22-jährige Autobahn: Die Bauten werden «geröntgt»
Fahrtrichtung Brienz frei
Die Erfassung der Bausubstanz von Kunstbauten und Trassee werden in den nächsten Tagen Verkehrseinschränkungen zur Folge haben: Schon in der vergangenen Nacht, aber auch heute Donnerstagnacht, ist die A8 zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens ab Brienz in Fahrtrichtung Interlaken gesperrt. In dieser Zeit wird der Verkehr über das rechte Brienzerseeufer umgeleitet. Die Zufahrt von Iseltwald nach Bönigen ist über die Iseltwaldstrasse gewährleistet. Nächste Woche von Montagabend bis Freitagmorgen und auch vom Montagabend, 26. Juli, bis Mittwochmorgen, 28. Juli, wird dieselbe Strecke nochmals zu den gleichen Zeiten gesperrt, wiederum mit Umleitung via Oberried.
Der Verkehr von Interlaken Richtung Brienz kann zu diesen Sperrzeiten auf der A8 geführt werden, aus Sicherheitsgründen jedoch mit Tempo 60. Tagsüber kann es westlich von Iseltwald vereinzelt temporär zur Sperrung der dritten Fahrspur kommen.bpm
Die grosse Sanierung
Die am 18. Mai 1988 eröffnete Nationalstrasse A8 ist in Bezug auf die Verkehrssicherheit längst nicht mehr auf dem neusten Stand. In den nächsten vier Jahren sollen sowohl der 3300 Meter lange Giessbachtunnel als auch der Chüebalmtunnel einen Sicherheitsstollen erhalten.
Der kurze Senggtunnel wird mit einem Fluchtstollen ausgestattet. Der Bau dieses Stollens wird 100 Millionen Franken kosten. Der Baubeginn ist anfangs nächsten Jahres geplant; die Arbeiten werden bis in den Herbst 2014 dauern. Während der Bauzeit sind vereinzelte Umleitungen über die Kantonsstrasse entlang des rechten Seeufers geplant. Die Strasse durch die drei Tunnels wird aber in beiden Richtungen tagsüber und an Wochenenden offen sein. Nach Abschluss dieser ersten Sanierungsphase wird voraussichtlich ab dem Jahr 2015 die Sanierung der bestehenden Infrastruktur (Brücken, Tunnel, Fahrbahn) in Angriff genommen.bpm
Jeder Befund wird rapportiert: Stefan Jenny ist bis jetzt mit dem Zustand der Infrastruktur auf der Nationalstrasse A8 zufrieden. (Bild: Bruno Petroni)
Gestern war der Startschuss zu den mehrjährigen Sanierungsarbeiten der A8 entlang des linken Brienzerseeufers. Zwischen dem Halbanschluss Bönigen und dem Senggtunnel vor Iseltwald schnitten die Männer in den orangen Gilets am Rand der Fahrbahn grosse, quadratische Asphaltstücke heraus und bohrten Löcher in die tragenden Teile des 1,5 Kilometer langen Autobahnviadukts.
Auf Schäden prüfen
Mit rund 120 Kernbohrungen an Wänden und Decken von Tunneln, an Fahrbahn und Brücken soll die Bausubstanz untersucht werden. «Das heisst, dass wir bei den 13 Bauwerken anhand von gezielten, fünf Zentimeter dicken Kernbohrungen Betonproben entnehmen, die wir im Labor auf ihren Zustand untersuchen lassen», sagt Kurt Inäbnit.
Der Bauleiter des kantonalbernischen Tiefbauamtes betreut und koordiniert die laufenden Arbeiten auf der Nationalstrasse A8. «Es wäre durchaus möglich, dass im Verlauf der Jahre der Beton oder sogar die Eisenarmierungen der sogenannten Kunstbauten durch die Verwitterung und den Einsatz von Streusalz Schaden genommen haben. Aus diesem Grund müssen wir den Zustand dieser Einrichtungen untersuchen lassen, bevor wir mit Sanierungsarbeiten beginnen.»
In den nächsten zwei Wochen werden entlang der gesamten A8 zwischen Bönigen und Brienz solche Proben genommen. Baustofflaborant Stefan Jenny analysiert die Proben gleich an Ort und Stelle auf ihren Chloridgehalt. «Zu viel Chlorid fördert die Rostbildung.»
Möglicherweise bis Oktober
Die begonnenen Sondierungsarbeiten sind der erste Teil des vom Bundesamt für Strassen lancierten Erhaltungskonzepts für die A8. «Je nachdem, wie die Resultate aus den Untersuchungen ausfallen, werden wir ab Mitte August sowie im Oktober noch weitere Sondierungsarbeiten ausführen müssen», sagt Kurt Inäbnit. An den Untersuchungen sind zwei Baustoff-Prüflabore sowie die Meiringer Firma Ghelma beteiligt. Letztere ist für das Aufschneiden des Fahrbahnbelages sowie dessen Wiederinstandstellung zuständig. Nächstes Jahr beginnt der Bau der Sicherheitsfluchtstollen. Ab 2015 erfolgt dann die Sanierung der bestehenden, nun zu untersuchenden Bauten. (Berner Oberländer)
Erstellt: 15.07.2010, 10:40 Uhr













