Am Hauptprojekt stören sich zwei Private
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 15.04.2011 2 Kommentare
WWF und Pro Natura
WWF und Pro Natura fühlen sich zu Unrecht als Verhinderer von Wasserkraftwerken an den Pranger gestellt. Der Umweltverband setze sich lediglich dafür ein, dass Gewässerschutz und Wassernutzung ins Gleichgewicht gebracht würden, erklären die beiden Umweltverbände.
Bei insgesamt rund 800 Projekten in den vergangenen drei Jahren haben WWF und Pro Natura 43 Einsprachen eingelegt «und nicht 500, wie es in einigen Medien hiess», sagte Dani Heusser, Wasserexperte des WWF Schweiz, gestern in Zürich. Lediglich 5 davon landeten vor Gericht. Die meisten Projekte würden trotz Einsprache realisiert, aber eben in umweltverträglicherer Form. Die Umweltverbände sorgten dafür, dass bestehende Gesetze eingehalten werden.
Strom aus erneuerbaren Energien sei nicht automatisch ökologisch, weil für fast jede Form der Energiegewinnung ein Eingriff in die Natur notwendig ist. Bei Solaranlagen auf überbaubaren Flächen sei dieser sehr gering, beim Bau von Wasserkraftwerken dagegen seien Begleitmassnahmen notwendig, damit ökologisch produziert werden könne, so der WWF.
Das Potenzial für den weiteren Ausbau von Wasserkraft sei beschränkt. «Die Zitrone ist fast ausgepresst», sagte Rico Kessler von Pro Natura. Heute würden 95 Prozent der möglichen Wasserkraft genutzt. Ein weiterer Ausbau dürfe nur im Einklang mit der ökologischen Nachhaltigkeit und der Erhaltung der Artenvielfalt geschehen. Allerdings habe der Bund mit der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) einen Boom ausgelöst, so dass sich heute sehr viele Kleinwasserkraftwerke in der Planung befänden. Der WWF hat Daten von 800 solcher Projekte ausgewertet und geprüft, wo Kleinwasserkraftwerke gebaut werden könnten. Danach wären 560 Stand-
orte möglich, bei 122 bestehen Unklarheiten, und 143 Standorte sind nicht geeignet.sda
Die drei Projekte
KWO Plus Die drei Projekte der Kraftwerke Oberhasli sind Teil des Investitionsprogramms KWO Plus, das aus mehreren Vorhaben zur Sanierung und zum Ausbau der Kraftwerksanlagen am Grimsel- und Sustenpass besteht. Das Investitionsvolumen beträgt insgesamt eine gute Milliarde Franken.
In dieser Summe enthalten ist die Aufwertung der Kraftwerke Handeck 2 und Innertkirchen 1. Sie kostet rund 280 Millionen Franken. Der Neubau eines unterirdischen Pumpspeicherwerks zwischen dem Räterichsboden- und dem Oberaarsee ist mit rund 600 Millionen Franken budgetiert. Ein Pumpspeicherkraftwerk pumpt – wenn der Strom günstig ist –Wasser in einen Stausee. Dieses wird wieder durch die
Turbinen abgelassen, wenn der Strom teuer ist.
Herzstück und zugleich Zankapfel ist die Vergrösserung des Grimselsees. Die beiden Staumauern Seeuferegg und Spittellamm sollen je um 23 Meter erhöht werden. Dadurch würde sich das Speichervolumen von 95 auf 170 Millionen Kubikmeter erweitern. Die Vergrösserung hätte unter anderem zur Folge, dass ein Teilstück der Grimselpassstrasse über eine Hängebrücke verlegt werden müsste. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 260 Millionen Franken.sm/sny
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Zumindest beim grössten der drei geplanten Grimsel-Kraftwerkprojekte haben sich die Befürchtungen der Berner Regierung überraschend zerschlagen: Gegen das Konzessionsgesuch für ein neues Pumpspeicherwerk sind nur zwei Einsprachen eingegangen. Und diese stammen nicht von Umweltverbänden, sondern von Privaten.
