Region

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Wie die Polizei auf Fahrrädern für Ruhe und Ordnung sorgt

Von Tobias Ochsenbein. Aktualisiert am 28.07.2011 1 Kommentar

Von Frühling bis Herbst sind in Biel die Bike-Patrols, also Polizeipatrouillen auf Velos, unterwegs. Bernerzeitung.ch/Newsnet konnte eine solche Fahrradstreife einen Morgen lang begleiten – und kam dabei ziemlich ausser Atem.

1/16 Personenkontrolle im Auto: Auf dem Parkplatz beim Deutschen Gymnasium in Biel finden die beiden Polizisten der Bike-Patrol einen schlafenden Autolenker.
Bild: Tobias Ochsenbein

   

(Video: Tobias Ochsenbein)

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

«Es sind Sommerferien und wir haben Frühdienst. Wir werden mit grösster Wahrscheinlichkeit einen ruhigen Morgen erleben», sagt Polizistin Kaufmann. Sie steht gemeinsam mit Kollege Geller vor dem Hauptgebäude der Kantonspolizei in Biel. Es ist kurz nach halb neun Uhr. Beide tragen dunkelblaue kurze Hose, Polizeigürtel, eine unauffällige, blaue Jacke, Sonnenbrille und Velohelm. Das ist ihre Arbeitsmontur, denn beide sind sie für die Bike-Patrol der Kantonspolizei in Biel unterwegs. Seit halb sechs Uhr sind die beiden gemeinsam mit dem Velo auf Patrouille, seit zwei Jahren gehören sie zur 2001 gegründeten Bike-Patrol. Nach einer kurzen Vorstellungs- und Einführungsrunde geht es ab aufs Bike.

Hund an der Leine?

Kurz nach halb neun Uhr, Seepromenade. Es ist ruhig. Noch sind kaum grosse Menschenmengen am See unterwegs, vereinzelt sieht man Hundehalter mit ihren Tieren spazieren. In Biel herrsche am Seeufer und in Parks Leinenpflicht für Hunde, sagt Geller und bremst sein Bike neben einem Hundehalter langsam ab. Ohne sein Fahrrad jedoch richtig zum Stehen zu bringen bittet er diesen höflich, seinen Hund an der Leine zu führen, nickt, wünscht einen schönen Tag und beschleunigt bereits wieder.

Hier an der Seepromenade zeigt sich gut, dass die Velos ein geeignetes Verkehrsmittel für Polizisten sind. Man ist äusserst mobil, leise und kommt oft unkompliziert an Orte, an denen es mit dem Streifenwagen praktisch unmöglich ist hinzukommen. Die Bike-Patrol soll deshalb als Einsatzmittel in engen Gassen und Fussgängerzonen den Vorteil gegenüber Streifenwagen und Fusspatrouillen nutzen.

Der Abfall unmittelbar am Seeufer lässt vermuten, dass hier am See abends einiges mehr los sein dürfte als am frühen Morgen. Auf und unter den Bänken liegen leere Bierdosen und -flaschen. «Ferienzeit», sagt Polizistin Kaufmann. «Junge Leute kommen in den Sommerferien vor allem am Abend zum Festen hier an den See. Die Polizei habe während dieser Zeit während der Nachtschicht am meisten zu tun». Mit den Fahrradpatrouillen soll vor allem die präventive Wirkung der Polizei erhöht und die Bürgernähe gefördert werden. So machen die Patrouillen junge Menschen am See etwa darauf aufmerksam, dass der exzessive Konsum vom Alkoholika am Wasser mitunter zu gefährlichen Situationen führen könne, liefert Geller als Beispiel dazu.

«Schau mal her, da schläft einer im Auto»

Ein paar Minuten später, auf dem Parkplatz des Deutschen Gymnasiums. Die Patrouille wirft kurze Blicke in die Autos und nimmt anschliessend auch hier ihre präventive Aufgabe war. Die Polizisten stecken Flyer an die Windschutzscheibe der parkierten Fahrzeuge. Ferienzeit sei leider immer auch florierende Einbruchszeit, sagt Kaufmann. Deshalb mache man die Lenker darauf aufmerksam, keine Wertgegenstände sichtbar im Auto liegen zu lassen.

