Ballenberg-Präsident gesteht Fehler ein

BrienzWarum das Freilichtmuseum Ballenberg die Gründe für die plötzliche Kündigung der Museumsdirektorin Katrin Rieder noch immer nicht öffentlich gemacht hat. Und welche Fehler der Stiftungsrat begangen hat, nennt Präsident Yves Christen im Interview.

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Freie Mitarbeiter des Museums haben Ihnen geschrieben, Stiftungsräte wurden nicht informiert, Wissenschaftler reden von fehlender Transparenz: Sie alle wollen endlich Klarheit über die Vorgänge rund um die Kündigung von Direktorin Katrin Rieder, Herr Christen. Als oberster Funktionär des Stiftungsrates verfügen Sie über alle Informationen. Warum schweigen Sie auch zwei Wochen nach der mitgeteilten Kündigung?
Yves Christen: Wir sind auf den Wunsch von Frau Rieder, eine schriftliche Stillschweigevereinbarung, eingegangen. Arbeitsrechtlich ist dies durchaus üblich und wir haben dem zugestimmt. Ich kann deshalb zu den Umständen, die zur Trennung führten, keine Auskunft geben. Dass jetzt von allen Seiten Fragen kommen, verstehe ich. Wir haben diese Reaktionen unterschätzt und können jetzt nichts sagen. Das bedaure ich, es ist aber eine Tatsache.

War die Vereinbarung eine Bedingung von Frau Rieder, dass sie selber die Kündigung einreicht?
Wir haben den Entscheid gemeinsam getroffen. Wir wollten so wenig Polemik wie möglich, das Gegenteil ist nun eingetroffen.

Was wäre geschehen, wenn die Stiftung nicht auf diese Vereinbarung eingegangen wäre?

Hätten Sie Frau Rieder entlassen?
Ja, wir können das so sagen. Wir hatten mehrere Diskussionen und sind zum Schluss gekommen, dass es nicht weitergeht. Mehr kann ich nicht sagen, bitte verstehen Sie das.

Das eiserne Schweigen hat nun dazu geführt, dass Gerüchte über unterschiedliche Ansichten bezüglich der künftigen Ausrichtung des Museums Grund für die Trennung waren. Böse Zungen könnten auch behaupten und fragen, ob Geld veruntreut wurde?
Das ist Unsinn. Und es ärgert mich auch, dass in Medien zu lesen war, die Familie Trauffer hätte den Weggang von Frau Rieder provoziert. Mehr kann ich nicht sagen. Angesichts der negativen Schlagzeilen über das Museum müssen wir im Nachhinein feststellen, dass die Stillschweigevereinbarung vielleicht ein Fehler war.

Mit dem Hinweis auf die Stillschweigevereinbarung werden sich die Nationalräte im September wohl kaum zufrieden geben, wenn sie über die beantragten 90 Millionen Franken fürs Museum befinden werden. Ich denke, dies dürfte auch Ihnen als früherer Nationalrat klar sein.
Ich weiss nicht. Aber die genannten 90 Millionen Franken, verteilt auf zehn Jahre, wären so oder so ein Wunsch. Es wird wesentlich weniger Geld nötig sein. Wir haben jetzt festgestellt, dass der Zeithorizont als zu lang gewählt wurde. Wir werden eine Botschaft vorbereiten, wie viel Geld in den nächsten fünf Jahren nötig sein werden. Es war ein Fehler, diese 90 Millionen Franken als Zahl zu nennen. Dies hat viele abgeschreckt, aber das ist nicht die Schuld von Frau Rieder, sondern jene des geschäftsleitenden Ausschusses. Und natürlich werden wir auch von unserer Seite her zusätzliche Eigenmittel aufbringen müssen – ohne das Museum zu einem Europapark zu machen.

Nach den negativen Schlagzeilen darf, ohne zu übertreiben, behauptet werden, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Museumsführung gelitten hat. Wie wollen Sie das beschädigte Image ins Freilichtmuseum wieder reparieren?
Es gilt jetzt, die Saison gut zu beenden. Zudem wollen wir eine Person zur ganzen Thematik der Bauernhausforschung und Historik anstellen. Dann wird die Öffentlichkeit sehen, dass wir am eingeschlagenen Kurs im Rahmen der Strategie festhalten. Auch im Bereich Marketing werden wir noch tätig werden. Was es sein wird, wissen wir noch nicht.

In den nächsten Monaten werde die Nachfolge für Frau Rieder bestimmt, hatte der Stiftungsrat mitgeteilt. Wie weit sind Sie diesbezüglich?
Betriebschef Martin Wenger, Marketingchef Norbert Schmid und Beatrice Tobler als stellvertretende Leiterin der Wissenschaft bilden zusammen die Geschäftsleitung. Daran halten wir im Moment fest.

