Ballenberg startet in die Saison mit der Einweihung «Graubündens»
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Am ersten Tag der 34sten Saison des Schweizerischen Freilichtmuseums wurde gestern die Einweihung der Geländekammer Graubünden gefeiert. Dies aber erst, nachdem der Waadtländer Yves Christen – der neue und erste französischsprachige Stiftungsratspräsident – seine erste Ballenberg-Saison eröffnet hatte. Margrit Walker-Tönz, Präsidentin der Gemeinde Vals, zu der die Siedlung Camp gehört, sagte, der um 1780 erstellte Stall sei im Himmel gelandet, «da, wo ein Hauch Ewigkeit weht für vieles, was sonst für immer verloren wäre». Der Stall bliebe «ünsches Ställi» auch hier, am Ballenberg: «Die Valser werden sich ihm verbunden fühlen – man wird sich erzählen, dass unter jenen, die das Dorf verliessen, auch einer ist, der sicher im Paradies gelandet ist.»
Dem Strassenbau gewichen
Für Graubündens Denkmalpfleger Marcus Casutt gilt das Freilichtmuseum keineswegs als Lösung aller Probleme, und ein Transfer dorthin ist nicht der Normalfall für den Umgang mit bedeutenden historischen Bauten: «Anliegen und Ziel der Denkmalpflege ist die Erhaltung des baulichen Erbes vor Ort.» Immerhin: Der ins Berner Oberland transferierte Stall musste einer projektierten Meliorationsstrasse weichen, vom zugehörigen Wohnhaus sind nur noch Spuren der Grundmauern sichtbar. Das ist das Zerstörungswerk einer Lawine.
Für Walter Trauffer, den Vorsitzenden der Ballenberg-Geschäftsleitung, ist die Einweihung ein historischer Moment – der Stall ist das erste Objekt der Geländekammer Graubünden, der letzten bis jetzt leergestanden Kammer. Zwar kommt der seit rund zwanzig Jahren am Ballenberg zu sehende Gebäudekomplex von Champatsch-Valchava aus dem Bündnerland (genauer: aus dem Münstertal, Val Müstair), doch ist er der Kammer Alp- und Temporärsiedlungen zugeordnet.
Rhätisches Grauvieh im Stall
Fast hätte Walter Trauffer es vergessen: «Eigentlich wurde das Gebäude schon vorher eingeweiht. Seit ein paar Wochen bewohnen Capra Grigia und rhätisches Grauvieh den Stall.» Die Vertreter bündnerischer Originalrasse würden sich wohlfühlen und hätten bereits die original Duftnote gesetzt.
Das Freilichtmuseum möchte seine Besucher – erwartet werden gegen 300 000 – auf besondere Art staunen lassen: mit der an der Museumskasse erhältlichen Themenweg-Broschüre und einem guten Dutzend über die sechseinhalb Monate verteilten Veranstaltungen. Beispielsweise werden jeweils am Mittwoch in der Arena bei der Scheune von Faulensee drei Schwergewichte Schwerarbeit leisten – die phänomenalen Ballenberg-Ochsen.
Im Mai, Juni, Juli und August kommen Imker zu Besuch und präsentieren ihr anspruchsvolles und wichtiges Handwerk. Am 24. Juni wird unter dem Motto «Am gleichen Strick ziehen» die Seilerei von Unterägeri aus dem Kanton Zug eingeweiht. Vom 27. Juni bis 7.Juli werden die Besucher wiederum in «Das Geheimnis des Kohlemeilers» eingeweiht.
Handwerk sehen und lernen
Seit 1996 ist im eigens dafür gebauten Kurshaus beim Westeingang zum Freilichtmuseum das Kurzentrum Ballenberg tätig. Es hat in diesen 15 Jahren um die 1800 Kurse, Symposien und Weiterbildungsveranstaltungen mit über 18 000 Teilnehmenden durchgeführt. Es kann an den Tagen der offenen Tür vom 3. und 4. September besichtigt werden, bietet aber ständig Gelegenheit zum Erlernen eines alten Handwerks. Im Kursprogramm, das unter www.ballenbergkurse.ch/
kurse studiert werden kann, figuriert das Besenbinden nicht. Dass es trotzdem auf dem Ballenberg anzutreffen ist, dafür sorgt das Landschaftstheater: Das Freilichtspiel «Besenbinder von Rychiswil» nach Gotthelfs Erzählung und Franz Schnyders Film hat am 6.Juli Premiere in der Geländekammer Berner Mittelland. «Besen sind bekanntlich ein schreiendes Bedürfnis der Zeit und waren das freilich schon seit langen Zeiten», schrieb Jeremias Gotthelf 1852.
Das Freilichtmuseum Ballenberg ist ab sofort bis am 31.Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, die Gasthäuser jeweils von 9 bis 18 Uhr. Kutschenfahrten gibt es jeweils von 10 bis 17 Uhr. Eintrittspreis Erwachsene: 20 Franken. Kollektiv ab 10 Erwachsenen/Studenten/Rentner/IV: 18 Franken. Kinder von 6 bis 16 Jahren: 10 Franken. Kollektiv ab 10 Kinder: 9 Franken. Der Familienpreis (Eltern und ihre Kinder von 6 bis 16 Jahren): kostet 45 Franken. www.ballenberg.ch (Berner Oberländer)
Erstellt: 16.04.2011, 11:29 Uhr


