Bei Tunnelausfahrt stinkts
Besserung versprochen
Nach aussen dringende Geruchsemissionen bremsender Züge beschäftigen die SBB schon länger. Im solothurnischen Subingen müssen die Intercity-Neigezüge ICN beim Einfahren von der Neubaustrecke in die Stammlinie Olten–Biel–Lausanne einbiegen und rasch von 200 auf 140 km/h abbremsen.
Wie die «Solothurner Zeitung» im März 2009 berichtete, fühlen sich die dortigen Bewohner massiv belästigt. Nachdem sich die SBB an zwei Gemeindeversammlungen in Subingen mit heftiger Kritik konfrontiert sah, versprach das Unternehmen, in der zweiten Hälfte 2010 die Bremssteuerung der ICN technisch so anzupassen, dass die Züge elektrisch fast vollständig abgebremst werden können. «Damit», so Reto Kormann, «nicht nur die Geruchsemissionen verschwinden, sondern als positiver Nebeneffekt dank der Rekuperation auch Energie eingespart wird.»
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Vielfahrer auf der Strecke Visp–Spiez haben sich längst an den beissenden Geruch beim raschen Abbremsen der Züge beim Nordportal des Basistunnels gewöhnt. Neukunden unterhalten sich über die Herkunft der Gerüche und fragen, ob sie sogar giftig seien.
Die SBB, auf das Thema angesprochen, erklärt über ihren Mediensprecher Reto Kormann: «Muss ein Zug stark abbremsen, entwickelt die pneumatische Bremsung durch die Reibung an den Kunststoff-Scheibenbremsen Temperaturen bis 600 Grad Celsius und setzt in Folge Geruchsmoleküle frei.» Zu den freiwerdenden Schwefel- und Phenolverbindungen hält Kormann fest: «Die von der SBB in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass von den Geruchsemissionen keine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeht.»
Der Zeitdruck ist Schuld
In der Regel bremst das Lokpersonal die Züge weitgehend mit den Lokomotiven ab, wobei die Motoren als Generatoren arbeiten und die Bremsenergie elektrisch in die Fahrleitung abgeben (Rekuperation). Zur Zeit werden die Lokführer sogar auf ökologisches Fahren sensibilisiert und ausgebildet. Auf die Frage, ob das im Basistunnel nicht gelte, erklärt der Pressesprecher: «Bei 200 km/h Fahrgeschwindigkeit erbringen die Lokomotiven RE 460 knapp 20 Prozent der erforderlichen elektrischen Bremsleistung. Diese nimmt bei abnehmender Geschwindigkeit zwar zu, was aber trotzdem nicht ausreicht, die Reisezüge rasch genug abzubremsen, um die knappen Fahrpläne einzuhalten. Deshalb muss zusätzlich auch pneumatisch gebremst werden.»
Im Doppelspurabschnitt Ferden–Raron bleibt den Zügen bei fahrplanmässigem Verkehr genügend Zeit, um elektrisch zu bremsen. Weshalb die Geruchsemissionen ausbleiben.
Besserung in Sicht?
Die mit 200 Sachen verkehrenden Reisezüge verursachen im Tunnel einen hohen Überdruck, der die Gerüche ins Lüftungssystem der Fahrzeuge drängt. Das wird umso deutlicher, wenn die Züge statt durch den Bahnhof Frutigen direkt in den Engstligentunnel fahren. Dann bleibt der Geruch in den Zügen bei starkem Abbremsen bis nach Spiez erhalten.
Kormann ist überzeugt: «Der Einspurabschnitt im Tunnel vor Frutigen muss möglichst rasch freigegeben werden, denn hier zählt jede zusätzliche Sekunde Fahrzeit doppelt. Darum planen wir nun auch eine Erhöhung der Bremskraft bei den am Lötschberg im Einsatz stehenden Loks Re 460 analog der ICN-Züge.» (Berner Oberländer)
Erstellt: 16.01.2010, 10:49 Uhr


