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Bergbahnen Engstligenalp vor ungewisser Zukunft

Von Erich Kobel. Aktualisiert am 03.09.2009

Dass über den Bergbahnen Engstligenalp dunkle Wolken aufgezogen sind, ist nun definitiv nicht mehr zu übersehen. Offen bleibt aber im Moment, ob sich ein vernichtendes Unwetter entladen wird – oder ein reinigendes Gewitter.

Geht es mit der Bergbahn  aufwärts oder bergab? Die Berg- und Talstation der Kabinenbahn auf die Engstligenalp.

Geht es mit der Bergbahn aufwärts oder bergab? Die Berg- und Talstation der Kabinenbahn auf die Engstligenalp. (Bild: zvg)

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An der Generalversammlung von übermorgen Samstag wird der Verwaltungsrat das schlechteste Rechnungsergebnis seit zehn Jahren vorlegen: Ausgewiesen wird ein Verlust von rund 1,3 Millionen Franken (dies bei einem Aktienkapital von 1,75 Millionen). Das hat weitestgehend mit der Beseitigung von Altlasten auf dem vor zirka zehn Jahren erworbenen Berghotel zu tun. Einesteils geht es um eine Wertberichtigung von 800000 Franken und andernteils um die Abschreibung eines Darlehens von 250000 Franken. Es hat sich gezeigt, dass die Ertragskraft des Gastronomiebetriebs bei Weitem nicht ausreicht, um die nötigen Verzinsungen, Abschreibungen und Rückstellungen für Investitionen zu tätigen.

Nach Vornahme der Korrekturen könnte man von einer Flurbereinigung reden– gälte die eben gemachte Diagnose nicht auch genauso für die Muttergesellschaft, also die Bergbahnen Engstligenalp AG. Zwar vermag sich der Betrieb aus eigener Kraft über Wasser zu halten und weist einen Cashflow von 67000 Franken aus, aber das sind Brosamen, wenn man die anstehenden Abschreibungen und Investitionen berücksichtigt. Gar nicht zu reden davon, dass im Hinblick auf die im Jahr 2013 fällige Erneuerung der Betriebsbewilligung technische Anpassungen zwingend sind.

Sein oder Nichtsein

Für die Erkrankung der Bergbahnen Engstligenalp AG gibt es seit etlichen Jahren gewisse Anzeichen, und wenn nicht alles täuscht, kämpfen der Verwaltungsrat und (seit zwei Jahren) der neue Geschäftsführer Adrian Brügger seit einiger Zeit schon fast verzweifelt gegen das drohende Unheil, auch wenn sie gelegentlich gegen aussen die Lage rosiger dargestellt haben als sie effektiv war.

Der Verwaltungsratspräsident Heinz Burn gibt offen zu, dass es jetzt um Sein oder Nichtsein geht. Er räumt auch unumwunden ein, «dass wir zwar schon vor Jahren die Signale erkannt, aber aus sozialen und romantischen Gründen nicht die nötigen Konsequenzen gezogen haben». Mit der Sozialromantik scheint es jetzt vorbei zu sein: Vor wenigen Tagen haben die Bergbahnen Engstligenalp AG ein Stelleninserat publiziert, mit dem sie fünf neue Mitarbeitende suchen, darunter einen Technischen Leiter. Wenn auch laut offiziellen Angaben die meisten Abgänge freiwillig erfolgen, dürften sie Indiz für den Veränderungsprozess sein, der das Unternehmen durchschüttelt.

Eine Analyse der SwissSpaGroup AG (SSG) hat «Lücken in der Strategie, der Positionierung und der Unternehmenskultur» aufgedeckt. Will heissen, dass man weder auf die seit zehn Jahren sinkenden Frequenzen und ständig steigenden Gästebedürfnisse noch auf das Auseinanderklaffen von Kosten und Erträgen eine Antwort gefunden hat. Zwar ist in den letzten Jahren mit Angeboten wie Klettersteig, Fondue-Iglu und Schlittenhunde-Fahrten die Wertschöpfung pro Gast gesteigert worden, aber das ist erst ein Anfang und ein Zeichen, wohin die Reise gehen könnte.

Natur und Kultur

SSG-Geschäftsführer Daniel Kündig hat klare Vorstellungen von der Route und vom Ziel: Erstens will man stärker auf den Sommertourismus setzen und die natürlichen Trümpfe der Engstligenalp besser ins Licht rücken, zweitens soll im Winter das Angebot ausgedehnt werden auf «alles, was mit dem Wintererlebnis zu tun hat», wie Kündig sagt und gleich anfügt, beides müsse «immer der Natur und der Kultur zugewandt geschehen und Authentizität ausstrahlen», also Echtheit, Glaubwürdigkeit, Stimmigkeit.

Beispiel: Man sucht Partner für die informelle Bildung in Themen wie Naturgewalten, Wetterphänomene, Alpwirtschaft, Bräuche und Sagen. Und: Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter muss die neue Unternehmensphilosophie verinnerlichen, den Gast umsorgen und die Stärken der Alp verkaufen. «Engstligen», sagt Verwaltungsratspräsident Heinz Burn, solle keinesfalls zum Rummelplatz werden, sondern eine idyllische «Berginsel» bleiben. Daniel Kündig schiebt nach, ohnehin werde bloss eine moderate Frequenzsteigerung von 220000 auf 250000 Fahrten pro Jahr angestrebt. Der SSG-Geschäftsführer sagt aber auch, zum Überleben «der Engstligenalp» – und dazu gehört ja die ganze Alpwirtschaft – sei bei den Nutzungsbedingungen «ein gewisser Spielraum» nötig. Das bedeutet, dass der rechtlich verankerte Schutz der Alp nicht stur ausgelegt werden sollte; man will das eine oder andere noch realisieren können. Grundsätzlich aber, so macht Kündig deutlich, sei der Schutz nicht eine Last, sondern eine Chance und ein Trumpf.

Verlieren und gewinnen

Bevor es an die Umsetzung neuer Angebote geht, muss freilich die Vergangenheit bewältigt werden. Übermorgen Samstag wird sich die Generalversammlung mit der Vision und der grundsätzlichen strategischen Ausrichtung «Engstligenalp 2013» befassen. Effektiv dürften die Würfel dann im nächsten Frühling an einer ausserordentlichen Generalversammlung fallen: Schuldensanierung mittels Kapitalschnitt, Neupositionierung, Wirtschaftlichkeitsnachweis, Finanzkonzept. Damit das Unternehmen eine neue Chance gewinnt, müssen also die 615 Aktionäre bereit sein, Geld zu verlieren. Noch ist offen, ob es mit den Bergbahnen Engstligenalp AG aufwärts oder bergab gehen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2009, 09:23 Uhr

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