Solothurn

Gesundheitsdirektor unterstützt Radikalkur der Spitäler

SolothurnGesundheitsdirektor Peter Gomm steht hinter der Strategie der Solothurner Spitäler AG: Der Stellenabbau und die Allerheiligenberg-Schliessung seien nachvollziehbar. Und: Was Gomm zum Standort Grenchen sagt.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Regierungsrat Peter Gomm (SP) sagt es offen heraus: «Das Ausmass des Stellenabbaus hat mich schockiert. Der Entscheid kann mein Herz nicht gewinnen. Er ist für die Betroffenen schmerzhaft, aber nachvollziehbar und notwendig.» Das Wort des Gesundheitsdirektors hat Gewicht, immerhin gehört die Solothurner Spitäler AG (soH) zu 100 Prozent dem Kanton. Peter Gomm stellt sich hinter die Strategie der soH-Führung um Direktionspräsident Kurt Altermatt, die sich unter anderem mit dem Abbau von 250 Stellen für die neue Spitalfinanzierung, die ab 2012 gilt, rüsten will.

Einsicht dank Prämien?

Gomm betont jedoch, es sei wichtig, möglichst viele Stellen über die natürliche Fluktuation – Stellenwechsel und Pensionierungen – nicht mehr zu besetzen. Das sollte vor allem für Pflege- und Ärztepersonal möglich sein. Ausserdem dürfe die Qualität nicht leiden, hier stehe die soH aufgrund des Leistungsauftrags in der Pflicht.

Peter Gomm unterstützt auch die Absicht der soH, die Klinik Allerheiligenberg Ende 2011 zu schliessen und deren Angebote in das Kantonsspital Olten zu verlegen. Er ist überzeugt, dass die Bereitschaft, auf den Allerheiligenberg zu verzichten, heute höher sei als 1995 und 1999, als das Volk die Schliessung an der Urne jeweils ablehnte. «Das Wachstum der Gesundheitskosten hat eine psychologische Barriere erreicht», sagt Gomm, «zudem spüren immer mehr Leute den Druck der steigenden Krankenkassenprämien.» Dass diese 2010 einen besonders starken Sprung machen werden, dürfte die Akzeptanz weiter erhöhen.

Noch Olten und Solothurn?

Peter Gomm rechnet daher «nicht unbedingt» damit, dass das Referendum gegen die Klinikschliessung ergriffen wird. Er ist zuversichtlich, dass der Kantonsrat einer Schliessung zustimmen wird – auch, weil das Angebot nicht aufgehoben, sondern in den Standort Olten integriert wird. «Ich erwarte zu gegebener Zeit eine positive Aufnahme des Antrags.»

Beim Thema Standortschliessungen ging Spital-Chef Altermatt, der eine mutige und unerschrocken offene Informationspolitik pflegt, noch weiter: «Auch die dezentralen Standorte Grenchen und Dornach werden wir auf Dauer nicht erhalten können», sagte er im Tagblatt-Interview. In 20 Jahren werde es im Kanton «schätzungsweise» noch in Solothurn und Olten Spitäler geben.

Und Grenchen?

Auch hier stärkt ihm der Gesundheitsdirektor den Rücken: «Für Grenchen und Dornach wird es schwierig, die für die neue Spitalfinanzierung nötigen Fallzahlen zu erreichen», sagt Peter Gomm. Gefordert sei vorab Dornach, da Grenchen schon heute kein vollwertiges Akutspital mehr ist, sondern in betrieblicher Einheit mit dem Bürgerspital Solothurn geführt wird. Zu Grenchen sagt Gomm: «Der jetzt vorliegende Kostenvergleich mit den anderen Spitälern könnte dazu führen, dass die soH administrativ und betrieblich so stark unter Druck kommen wird, dass sie sich zum Standort Grenchen ähnliche Gedanken machen muss wie zum Allerheiligenberg.» Will heissen: Die soH müsste sich überlegen, den Standort zu schliessen und dessen Angebote ins Bürgerspital zu verlegen. Bisher ist geplant, in Grenchen 2020 ein Geriatriezentrum einzurichten.

Peter Gomm macht im Gespräch klar, wie rasch ein erster Vorentscheid zum Standort Grenchen fallen wird: Schon 2010 will der Regierungsrat die Vorlage für den Neubau des Bürgerspitals verabschieden. Die Planung muss Aussagen zur Zukunft von «Grenchen» machen, da das neue Bürgerspital anders aussehen wird, je nachdem, ob der Standort Grenchen weiter besteht oder nicht. Ein definitiver Entscheid sei jedoch nicht nötig, weil das Siegerprojekt flexibel genug sei, um das Angebot von Grenchen auch später integrieren zu können, zum Beispiel über ein zusätzliches Stockwerk.

Zwei würden reichen

Peter Gomm verteidigt auch die Haltung des Kantons gegen Vorwürfe der Stadt Grenchen, die Investoren für eine (Teil-) Privatisierung des Spitals suchte – erfolglos. Er bestätigt, dass der Kanton Bedingungen stellte, die schwer zu erfüllen waren: Wichtigste Bedingung sei, dass die soH das Spital nicht mehr benötige. Zudem dürfte das Spital nur Leistungen anbieten, welche die soH nicht anbietet, der Bedürfnisnachweis müsste erbracht werden, die Krankenkassen müssten einverstanden sein, es dürfte kein Überangebot entstehen. In Frage kamen also nur Nischenplayer; etwas anderes wäre am Standort Grenchen mit den Nachbarn Biel und Solothurn mit Blick auf Gesundheitskosten und Versorgungssituation nicht zu verantworten, sagt Gomm.

Zweierlei steht für den Gesundheitsdirektor bereits fest: «Die soH ist darauf angewiesen, dass die ungenügende Infrastruktur des Bürgerspitals erneuert werden kann.» Und: «Die soH wäre auch ohne Grenchen in der Lage, die erweiterte Grundversorgung am Jurasüdfuss sicherzustellen, wenn die Spitalstandorte Olten und Solothurn entsprechend ausgestattet sind.» (Solothurner Tagblatt)

Erstellt: 03.08.2009, 08:44 Uhr

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Blogs

Serienjunkie Der spinnt, der Lynch!

Sportblog Dreimal runter, Hose runter

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...