Wie der Fall Kneubühl die Stadt Biel verändert hat
Von Tobias Ochsenbein. Aktualisiert am 09.09.2011 2 Kommentare
Pro-Kneubühl-Kundgebung auf dem Zentralplatz in Biel am 13. September 2010. (Bild: Jon Mettler)
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Die ganze Schweiz blickte im September 2010 ins Bieler Lindequartier, als sich Peter Hans Kneubühl in seinem Haus am Mon-Désir-Weg 9 verbarrikadierte. Weil er sein Haus nicht zwangsversteigern lassen wollte, verletzte Kneubühl einen Polizisten der Kantonspolizei Bern mit einer Schussabgabe schwer. Danach ergriff er die Flucht und hielt die Polizei über eine Woche lang zum Narren. Die mediale Aufmerksamkeit war gross, die Bewohner im Quartier erlebten turbulente und zuweilen bange Tage.
Wieder Ruhe im Quartier
Ein Jahr ist seither vergangen. Längst ist aber im idyllischen Bieler Lindenquartier wieder Ruhe eingekehrt. Dies erzählt eine Nachbarin Kneubühls, die nicht mit Namen erwähnt werden möchte, auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Der anfängliche Rummel sei bereits kurz nach der Verhaftung des Rentners zurückgegangen, sagt sie. «Ein paar Tage nachdem sich die Polizei aus dem Quartier zurückgezogen hat, wurde es hier wieder ruhig.»
Nur unmittelbar in der Zeit nach der Verhaftung seien noch ein paar Neugierige an Kneubühls Haus vorbeigekommen und hätten sich den Ort des Geschehens angeschaut. «Aber der Alltag kehrte dann schon sehr bald wieder ein», fasst die Frau schliesslich das Geschehen im vergangenen Jahr zusammen. Die Geschichte sei, zumindest für die Bewohner im Quartier, längst abgeschlossen, so die Nachbarin.
Ins gleiche Horn bläst Nicolas Tröhler. Er ist der Mann, der am 13. September 2010 die Pro-Kneubühl-Kundgebung in der Bieler Innenstadt organisiert hatte. «Es gab ein ein paar Dinge, die bei der Jagd nach Kneubühl nicht mit rechten Dingen zu und her gingen, deshalb habe ich damals eine Pro-Kneubühl-Kundgebung auf die Beine gestellt», sagte Tröhler am Telefon. Er warf der Polizei seinerzeit vor, die Jagd nach Kneubühl sei unmenschlich. «Dieses Ereignis ist nun ein Jahr her und für mich eine gegessene Sache. Ich habe seither nichts mehr mit der Geschichte Kneubühl am Hut», so der frankophone Bieler.
Fehler auf Führungsebene
Tatsächlich sind beim Grosseinsatz der Kantonspolizei Bern gegen Kneubühl im September 2010 auf der Führungsebene der Polizei Fehler passiert. Zu diesem Schluss kam Hanspeter Uster, der externe Experte, in seinem Ende August veröffentlichten Bericht. Dieser wurde von Regierungsrat Hans-Jürg Käser in Auftrag gegeben und im August dieses Jahres vorgestellt. Uster warf darin der Einsatzleitung vor, damals nur von einem möglichen Szenario, dem «suicide by cop», ausgegangen zu sein. Die Polizei habe die Einsatzthese, dass sich der Rentner von der Polizei erschiessen lassen wolle, zu keinem Zeitpunkt hinterfragt, lautet der Vorwurf.
Ins Zentrum dieses Vorwurfes rückt damit auch François Gaudy. Er war Chef der Regionalpolizei Seeland-Berner Jura und Gesamteinsatzleiter im Fall Kneubühl. Gaudy wurde im Januar 2011 pensioniert – wie schon vor dem Fall Kneubühl angekündigt – und will sich nicht mehr zum Fall äussern. Er bestätigt lediglich, dass er Usters Untersuchungsbericht gelesen habe. Dieser würde aber keine schwerwiegenden Fehler gegen ihn vorbringen.
Zusätzliches Instrument
Die Sicherheitsdirektorin der Stadt Biel, Barbara Schwickert (Grüne), sagte an der Pressekonferenz anlässlich der Gefangennahme Kneubühls vor einem Jahr, dass es das Ziel sei, Lehren aus dem Fall zu ziehen. Welche Lehren hat die Stadt Biel nun gezogen?
Schwickert sagt, dass die Behörden der Stadt Biel sich im Fall von Kneubühl keine Fehler zuschreiben lassen müssten. Dabei stützt sie sich auf den im Februar dieses Jahres veröffentlichte Bericht der Justitz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK). Dieser bestätige, so Schwickert, dass die Behörden jederzeit richtig gehandelt hätten. In der Folge seien deshalb keine grundlegenden Änderungen in der Arbeitsweise der Behörden nötig gewesen.
«Dennoch hat die Stadt Biel ein zusätzliches Instrument, eine Führungszelle als Koordinationsorgan, gebildet», so die Gemeinderätin. Diese soll stadtintern zur Bewältigung von grösseren Ereignissen, die markant über das Tagesgeschäft hinausgehen, aber die Schwelle der Katastrophe nicht erreichen würden, eingesetzt werden.
Ausserdem seien die betroffenen Behörden heute sensibler in Fragen der eigenen Sicherheit und den Auswirkungen von behördlichen Handlungen auf die Bevölkerung. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2011, 06:14 Uhr
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2 Kommentare
Sehr geehrter Herr Ochsenbein
Zitat:...verletzte Kneubühl einen Polizisten der Kantonspolizei Bern mit einer Schussabgabe schwer."
Diese Aussage ist reine Spekulation. Es ist nach wie vor NICHT bewiesen, dass er geschossen hat. Das Untersuchungsergebnis liegt nicht vor. Alle hüllen sich in Schweigen. Warum behaupten Sie etwas, dass nicht bewiesen ist und keiner dazu was sagt?
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