Polizist Geller will weiter via Bahnhof in die Innenstadt. Er tritt schon in die Pedale, als seine Kollegin plötzlich ruft: «Schau mal her, da schläft einer im Auto». Kaufmann klopft an die Scheibe, der Mann richtet sich im Auto auf, will aussteigen. Er wird in freundlichem aber bestimmten Ton angehalten die Türe wieder zu schliessen und stattdessen die Scheibe runter zu lassen. Der Mann spricht weder richtig Deutsch noch Französisch. Kaufmann lässt mittels Natel seine Personalien im Hauptquartier prüfen. Alles in Ordnung. Es stellt sich schliesslich heraus, dass der Mann auf dem Weg nach Bern ist und sich auf dem Parkplatz nur kurz ein wenig erholen wollte.

Auf dem Weg zum Bahnhof erzählen die beiden von der zweitägigen Bike-Patrol- Ausbildung. Dort werde vor allem das Verhalten auf dem Velo gründlich angeschaut und speziell geschult. Das «Alltagsgeschäft» der Bike-Patrol sei aber genau dasselbe wie dasjenige der Autopatrouille, nur auf zwei Rädern, betonen die beiden.

Präsenz markieren

Kurze Zeit später auf dem Robert-Walser-Platz, die Polizisten steigen vor der Bahnhofspassage von ihren Fahrrädern ab und stossen diese in die Bahnhofshalle. Im Bahnhof gehe es vor allem darum Präsenz zu markieren, meint Geller. Fehlbares Verhalten beobachten die beiden Polizisten dort aber praktisch keines. Sie verweilen einige Minuten in der Halle, reden hier und da mit den Leuten. Man bemerke schon, dass die Bikes die Bevölkerung weniger abschrecken würden als die Polizeiautos dies tun. Das Image der Bike-Polizisten sei besser und man werde auch sympathischer behandelt, sagen die beiden Polizisten.

Die Bike-Patrol soll nicht nur die präventive Wirkung verstärken. Mit ihr könne auch die Bürgernähe gepflegt und gefördert werden. Dass das Bike-Patrouille-Modell Erfolg habe zeige sich auch daran, dass der personelle Bestand in diesem Jahr verstärkt wurde, so Kaufmann. Mittlerweile sind in Biel bereits achtzehn Polizisten mit dem Velo unterwegs, die sich abwechselnd die Bike-Dienste teilen.

In Handschellen abgeführt

Auf direktem Weg geht es nun zum Gaskessel. Man habe beim Coupole in letzter Zeit oft Unruhen erlebt, deshalb sei man hier nun öfters präsent, sagt Geller. Heute ist alles ruhig, nur eine Person sitzt verlassen da, trinkt Bier. Man kennt sich, haltet einen kurzen Schwatz ab und verabschiedet sich schliesslich wieder nett.

Kurz vor halb zehn Uhr, die beiden Polizisten fahren direkt auf eine Sitzbank auf einem Parkplatz an der Florastrasse zu. Personenkontrolle. Ein Mann und eine Frau sitzen rauchend und Bier trinkend auf einer Bank. Beide werden nach dem Ausweis gefragt. Von der Frau wird bald abgesehen, der Mann muss seine Taschen leeren. Plötzlich geht alles ganz schnell: Während Polizist Geller dem Mann mit Handschellen die Hände auf den Rücken bindet, funkt seine Kollegin die Zentrale an, bietet Verstärkung auf. Vier Minuten später taucht ein Patrouillenwagen der Polizei auf. Man bespricht sich kurz, anschliessend wird der Mann ins Auto verfrachtet und abgeführt. Es handle sich um einen Kleinkriminellen, der verschiedene Delikte begangen hat und schon seit einiger Zeit gesucht wird, berichtet Geller. Das ist die einzige Information, die er Preis gibt.

