Tierquäler muss mit Strafe rechnen

Blumenstein Der Kanton leitet gegen den Hirten der am Montag geräumten Alp Langenegg ob Blumenstein ein Tierschutzverfahren ein. Bis heute muss er die noch lebenden Tiere abholen. Ihm droht zudem ein Strafverfahren.

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Was Polizei und Vertreter der Alpkorporation am Montag bei der Räumung der Alp Langenegg entdeckt hatten, war wahrlich nichts für zarte Gemüter: Vernachlässigte und ausgehungerte Tiere, Schmutz und unzählige Kadaver. Vom Verantwortlichen – dem 42-jährigen Hirten T.I.* aus dem Kanton Aargau – fehlte jede Spur. Vor Ort war lediglich ein Zusenn, den er vergangenen Sommer eingestellt, aber nie entlöhnt hatte. Auch er in einem verwahrlosten und verwirrten Zustand.

Inzwischen ist klar, wie viele Tiere auf der Alp jämmerlich verendet sind. «Wir haben rund zehn ‹Gitzi›, zehn in Säcke verpackte Hühner und eine Ziege gefunden», sagte Alpvogt Rudolf Trachsel gestern auf Anfrage. Wie lange diese schon tot sind, ist unklar. Ebenso unter welchen Umständen sie umkamen. «Beides kann nicht mehr festgestellt werden», sagte gestern Benjamin Hofstetter von der zuständigen kantonalen Fachstelle Tierschutz auf Anfrage dieser Zeitung.

Noch kein Tierhalteverbot

Die verbleibenden Tiere – mehrere Hühner, Enten und Gänse, 18 Ziegen, ein Schwein und vier Hunde – wurden in den vergangenen zwei Tagen von der Alpkorporation, der Besitzerin der Alp, versorgt. Drei der 18 Ziegen sind laut Hofstetter sehr mager, die Hühner seien «knapp genährt», die restlichen Tiere befänden sich in einem normalen Zustand.

Der Hirt konnte inzwischen von der Polizei ausfindig gemacht werden. Bis heute Mittag hat er Zeit, seine Tiere abzuholen. Obwohl auf der Alp unhaltbare Zustände herrschten, wurde T.I. vom Kanton bisher nicht mit einem Tierhalteverbot belegt. Für die Alpkorporation ein Skandal (siehe Artikel unten). Gegen den 42-jährigen Aargauer wird erst jetzt ein Tierschutzverfahren eingeleitet. «Allerdings ist der Kanton Aargau über den Fall informiert», betonte Benjamin Hofstetter gestern gegenüber dieser Zeitung. Dieser werde T.I.s Tierhaltung kontrollieren. Je nach Ausgang des eingeleiteten Verfahrens muss T.I. die Tiere später aber möglicherweise wieder abgeben.

Lässt der Hirt die Abholfrist von heute Mittag verstreichen, wird sich der Kanton um die Tiere kümmern. Der Aargauer hat zudem ein Strafverfahren am Hals. Laut Auskunft der Kantonspolizei Bern wird gegen ihn wegen Verstössen gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Auch die Alpkorporation will strafrechtlich gegen den 42-Jährigen vorgehen. «Wir werden eine Strafanzeige wegen Missachtung des Exmissionsverfahren einreichen», sagte gestern Roger Lerf, Rechtsanwalt der Alpbesitzerin, auf Anfrage.

Finanzieller Schaden

Der Fall bringt für die Alpkorporation einen erheblichen finanziellen Schaden mit sich. So hat T.I. vergangenen Sommer ohne deren Wissen und auf ihre Kosten mehrere Gerätschaften bestellt. Viele Gebäudeteile sind zudem so stark verdreckt, dass sie erneuert werden müssen. Alpvogt Rudolf Trachsel: «Wie hoch der finanzielle Schaden ist, können wir momentan noch nicht abschätzen.» (Berner Oberländer)

(Erstellt: 22.04.2009, 13:57 Uhr)

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