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Das Oberland versinkt in weisser Pracht

Von Dino Dal Farra, Bruno Petroni. Aktualisiert am 01.02.2012

In der Nacht auf Dienstag fielen vielerorts grosse Schneemengen. Der Verkehr auf den Strassen verlief grösstenteils reibungslos, doch in der Höhe deckte die weisse Pracht etwa das Grimsel Hospiz fast vollständig ein.

1/5 Auf dem Grimsel Hospiz liegt der Schnee mindestens sechs Meter hoch.
Bild: Bruno Petroni

   

Winter ist es in der Region Thun schon lange. Doch so richtig viel Schnee bis in die Niederungen ist bisher noch nicht vom Himmel gefallen. In der Nacht auf gestern war es nun so weit. Die weisse Pracht ist vielerorts erstmals nicht geschmolzen, da die Temperaturen im Vergleich zu den bisherigen Wintertagen tief sind. Auch in den kommenden Tagen ist in der Region Thun mit Temperaturen von bis zu minus 10 Grad zu rechnen, am Freitag sollen es gar minus 11 Grad werden. Niederschläge werden laut den Prognosen für die laufende Woche allerdings ausbleiben.

Nur Bagatellunfälle

Der Strassenverkehr verlief am Dienstag den ganzen Tag weitgehend reibungslos. Im Berner Oberland habe es keine grösseren Unfälle gegeben, war bei der Kantonspolizei Bern auf Anfrage zu erfahren. Im ganzen Oberland passierten im Laufe des Tages neun Bagatellunfälle, bei denen es keine Verletzten gegeben habe. Etwa seien Fahrzeuge mit einem Gartenzaun oder einer Mauer kollidiert, ergänzte eine Sprecherin der Kantonspolizei Bern.

STI: Ein Kurs ausser Plan

Die Verkehrsbetriebe STI konnten ihren Betrieb im Grossen und Ganzen fahrplanmässig durchführen. Pannen oder sonstige Zwischenfälle fanden nicht statt. Auch konnte der Busverkehr aus Heiligenschwendi, Heimenschwand, wie auch aus dem gesamten Zulgtal – den höher gelegenen, schneereichen Gebieten der Region Thun – ordnungsgemäss durchgeführt werden. «Eine geringfügige Verspätung erlitt am Dienstagmorgen einer der ersten Busse aus Sigriswil», sagte Betriebschef Erich Seiler von der STI. Die Verspätung war aber bis am Bahnhof Thun nicht mehr relevant. «Ausser Plan führten wir am Dienstagmorgen einen Bahnersatzkurs zwischen 5.30 und 7 Uhr zwischen Münsingen und Thun», sagte Seiler. Grund dafür war eine stecken gebliebene Baumaschine, die das Geleise blockierte.

Problemlos lief laut dem städtischen Tiefbauamt die Strassenräumung in Thun. «Es fielen maximal 5 Zentimeter Schnee, sodass wir keine erschwerten Umstände antrafen», sagte Stadtingenieur Rolf Maurer. Verkehrseinschränkungen wegen des Schneefalls seien gestern nicht nötig gewesen.

Keine Gefahr für Fische

Die für die kommenden Tage angekündigte Kälte stellt laut dem kantonalen Fischereiaufseher Beat Rieder keine Gefahr für die Fische im Thunersee dar. «Ich war am Montag gerade im Kanderdelta. Die Lage ist besser als vor 5 Jahren im Winter nach dem Hochwasser. Der See führt deutlich mehr Wasser, zudem ist er fast nirgends gefroren», sagte Beat Rieder auf Anfrage.

Zur Erinnerung: Anfang 2006 verendeten im Kanderdelta Dutzende Bläulinge – Kleinfische, die 4 bis 6 Zentimeter lang sind –, weil ihnen der Durchgang zum Thunersee versperrt war. In den Uferteichen hatte es wegen der stark veränderten Bachbettstruktur nach dem Hochwasser im Sommer 2005 sehr wenig Wasser, was den Fischen das Herausschwimmen verunmöglichte. So wurden die Bläulinge quasi unter der Wasseroberfläche an Ort und Stelle eingefroren.

Sechs Meter hohe Wechten

Ganze Berge von Schnee hat es derweil in den höheren Gefilden. So ragen am Grimsel Hospiz auf knapp 2000 Meter über Meer nur noch der Dachfirst und das Türmchen der vor elf Jahren sanierten Kapelle «Spittel an Grymslen» aus der weissen Masse heraus. In der Mulde, in welcher die 600-jährige Kapelle steht, liegen also gut und gerne sechs Meter Schnee – die um das Hotel Hospiz herumliegenden Wechten sind sogar noch höher. Die mittlere Schneemenge beim Hospiz beträgt immerhin drei Meter. Auf dem Jungfraujoch (3455 m.ü.M.) ist diese rund vier Meter hoch. Die durch Sturmwinde verfrachteten Schneemassen sind dort allerdings ungleich verteilt: Während auf dem Sattel des Jungfraujochs stellenweise das blanke Eis zum Vorschein kommt, liegen in windgeschützten Mulden Riesenmengen an Schnee. «Und bei der Mönchsjochhütte hinten sieht man im hohen Schnee die Fahnenstange nicht mehr», stellte der Betriebsleiter der Forschungsstation, Martin Fischer, fest.

Viel Schnee auf Skipisten

Die Skigebiete haben ausnahmslos genug Schnee – «und traumhafte Skipisten», wie Armon Cantieni, Direktor der Bergbahnen Gstaad, sagt. So liegen auf Videmanette 380 Zentimeter Schnee, im Talboden 70 Zentimeter. «Möglicherweise werden wir in den nächsten Tagen wegen der erwarteten Kälte etwas weniger Skisportler haben; dafür wahrscheinlich umso mehr Schlittler.» Cantieni stellt heuer sowieso eine zunehmende Popularität des Schlittelns fest.

Ein weiteres Beispiel für sehr viel Schnee ist das Skigebiet Hasliberg: Auf Planplatten liegen 4,30 Meter. «Doch obwohl es jetzt zwei Tage schneite, gab es nur gerade zwei Zentimeter Neuschnee. Den ‹Bisenschnee› verweht es halt jeweils gleich», erklärt der erfahrene Pistenrettungschef Peter Michel.

Mässige Lawinengefahr

Die Lawinengefahr wird vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) als mässig eingestuft (Stufe 2 von 5). Die Schneedecke ist günstig aufgebaut, jedoch sind die Triebschneeansammlungen der letzten Tage zum Teil «störanfällig». Durch die mächtige Schneedecke bleibt der Boden isoliert, womit unterhalb von rund 2400 m die Aktivität von Gleitschneelawinen anhält. Gegen das Wochenende hin wird sich die Lawinengefahr laut SLF nicht entscheidend ändern.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 01.02.2012, 09:05 Uhr

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