Dann wird es vorderhand keinen Vorsitz der Geschäftsleitung geben?
Das ist so. Wir werden im Rahmen der Statutenrevision unter anderem entscheiden müssen, wie die Geschäftsleitung künftig aussehen wird. Das ist ein Prozess, der im Moment läuft.

Welche anderen Schwerpunkte beinhalten die revidierten Statuten noch?
Ein kleine Kommission unter der Führung von Samuel Bill vom geschäftsleitenden Ausschuss wird nächstens darangehen, diese Statuten zu überarbeiten. Es wird unter anderem darum gehen, die künftige Organisation des Museumsbetriebes neu zu definieren. Auch die Frage nach der Grösse und Art der Gremien wird in der Gruppe diskutiert. Eines der Ziele wird es sein, mehr Professionalität in der Führung des Museums zu schaffen.

Die Revision soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Welches Resultat erwarten Sie?
Ich kann es nicht sagen, die Arbeiten müssen zuerst gemacht sein.

Sie sind seit 2011 Präsident des Stiftungsrates. Wie sieht Ihre Zukunft aus?
Es ist vorgesehen, dass ich im kommenden Jahr zurücktreten werde. So ist auch der Vorstand ins Bild gesetzt worden.

Wie sieht es mit der Nachfolge aus?
Das ist schwierig. Bis jetzt ist keine Nachfolgerin, kein Nachfolger in Sicht. Denn die Arbeit ist beträchtlich. Mit all den Vereinen, Stiftungen und AG, die in den Betrieb des Freilichtmuseums involviert sind, gibt es viele Sitzungen. Ich wende ein Drittel meiner ganzen Zeit für die Aufgaben für das Museum auf. Das kann nicht so weitergehen.

Ihre letzte Aussage lehnt sich an die Einschätzung von Museumsberater Samuel Bill an, der in seinem Brief an die Wissenschaftler zum Schluss kommt, dass der Ausschuss, der die Arbeit im Milizsystem leistet, am Rande seiner Kapazitäten ist. Was muss sich ändern, Herr Christen?
Das wird die Arbeit der Gruppe von Herrn Bill zeigen.

Dieser sagt, dass die Professionalität Geld kostet, das derzeit nicht vorhanden ist.
Natürlich müssten wir Reserven bilden, wenn wir alle diese Vertreter in den Gremien bezahlen müssten. Wir arbeiten ja ehrenamtlich und haben einfach die Spesen bezahlt.

Wenn das Museum eine bessere Entschädigung für Mitglieder in Aussicht stellen würde, wäre nach Rücktritten die Personensuche auch einfacher, oder?
Wahrscheinlich, das wäre eine Lösung. Sie wird im Rahmen der Statutenrevision auch diskutiert.

Zurück zum Brief der freien Mitarbeiter, die sich über Rieders Abgang empören. Was haben Sie ihnen geantwortet?
Noch nichts. Diese Mitarbeiter stören sich, dass die Gründe nicht kommuniziert werden und spekuliert wird, dass etwas Schlimmes vorgefallen war. Es liegt ein Entwurf einer Antwort vor.

Wie sieht diese aus?
Wir werden ans Verständnis appellieren. Mehr kann ich nicht sagen. (Berner Oberländer)

(Erstellt: 14.08.2014, 08:17 Uhr)

Zur Person

Yves Christen Der 73-jährige Westschweizer mit Emmentaler Wurzeln ist heimatberechtigt nicht nur in Cortaillod, sondern auch in Langnau und wurde als Stadtpräsident von Vevey 1995 in den Nationalrat gewählt.

Die grosse Kammer des Bundesparlaments präsidierte er 2002/ 2003. 2006 trat Christen aus dem Nationalrat zurück. 2011 wurde der Westschweizer als Nachfolger des Oberländer Politikers Hanspeter Seiler (Grindelwald/ Ringgenberg/Oberhofen) zum Präsidenten der Stiftung Freilichtmuseum Ballenberg gewählt. Christen ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Vevey. (hau)

Katrin Rieder: «Beide Seiten stimmten zu»

Diese Zeitung fragte bei Katrin Rieder nach, wer das Stillhalteabkommen verlangt habe. Die ehemalige Ballenberg-Geschäftsführerin wollte dazu keine Stellung nehmen, da ihrer Ansicht nach das Zustandekommen des Stillhalteabkommens Teil des Stillhalteabkommens sei.

«Klar ist, dass beide Seiten zugestimmt haben», hält sie fest. Dafür hätten beide Seiten ihre Gründe gehabt. Zu den negativen Schlagzeilen und deren Auswirkungen auf die Zukunft des Museums will sich Katrin Rieder ebenfalls nicht äussern. Sie sei nun aussen vor und wolle sich an das Abkommen halten. (sgg)

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