Regierungsrätin Barbara Egger frohlockt: Es sei wirklich aussergewöhnlich, wenn bei einem solchen Projekt nur zwei Private Widerstand leisten. Und: «Ich glaube nicht, dass es wegen der beiden Einsprachen zu Verzögerungen bei der Realisierung des Werks kommt.» Ähnlich sieht es Gianni Biasiutti, Chef der Kraftwerke Oberhasli (KWO). Auch er ist positiv überrascht von der geringen Zahl von Einsprachen. Wer die Einsprecher sind und wie sie ihren Widerstand begründen, konnte Egger gestern noch nicht sagen.
In der aktuellen Atomausstiegsdebatte spielen Pumpspeicherwerke eine besonders wichtige Rolle. Denn der Bau von neuen Alternativstrom-Kraftwerken wie Windturbinen oder Solaranlagen setzt Pumpspeicherwerke voraus. Wind- und Solarstromanlagen produzieren bei günstigem Wetter oft grössere Mengen an überschüssigem Strom. Ohne Zwischenspeicher kann Alternativstrom deshalb kaum effizient eingesetzt werden. Bei Pumpspeicherkraftwerken wird mit Überschussstrom Wasser aus dem Tal in einen auf einem Berg gelegenen Speichersee gepumpt. Bei Bedarf wird das Wasser durch Röhren auf Turbinen im Tal geleitet.
Weitere Stolpersteine
Die Zeichen stehen nun zwar gut für das Pumpspeicherwerk an der Grimsel. Dennoch könnten sich zumindest theoretisch noch eine ganze Reihe von Bewilligungspflichten als Stolpersteine auf dem Weg zur Realisation entpuppen. Zuerst muss nun das Amt für Wasser und Abfall die Einsprachen prüfen und Einspracheverhandlungen führen. Für die Erteilung der Konzession ist der Grosse Rat zuständig. Erteilt er die Konzession – was absehbar ist –, haben die Einsprecher die Möglichkeit, diese vor dem Verwaltungs- und schliesslich vor dem Bundesgericht anzufechten. Gleichzeitig müssen die Kraftwerkbetreiber auch noch ein Baugesuch einreichen. Auch dort gibt es wieder Einsprachemöglichkeiten.
Immerhin können die Kraftwerkbetreiber das Konzessionsverfahren und das Baugesuch zeitlich parallel führen. Gemäss KWO-Chef ist es möglich, dass das Werk bereits 2016 fertig gebaut ist. Mehr Sorgen bereiten den Verantwortlichen hingegen die Einsprachen gegen die geplante Erhöhung der GrimselStaumauer (wir berichteten). Bei diesem Projekt sind die Umweltverbände bis heute nicht bereit, auf Einsprachen zu verzichten. Es ist damit zu rechnen, dass sie alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die Erhöhung der Mauer zu verhindern. (Berner Zeitung)
Erstellt: 15.04.2011, 07:21 Uhr
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2 Kommentare
Der Moorschutz wurde in die Verfassung aufgenommen um einen Waffenplatz zu verhindern (Rothenthurm). Nun ist es Zeit abzuwägen, ob wir zukünftig weiter Bandenergie aus AKW wollen oder ob wir unsere Stauseen erhöhen, um Solar- und Windenergie zu speichern und bei Bedarf abzurufen. Die Natur- und Umweltschutzverbände sollten jetzt einen Schritt für eine Schweiz ohne AKW machen! Antworten
Die höhere Mauer ermöglicht signifikante Verberesserungen bei der Reserveenergie, eine für den Atomausstieg strategisch relevante Absicherung. Statt uns um kleine Flusswerke zu streiten soll Strom aus Grosskraftwerken (Küstenwind, Sonne aus dem Süden) importiert und mit Wasserreserve ergänzt werden.
Wir kämpfen weiter für vernünftige Kompromisse!
Energiergruppe Grünliberale Kanton Bern
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