finanzierung sowie die Zusammenarbeit mit Sachkundigen vor Ort noch offen, so Bezençon.

Stressige Arbeit in Genf

Den Beruf Zahntechniker hat Bezençon während einer vierjährigen Lehre in Morges erlernt. 2003 absolvierte er die beste Abschlussprüfung des Kantons Waadt. Zahntechniker fertigen vor allem Prothesen an, die als Zahnersatz dienen. «Für mich war es immer klar, als Zahntechniker weiterzuarbeiten in Längenbühl. Aber ich wollte nicht mehr angestellt sein», erläutert Bezençon. In Genf habe er Aufträge vom Zahnarzt erhalten, aber die Kunden nie persönlich getroffen. Er habe Arbeiten in 40 Minuten verrichten müssen, die eigentlich drei Stunden beansprucht hätten.

Mobiler Zahntechniker

«Die Idee, einen Container zu kaufen, darin mein eigenes Labor einzurichten und als mobiler Zahntechniker unterwegs zu sein, hatten ich und Carmen gemeinsam», erzählt Bezençon. Er geniesse besonders, keine fixen Arbeitszeiten zu haben und seine Kunden persönlich zu treffen. Mit dem Elektromobil der Dittligmühle fahren er und seine Frau zu den Kunden nach Hause, wenn diese Probleme mit ihren Zahnprothesen haben.

Für diesen Service seien vor allem ältere Menschen dankbar. Carmen Bezençon begleitet ihren Mann, da ihm Deutsch, besonders Berndeutsch, noch Mühe bereitet. Das Elektromobil hat Carmen Bezençon einem Grafiker abgekauft, was die Zebrastreifen auf dem dreirädrigen Fahrzeug erklärt.

Wunsch nach mehr Kunden

Bezençons Labor gehört seit kurzem zu der Dittligmühle GmbH, der Gewinn fliesst also in denselben Topf. Die Haupteinkunft der Dittligmühle besteht im Vertrieb von selbst gemahlenem Mehl aus regionalem Getreide. Zurzeit habe er noch nicht viele Kunden, bedauert der Zahntechniker, sein Ziel sei aber, jeden Tag etwas für einen Kunden erledigen zu können. «Die Motivation zum Arbeiten liegt nicht im Verdienst.

Ich verlange nicht so viel Geld von meinen Kunden», so Bezençon. Ihm bereite es Freude, eine Prothese so lange abzustimmen, bis sie perfekt sitze. Er möchte, dass seine Patienten essen können, ohne dass sich die Prothese bewegt. Er wolle den Menschen ihr Lachen zurückgeben.

www.dittligmuehle.ch

(Berner Zeitung)

(Erstellt: 17.02.2014, 10:34 Uhr)

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