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Tierquäler muss mit Strafe rechnen

Von Lilly Toriola. Aktualisiert am 22.04.2009 1 Kommentar

Der Kanton leitet gegen den Hirten der am Montag geräumten Alp Langenegg ob Blumenstein ein Tierschutzverfahren ein. Bis heute muss er die noch lebenden Tiere abholen. Ihm droht zudem ein Strafverfahren.

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Die Hunde wurden heute weggebracht.
Bild: TeleBärn

   

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Hat Kanton zu spät gehandelt?

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Alpsenn liess Tiere sterben



Die Besitzerin der Alp Langenegg übt harsche Kritik am Kanton. Er habe unsorgfältig kontrolliert und zu spät gehandelt. Zahlreiche vernachlässigte und über 20 tote Tiere – für die Alpkorporation Langenegg, die Besitzerin der in die Schlagzeilen geratenen Alp, ist klar, dass es so weit nicht hätte kommen müssen. «Wir haben die Fachstelle Tierschutz mehrmals darauf hingewiesen, dass auf der Alp Missstände herrschen», sagt Alpvogt Rudolf Trachsel. Es seien zwar Kontrolleure des Kantons vor Ort gewesen. «Passiert ist aber nichts», so Vogt. Für den Alpvogt unverständlich. «Schliesslich war bereits vergangenen Sommer klar, dass auf der Alp so einiges schief läuft.»

Die Alpkorporation hat T.I.* im Juni 2008 als Hirten angestellt. Bereits wenig später stellte sie aber Mängel in der Betriebsführung, bei der Tierpflege und beim Umgang mit der Sauberkeit beim Käsen fest.

Vertreter der Alpkorporation hatten die Alp Langenegg vergangenen Sommer immer wieder aufgesucht und Verwarnungen ausgesprochen. Ende Sommer folgte die Kündigung. Doch T.I. weigerte sich standhaft, die Alp zu verlassen. Stattdessen überwinterte er dort mit seinen Tieren. «Wir haben schliesslich ein Exmissionsverfahren eingeleitet, um die Alp räumen zu können», sagt Alpvogt Trachsel.

Kaum Licht im Stall

Die Fachstelle Tierschutz führte, nach einem ersten Besuch im Sommer, im Januar und am 31. März dieses Jahres zwei weitere Kontrollen vor Ort durch, stellte aber keine gravierenden Mängel fest. «Spätestens da hätte der Kanton ein Tierhalteverbot aussprechen müssen», sagt Roger Lerf, Rechtsanwalt der Alpkorporation Langenegg Schliesslich seien die Stallungen nicht für den Winterbetrieb ausgerichtet, es falle kaum Tageslicht ins Innere.

Der Kanton sei letztlich erst wegen des von der Alpkorporation eingeleiteten Exmissionsverfahrens aktiv geworden. «Es ist unverständlich, dass zuerst tote Tiere gefunden werden müssen, damit ein Tierschutzverfahren angestrengt wird», so Lerf. Der Kanton habe unsorgfältig kontrolliert und zu spät gehandelt – zumal die Alpkorporation ihn immer wieder auf ihren Verdacht hingewiesen habe.

Benjamin Hofstetter von der Fachstelle Tierschutz wehrte sich gestern gegen die Vorwürfe. «Wir haben immer wieder Kontrollen durchgeführt, dabei aber nie gravierende Mängel festgestellt», betont er. Die toten Tiere habe der Hirt verpackt und versteckt, deshalb habe man sie nicht entdeckt. Der Besitzer habe zudem versichert, dass die Ziegen ganzjährigen Auslauf hätten. «Es wäre unverhältnismässig gewesen, wegen der damals festgestellten, geringen Mängel ein Tierhalteverbot auszusprechen.» Und: Über die Todesursache der Tiere lasse sich nur spekulieren. Es könnte auch natürliche Tode gegeben haben.

