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Heizöl-Spekulanten in Bedrängnis

Von Beat Waldmeier. Aktualisiert am 21.10.2008 1 Kommentar

Hausbesitzer, die mit sinkenden Heizölpreisen spekuliert haben, hatten Recht. Nur nützt es ihnen wenig, weil das Heizöl knapp wird. Die Solothurner Lieferanten vermögen zurzeit kaum mehr zu liefern.

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Im Spätsommer, wenn die Hausbesitzer normalerweise an die kalte Jahreszeit denken und Heizöl bestellen, drehten die Lieferanten und ihre Chauffeure Däumchen. Der höhe Öl- und damit auch Heizölpreis liess viele Hausbesitzer pokern. Das wäre grundsätzlich auch aufgegangen, denn der Ölpreis ist seit Juli praktisch im freien Fall auf fast die Hälfte gesunken. Als dann auch noch das erste Mal ein Kälteeinbruch die Hügel des Mittellands weiss überzuckerte, ging der Run bei den Heizöllieferanten los. Der Ansturm ist so gewaltig, wie ihn die Liferanten nach eigenen Angaben noch gar nie erlebt zu haben.

Zuerst fehlten die Wagen

«Vor etwa drei Wochen hatten wir etwa 100 Telefonanrufe pro Tag», berichtet Roger Perriard, Verkaufsleiter der Firma Schenk-Öl AG in Oensingen. «Richtig unangenehm», beschreibt auch Peter Brechbühl von der Agrola in Solothurn die verzwickte Liefersituation. Dem Sturm an Bestellungen war die Logistik nicht mehr gewachsen. Zuerst fehlte es an Tankwagen, um das bestellte Heizöl ausführen zu können. Da nützten selbst die Überstunden der vorher unterbeschäftigten Heizöllieferer nichts.

In ganz Europa ist der Ölpreis ein Problem. «Für heutige Bestellungen gibt es weder einen Preis noch einen verbindlichen Liefertermin», erklärt Brechbühl. Fünf bis sechs Wochen müssen diejenigen aber schon warten, die jetzt bestellen. Ausgeliefert werde nun jene Ware mit einem Preis von 115 bis 125 Franken pro 100 Liter, jene über 130 Franken sei beim Kunden.

Probleme mit Nachschub

Jetzt beträgt der Preis um die 100 Franken. «Wir machen nicht das grosse Geschäft. Wir orderten die Ware damals auch zu höheren Preisen», erklärt Brechbühl. «Wir spekulieren nicht, dafür ist die Marge zu gering.» Verlierer seien sie, wenn sie nicht liefern könnten.

Das Problem der Lieferanten verschärfte sich zusätzlich, weil auch der Nachschub stockt. Die beiden Schweizer Öl-Raffinerien sind laut Bernhard Maurer in Revision. Seine Öl-Pool AG in Buchs AG beliefert über das Lager Oberbipp viele Solothurner Verteiler.

Auch beim direkten Nachschub von Heizöl und Diesel aus dem Ausland gibt es Probleme. Wegen des tiefen Wasserstands des Rheins können die Frachtschiffe nur etwa zur Hälfte beladen werden. Das meiste werde über den Rhein importiert, erklärt Maurer. Die Frachtkosten seien bereits stark gestiegen, womit ein Teil der Ölpreisreduktion wegfalle. Die Zugkapazitäten – eine weitere Transportvariante – liessen sich zudem weniger gut erhöhen als die der Schiffe, fügt er bei.

Verschärft wird das Problem, da auch in anderen Ländern ähnliche Verhältnisse herrschen und ebenfalls Knappheit besteht. Sowohl auf europäischer als auch schweizerischer Ebene zählen nun langjährige Beziehungen plötzlich wieder etwas. «Jene Importeure und Lieferanten, die nur immer den Billigsten genommen haben, könnten nun auf die Welt kommen», erklärt Maurer.

Frieren möglich?

Ähnlich sieht es auch an der Basis aus. «Bei neuen Kunden sind wir zurückhaltend», erklärt auch Peter Brechbühl von der Agrola. Zuerst könnten langjährige Bezieher auf ihre Lieferung zählen, neue Kundschaft wird die Ware später erhalten. Die Lage beschreibt Brechbühl zwar nur als «unangenehm», doch wirklich ernst könnte es bei einem frühen Wintereinbruch werden. Wenn sich Einfamilienhaus-Besitzer verspekulieren, ist das noch das eine, weil sie dann selber leiden. Aber bei Mehrfamilienhäusern könnten auch unschuldigte Mieter in ihren kalten Wohnungen sitzen, da die Lieferfrist mindestens anfangs Dezember ist.

«Erfrieren lassen wir aber keinen, wir betrachten die Situation des einzelnen Kunden schon», erklärt Brechbühl. Was soviel heisst, als dass man bei Notfällen hilft – sprich bei leerem Tank. Aber für den Import-Vertreter Maurer «ist nicht auszuschliessen, dass es frierende Hausbewohner geben könnte». (Solothurner Tagblatt)

Erstellt: 21.10.2008, 09:15 Uhr

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1 Kommentar

Markus Knoll

21.10.2008, 15:16 Uhr
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Seltsam, seltsam- BEIDE Raffinierien gleichzeitig & zu DIESEM Zeitpunkt in Revision: Normalerweise putzt man sowas viel früher im Jahr ;-) Glaube eher, dass Ghaddafi wegen seinem ungezogenen Hannibal immer noch auf'm Ölschlauch steht ;-) Jedenfalls- Herzlichen Dank, dass ihr euch jetzt in Karlsruhe eindeckt & deshalb der Stoff hier am Oberrhein hübsch teuer bleibt :-( Herzl. Grüße aus D. Antworten



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