Beliebte Tageskarten werden teurer
Von Roger Probst. Aktualisiert am 21.01.2011 1 Kommentar
Bei ÖV-Reisenden äusserst beliebt: Die Gemeinde-Tageskarten werden überall rege genutzt. (Bild: Markus Hubacher)
11'300 Franken kostet ein Set mit 365 Tageskarten für die Gemeinden neu. Damit können ÖV-Nutzer einen Tag die Schweizer Bahnen, Busse und Schiffe à discrétion nutzen. Erhältlich sind die Eintages-Generalabonnemente nur für die 2. Klasse. Bisher hatten die Kommunen den SBB lediglich knapp 9800 Franken zu berappen. Die Preiserhöhung beträgt 16 Prozent. Das ist happig. So betrug der Bezugspreis für die Gemeinden pro Karte in den letzte n Jahren 27 Franken, nun sind es 31 Franken. Ein Blick in die Region Thun zeigt: Viele Gemeinden geben die zusätzlichen Kosten den Bezügern weiter. In den letzten Wochen haben etliche Gemeinderäte die Preise erhöht oder die Erhöhung zumindest angekündigt.
Oppligen unerreicht
Einsam an der Spitze steht die Gemeinde Oppligen. Sie verlangt pro Tageskarte 15 Franken. Mit einer grosszügigen Spende hat die Burgerkorporation das Schnäppchen-Angebot erst möglich gemacht. Für Auswärtige hat das Ganze aber einen Haken. Die Tageskarten von Oppligen dürfen nur Einwohner und Burger bestellen.
Konkurrenzfähig sind auch die Gemeinden Homberg, Schwendibach und Teuffenthal, die beim Verkauf gemeinsame Sache machen. Bei ihnen kostet die Tageskarte 30 Franken für Einheimische (für Auswärtige 40 Franken). «Wir wollen kein Geschäft machen», sagt Hombergs Gemeindepräsident Philipp Sommer. Die Rechnung müsse Ende Jahr ausgeglichen sein. Sommer stellte aber auf den Herbst eine «moderate Preiserhöhung» in Aussicht. Dann stünde die Beschaffung zweier neuer Sets an. «Unsere beiden Tageskarten sind sehr beliebt. Die Auslastung beträgt 98 Prozent.» Erfreulich sei, dass rund drei Viertel der Karten von Einheimischen bezogen würden. «Damit profitieren in erster Linie die Bürger, für die das Angebot da ist.»
Für Kurzentschlossene hat die Gemeinde Seftigen ein lukratives Last-Minute-Angebot. Nach 8 Uhr können noch freie Tageskarten für den Spottpreis von 20 Franken erstanden werden.
Thun am unteren Ende
Am unteren Ende der Skala bewegt sich Thun. Die Stadt verlangt für eine ihrer fünf Tageskarten 44 Franken. Damit liegt sie auf Augenhöhe mit der Stadt Bern. Diese fordert ab 1. März ebenfalls 44 Franken. Zum Vergleich: Die Tageskarte mit Halbtax kostet regulär 68 Franken. «Da wir mehr Karten als kleinere Gemeinden haben, ist der administrative Aufwand grösser», sagt Philippe Haeberli, Leiter Abteilung Stadtmarketing. «Ausserdem ist bei mehr Karten das Risiko höher, dass wir auf einzelnen Karten sitzen bleiben.» Ein Geschäftszweig seien die Tages-GAs nicht, sagt Haeberli. Die Stadt Thun bietet zudem einen Service, den viele andere Gemeinden nicht haben. Sie schickt die Tageskarte ohne Aufpreis per Post nach Hause, wenn dies gewünscht wird.
Die meisten Gemeinden preisen ihre Karten im Internet an – entweder auf den eigenen Websites oder auf www.tageskarte-gemeinde.ch. Dort kann man die Billette buchen. Vielerorts muss der Bürger die Karte auf der Gemeindeverwaltung abholen, wo er nach dem Motto «Nur Bares ist Wahres» die Ware zu begleichen hat.
Schärfere Auflagen
Erhebungen zeigen, dass an Spitzentagen bis zu 4000 Reisende mit dem Tages-GA unterwegs sind. Was vor einigen Jahren zur Förderung des öffentlichen Verkehrs gedacht war, erweist sich nun als Bumerang. Die Transportunternehmen wollen dem Trend nun mit schärferen Auflagen entgegenwirken. Neben dem Faktor Preis machen sie dies über Kontingente. Die Gemeinden dürfen nicht mehr unbeschränkt Tageskarten beziehen. Damit entfällt ein allfälliges Businessmodell. Gemeinden bis 2000 Einwohner dürfen zwei Karten beziehen, solche bis 10'000 Einwohner fünf Karten und jene bis 50'000 Einwohner zehn Karten.
Zudem dürfen die Tages-GAs nur an in der Gemeinde wohnhafte Bürger abgegeben werden. Ausgenommen von dieser Einschränkung sind Einwohner kleiner Gemeinden (bis 2000 Einwohner), die auch weiterhin die Tageskarte der nächstgelegenen Gemeinde beziehen können. Damit wollen die Transportunternehmen dem Tageskarten-Tourismus den Riegel schieben. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 21.01.2011, 08:36 Uhr


