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Blattenheid: Strom aus Trinkwasser

Von Marc Imboden. Aktualisiert am 29.06.2011

Die Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid will zwei weitere Trinkwasserkraftwerke erstellen. So kann sie Energie nutzen, die bisher ungenutzt verpuffte.

Die Baachalp mit dem Stockhorn: Von hier kommt ein grosser Teil des Trinkwassers, mit dem die Menschen in der Region Thun versorgt werden.

Die Baachalp mit dem Stockhorn: Von hier kommt ein grosser Teil des Trinkwassers, mit dem die Menschen in der Region Thun versorgt werden.
Bild: zvg

Wasserhaushalt

Keine Gefahr Die lange Trockenphase in diesem Frühling hatte kaum Einfluss auf die Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid. «Die Schneeschmelze setzte früher ein und war intensiver als in anderen Jahren», sagt Betriebsleiter Dieter Börlin. «In Spitzenzeiten fördern unsere Quellfassungen 30000 Liter pro Minute. Im Frühling waren es zum Teil bloss 20000 Liter.» Die Versorgungssicherheit in der Region Thun war also nie auch nur annähernd gefährdet. Hinzu kommt, dass der Gemeindeverband im Notfall in der Lage ist, seine rund 20000 Kunden während längerer Zeit mit Grundwasser zu versorgen.

www.blattenheid.ch

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Die Schweiz will aus der Atomkraft aussteigen – unseren Strom werden wird künftig also vermehrt mit Wasserkraft herstellen müssen. Ist es also dem Fukushima-Effekt zuzuschreiben, dass die Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid, die in der Region Thun rund 20000 Menschen mit Wasser versorgt, in Oberstocken zwei Trinkwasserkraftwerke bauen will? «Nein», sagt Betriebsleiter Dieter Börlin, «die Planung begann bereits vor zwölf Jahren.»

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass beim Transport des Wassers von den Quellfassungen auf der Baachalp (1200 bis 1400 Meter über Meer) bis zum Reservoir Oberstocken (700 Meter über Meer) bisher gezwungenermassen Energie verpuffte. «Wegen des Höhenunterschieds entwickelt das Wasser in der Leitung einen Druck, der zu gross für unsere Anlagen ist», sagt Börlin. «Deshalb sind auf dem Weg ins Tal mehrere Druckbrecherschächte installiert, die die Energie des Wassers vernichten.»

Die Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid überlegte sich bereits vor zwölf Jahren, diese Energie mit Turbinen und Generatoren zur Stromproduktion zu nutzen. «Doch damals waren die Tarife für die Einspeisung von Strom ins öffentliche Netz auf einem zu tiefen Niveau, als dass sich die Investitionen für uns gelohnt hätten. Das hat sich inzwischen aber geändert.» Die Kilowattstunde Strom wird heute mit 25 bis 30 Rappen vergütet, womit sich der Gemeindeverband entschlossen hat, die Pläne nun umzusetzen.

Neue Leitung nötig

Anfang Jahr genehmigte die Delegiertenversammlung des Blattenheid-Gemeindeverbandes einen Kredit von 9,9 Millionen Franken, unter anderem für die Sanierung der Quellfassungen und Brunnenstuben sowohl auf der Alp Blattenheid ob Blumenstein als auch auf der Baachalp oberhalb von Oberstocken. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Installationen für die Wasserkraftnutzung. «Wir werden eine neue Druckleitung von der Baachalp bis Oberstocken bauen», erläutert Börlin die Pläne. Diese ist nötig, damit die Energie des talwärts schiessenden Wassers optimal genutzt werden kann. Bereits oben auf der Alp wird eine Turbine samt Generator im Gebiet Vordere Schneeweid installiert. Die zweite Turbine wird auf dem Wasserreservoir in Oberstocken angebracht.

Der Bau der neuen Druckleitung wird die grosse Knacknuss sein. Ab Oberstocken verläuft sie zuerst den Alpweg entlang; dieser ist eng und steil, zudem besteht der Untergrund aus Fels, was das Bauen zusätzlich erschwert. «Weiter oben herrscht jedoch Steinschlaggefahr», sagt Dieter Börlin. Wegen der Schräglage sei der Einsatz von Maschinen zudem extrem heikel. «Einen Teil der Leitung werden wird deshalb horizontal in den Fels bohren.» Bei den Arbeiten muss zudem der Zugang zur Baachalp immer gewährleistet sein. Und im Herbst muss die Strecke für den Alpabzug vollständig frei sein.

Wasser wird nicht teurer

Die Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid möchte bereits in diesem Jahr mit den Sanierungs- und Bauarbeiten loslegen. Geplant ist, sie im nächsten Jahr abzuschliessen. Sobald die beiden Trinkwasserkraftwerke in Betrieb sind, sollten sie zusammen rund 600000 Kilowattstunden Strom jährlich produzieren. Das reicht aus, um während eines Jahres zwischen 150 und 200 Durchschnittshaushalte zu versorgen. Durch die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) wird die Kasse des Gemeindeverbandes Blattenheid dadurch pro Jahr mit rund 160000 Franken gespeist. «Damit machen wir aber keinen Gewinn», betont Peter Wenger, Präsident der Wasserversorgung Gemeindeverband Blattenheid. Denn mit dem Wasser Gewinne zu erzielen, ist gesetzlich nicht gestattet. «Die Mehreinnahmen entlasten aber unseren Finanzhaushalt. Ohne sie könnten wir die Sanierung der Quellfassungen und Brunnenstuben nicht finanzieren, ohne den Wassertarif anzuheben.»

Der Blattenheid-Gemeindeverband sieht sich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, das Ziel der Sanierung sei es, möglichst viel Strom produzieren und damit möglichst viel Geld einnehmen zu können. «Wir vergrössern die Kapazität der Quellfassungen nicht», hält Peter Wenger entgegen. «Wir sanieren, um die Qualität unserer Trinkwassers aufrechtzuerhalten, da die Installationen in die Jahre gekommen sind. Wir haben aufgrund der Auflagen bezüglich Hygiene gar keine Wahl!»

Mit Trinkwasserkraftwerken hat der Gemeindeverband im Übrigen Erfahrung: Seit 1918 betreibt sie ein solches in Blumenstein. Es rentiert jedoch nicht immer. «Es gab sogar Zeiten, als es den Gemeindeverband an den Rand des finanziellen Abgrunds brachte», sagt Peter Wenger. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 29.06.2011, 06:08 Uhr

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