Mehr Kontrollen als früher

Es ist nicht das erste Mal, dass die kantonale Fachstelle für Tierschutz und ihr Vertreter Benjamin Hofstetter kritisiert werden. Vergangenes Jahr wurden im ganzen Kanton mehrere Fälle von massiver Vernachlässigung von Tieren auf Bauernhöfen publik. Dem Kanton wurde immer wieder vorgeworfen, zu wenig Kontrollen durchzuführen und zu spät einzugreifen. «Der Fall von der Alp Langenegg ist weniger gravierend und nicht mit jenen vom vergangenen Jahr vergleichbar», betonte Hofstetter. Diesen Winter habe man zudem massiv mehr Kontrollen durchgeführt als im Vorjahr. lit

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Was Polizei und Vertreter der Alpkorporation am Montag bei der Räumung der Alp Langenegg entdeckt hatten, war wahrlich nichts für zarte Gemüter: Vernachlässigte und ausgehungerte Tiere, Schmutz und unzählige Kadaver. Vom Verantwortlichen – dem 42-jährigen Hirten T.I.* aus dem Kanton Aargau – fehlte jede Spur. Vor Ort war lediglich ein Zusenn, den er vergangenen Sommer eingestellt, aber nie entlöhnt hatte. Auch er in einem verwahrlosten und verwirrten Zustand.

Inzwischen ist klar, wie viele Tiere auf der Alp jämmerlich verendet sind. «Wir haben rund zehn ‹Gitzi›, zehn in Säcke verpackte Hühner und eine Ziege gefunden», sagte Alpvogt Rudolf Trachsel gestern auf Anfrage. Wie lange diese schon tot sind, ist unklar. Ebenso unter welchen Umständen sie umkamen. «Beides kann nicht mehr festgestellt werden», sagte gestern Benjamin Hofstetter von der zuständigen kantonalen Fachstelle Tierschutz auf Anfrage dieser Zeitung.

Noch kein Tierhalteverbot

Die verbleibenden Tiere – mehrere Hühner, Enten und Gänse, 18 Ziegen, ein Schwein und vier Hunde – wurden in den vergangenen zwei Tagen von der Alpkorporation, der Besitzerin der Alp, versorgt. Drei der 18 Ziegen sind laut Hofstetter sehr mager, die Hühner seien «knapp genährt», die restlichen Tiere befänden sich in einem normalen Zustand.

Der Hirt konnte inzwischen von der Polizei ausfindig gemacht werden. Bis heute Mittag hat er Zeit, seine Tiere abzuholen. Obwohl auf der Alp unhaltbare Zustände herrschten, wurde T.I. vom Kanton bisher nicht mit einem Tierhalteverbot belegt. Für die Alpkorporation ein Skandal (siehe Artikel unten). Gegen den 42-jährigen Aargauer wird erst jetzt ein Tierschutzverfahren eingeleitet. «Allerdings ist der Kanton Aargau über den Fall informiert», betonte Benjamin Hofstetter gestern gegenüber dieser Zeitung. Dieser werde T.I.s Tierhaltung kontrollieren. Je nach Ausgang des eingeleiteten Verfahrens muss T.I. die Tiere später aber möglicherweise wieder abgeben.

Lässt der Hirt die Abholfrist von heute Mittag verstreichen, wird sich der Kanton um die Tiere kümmern. Der Aargauer hat zudem ein Strafverfahren am Hals. Laut Auskunft der Kantonspolizei Bern wird gegen ihn wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Auch die Alpkorporation will strafrechtlich gegen den 42-Jährigen vorgehen. «Wir werden eine Strafanzeige wegen Missachtung des Exmissionsverfahren einreichen», sagte gestern Roger Lerf, Rechtsanwalt der Alpbesitzerin, auf Anfrage.

Finanzieller Schaden

Der Fall bringt für die Alpkorporation einen erheblichen finanziellen Schaden mit sich. So hat T.I. vergangenen Sommer ohne deren Wissen und auf ihre Kosten mehrere Gerätschaften bestellt. Viele Gebäudeteile sind zudem so stark verdreckt, dass sie erneuert werden müssen. Alpvogt Rudolf Trachsel: «Wie hoch der finanzielle Schaden ist, können wir momentan noch nicht abschätzen.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 22.04.2009, 13:57 Uhr

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1 Kommentar

Reto Rotta

21.04.2009, 22:45 Uhr
Melden

Immer wieder eine Sauerei, mit wiewenig Achtung wir mit den Tieren umgehen. Antworten



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