«Velobussen sind nicht so teuer, aber sie können sich summieren»

Nach diesem kurzen aber spannenden Intermezzo verläuft der Morgen wieder ruhig. Man «markiert» noch ein wenig Präsenz in der Nidaugasse, wo absolutes Velo-Fahrverbot gilt. Die beiden Polizisten müssen einige Velofahrer freundlich mahnen, die sich nicht die Mühe machten, vom Fahrrad zu steigen, verteilen aber keine Busse. Es gelte oft abzuwägen, ob Bussen angebracht sind. Das komme bei kleineren Delikten oft auch auf das Verhalten des Delinquenten an. Aber häufig nütze es mehr, eine Mahnung auszusprechen, als immer direkt eine Busse auszustellen, sagt Geller. Kaufmann ergänzt, dass Velobussen einzeln nicht so teuer seien, aber diese können sich summieren, wenn jemand zum Beispiel nach einem Fehlverhalten auf der Strasse noch weiter kontrolliert werde. Fehlt dabei nur eine Vignette oder ist das Velo sonst ungenügend ausgestattet, könne sich das dann schon zusammen läppern.

Die Bike-Patrouille setzt ihren Weg in Richtung Altstadt fort, bis sie kurz nach zehn Uhr via Funk an die Dufourstrasse gerufen wird. Dort soll ein Einbruchversuch in einem Wohnhaus stattgefunden haben. Binnen fünf Minuten ist die Patrouille von der Altstadt «auf Platz». Offenbar wurde versucht mittels Fachwerkzeug die Kellertüre aufzubrechen. Nicht das erste Mal, wie Polizist Geller feststellt. Die Tür weist bereits ältere Einbruchsspuren auf. Der Vermieter kann das bestätigen. Die Polizisten sprechen mit Mietern, schauen sich die Türe an, aber stellen ausser den verdächtigen Werkzeugspuren nichts Verdächtiges fest.

Drei Minuten später im Bieler Stadtpark. Bei einer weiteren Personenkontrolle stellt sich heraus, dass der examinierte Mann ebenfalls Bewohner der Liegenschaft ist, bei der angeblich versucht wurde einzubrechen. Er erzählt der Polizei, dass sich die Kellertüre bereits seit einiger Zeit nicht mehr richtig öffnen lasse. Das sei eine interessante Aussage, kommentiert Geller und fährt in Richtung Stadtzentrum davon.

Ein ruhiger Ferien-Frühdienst

Auch nach elf Uhr, als sich die Innenstadt mit hungrigen Arbeitern langsam füllt, bleibt es ruhig. Kurz vor Mittag müssen die Polizisten doch noch eine Busse ausstellen. 120 Franken, ein teurer «Parkplatz» für eine Frau, die nur kurz jemanden suchen gegangen ist. Die Frau hat ihr Auto am Anfang einer schmalen Strasse auf einer Halteverbotslinie parkiert. Für einen Lastwagen oder ein Löschfahrzeug sei es nun unmöglich hier durchzukommen, begründet Kaufmann die Geldstrafe.

Halb zwölf Uhr, zurück beim Hauptgebäude der Kantonspolizei. Nach einem weiteren Turnus am See, wo kurz vor Mittag alles ruhig verlief, freuen sich die beiden Polizisten auf das wohlverdiente Schichtende. 30-40 Kilometer pro Schicht fahre die Bike-Patrol etwa, sagt Geller. Heute dürften es aber ein Bisschen weniger gewesen sein, es sei ein ruhiger Morgen gewesen, fasst Kaufmann ihren Dienst zusammen und verabschiedet sich. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2011, 06:16 Uhr

1

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

1 Kommentar

Christian Grogg

28.07.2011, 08:47 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Finde ich wirklich sinnvoll! So sind die Polizisten in der Stadt viel wendiger und schneller, zudem auch noch umweltschonend und leise. Antworten



Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Waren Sie schon mal in einem Pfingstlager?