Grindelwald

Das Drama bleibt unvergessen

GrindelwaldAm Donnerstag um 18 Uhr ist es genau 100 Jahre her, dass eine Lawine hinter dem Eiger für sieben Männer den Tod bedeutet hatte. Zum Jahrestag hat das Grindelwald-Museum eine Sonderausstellung eingerichtet.

Das letzte Bild unmittelbar vor der Katastrophe: (v.r.) Die Walliser Bergführerlegende Alexander Burgener, der Strassburger Gast Alfred Kühn und Adolf Burgener, einer von Alexanders Söhnen.

Das letzte Bild unmittelbar vor der Katastrophe: (v.r.) Die Walliser Bergführerlegende Alexander Burgener, der Strassburger Gast Alfred Kühn und Adolf Burgener, einer von Alexanders Söhnen. Bild: zvg

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Wiederum schüttelte er den Kopf und riet seinen zwei deutschen Gästen, das Unternehmen abzubrechen: Der Walliser Alexander Burgener, der Ende des 19.Jahrhunderts mit Erstbesteigungen des Zinalrothorns, der Dru, des Zmutt- und Furggengrates, des Dom-Westgrates und des Mittellegigrates (Eiger) im Abstieg einen Namen als König der Bergführer gemacht hatte, fand aber kein Gehör. Denn der Strassburger Alfred Kühn und Hans Barthold aus Saarbrücken waren von ihrem Vorhaben nicht abzubringen, von der Station Eismeer zur Jungfrau aufzusteigen.

Dies, obwohl es die ganze erste Juliwoche heftig geregnet und in den Bergen geschneit hatte. Der Blick von der Station Eismeer aus bestätigte auch des Bergführers Bedenken: Selbst die sonst jeweils aperen Felspartien waren weiss überzuckert.

Sechs Mann Verstärkung

Da Alfred Kühn aber nicht umsonst hergereist sein wollte und wenigstens den Aufstieg zur Berglihütte forderte, wurden schliesslich die drei Grindelwalder Bergführer Fritz Brawand, Peter und Ruedi Inäbnit sowie Burgeners Söhne Adolf und Alexander aus dem Wallis zur Verstärkung angefordert. Am Nachmittag des 8.Juli brach die acht Mann zählende Seilschaft auf. Sich mühsam durch hüfttiefen Schnee kämpfend, erreichten die Alpinisten um 17 Uhr den Berglifelsen. Inzwischen waren auch noch Fritz und Christian Bohren, Peter Bleuer und Peter Kaufmann zur Verstärkung und mit einigem Proviant beladen in Richtung Bergli aufgebrochen.

Das Drama

Während Bergli-Hüttenwart Johann Kaufmann bereits warme Kost für die Ankömmlinge zubereitete, ging ihnen Christen Bohren entgegen. Bohren, der damalige Hüttenwart auf Konkordia, war während der Schlechtwettertage zu Kaufmann hinübergekommen, denn das schlechte Wetter liess sich in den bescheidenen Hütten zu zweit besser ertragen. Christen Bohren wartete unweit der Berglihütte in einem Schneefeld auf die Gruppe. Bei deren Ankunft – Bohren konnte dem vordersten der Gäste schon fast die Hand reichen – spaltete sich plötzlich die Schneedecke in einem langen Riss, brach auseinander und rutschte in der ganzen Breite ab. Hüttenwart Bohren wankte, stürzte über die zwei Meter hohe Abrissstelle und wurde zusammen mit den anderen von den Schneemassen mitgerissen.

Weiter unten erfasste die Lawine auch die vier später aufgebrochenen Helfer, teilte sich in zwei Hälften und donnerte rund 300 Meter auf den Fieschergletscher hinunter.

Am Unfallort verblutet

Den sofort anrückenden Rettungsequipen boten sich grauenhafte Bilder der teilweise verstümmelten Opfer. Im Schein von Laternen, Windlichtern und Gaslampen wurden die Lawinenopfer aus den Schneemassen geborgen und in Leinensäcke gehüllt an langen Stangen zur Station Eigergletscher getragen.

Ruedi Inäbnit, der noch lebend geborgen werden konnte, beim Lawinensturz jedoch ein Bein verlor, verblutete und starb auf dem Weg zur Station Eismeer. Fritz Brawand und Alexander Burgener jun. überlebten das Unglück. Nur leicht verletzt wurden Fritz und Christian Bohren, Peter Bleuer und Peter Kaufmann, die später aufgebrochen waren und erst weiter unten von der Lawine erfasst worden sind.

Trauer in Grindelwald

Das Bergli-Unglück vom 8.Juli 1910 war damals das schlimmste der alpinen Geschichte. In Grindelwald herrschte grosse Trauer. Weltweit berichteten die Medien. Unter grosser Teilnahme wurden Peter Inäbnit, sein Neffe Ruedi und Hüttenwart Christian Bohren zu Grabe getragen.

Auf dem Friedhof von Grindelwald steht heute noch ein Gedenkstein zu Ehren der bei diesem Unglück ums Leben gekommenen Einheimischen. Peter Inäbnit hinterliess eine Witwe mit zehn Kindern und einem Ungeborenen. Auch für Alexander Burgener, einem der Bergführerpioniere der Belle Époque, steht in Eisten/Wallis eine Gedanktafel.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 08.07.2010, 11:53 Uhr

Gedenkfeier

Das Grindelwald Museum (auch Heimatmuseum genannt) widmet dem Lawinenunglück am Bergli eine Sonderausstellung. Am Donnerstag reisen die Nachkommen von Peter Inäbnit nach Grindelwald – unter ihnen auch Otto Gurtner. Der 93-jährige Berner ist der älteste noch lebende Nachkomme von Peter Inäbnit. Heute Abend um 18 Uhr findet im Grindelwald Museum eine öffentliche, musikalisch umrahmte Gedenkfeier statt. Unter anderem nehmen an dieser Feier die Nachkommen des beim Berglidrama schwer verletzten Fritz Brawand teil. Jedermann ist willkommen.

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