Der 67-Jährige sollte in die Psychiatrie

Von Jon Mettler/mar/tan. Aktualisiert am 09.09.2010 46 Kommentare

Der 67-jährige Peter Hans Kneubühl ist geflüchtet. Er hat zuvor auf einen Polizisten geschossen und diesen schwer verletzt. Wo sich der Schiesswütige derzeit aufhält, ist unklar. Gegen den Mann war ein sogenannt fürsorgerischer Freiheitsentzug angeordnet.

1/37 «Ich bin froh, am Leben zu sein»: Peter Kneubühl wurde am 17. September von der Kantonspolizei Bern verhaftet.
Bild: Keystone

   

(Video: Jon Mettler)

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Angeordnet hat den Freiheitsentzug der Bieler Regierungsstatthalter Werner Könitzer, wie «Schweiz aktuell» berichtet. Der 67-jährige Rentner Peter Hans Kneubühl hätte demnach am Mittwoch einem Psychiater zur Untersuchung zugeführt werden sollen. Als die Polizisten beim Haus des Mannes auftauchten, kam es zur Eskalation. Peter Kneubühl ist flüchtig und konnte bisher nicht angehalten werden, wie François Gaudy, Chef der Regionalpolizei Seeland, am Donnerstagnachmittag vor Ort sagte. Der Gesuchte ist rund zwei Meter gross und von schlanker Statur. Er hat weisse Haare und trägt einen weissen Stoppelbart. Er ist Brillenträger, trägt ein helles Hemd und dunkle Hosen. Die Polizei bittet die Bevölkerung in einer Mitteilung um Mithilfe.

Suche auf ganze Schweiz ausgedehnt

Gegen Donnerstagmittag haben die Einsatzkräfte feststellen müssen, dass sich der Gesuchte nicht mehr im Haus seiner Eltern am Mon-Désir-Weg im Bieler Lindenquartier befindet. Die Polizei hatte den ganzen Morgen die Liegenschaft und die nähere Umgebung gründlich durchsucht. Auch im vermuteten Waldstück konnte er nicht angehalten werden. Die Suche wurde auf die ganze Schweiz ausgedehnt.

Wie es dazu kommen konnte, dass Peter K. trotz Riesenaufgebots der Kantonspolizeien Bern, Zürich, Thurgau und Baselland entkommen konnte, kommentierte der Regionalpolizei-Chef folgendermassen: «Wir haben daran auch keine Freude.» Der Täter habe aber gegen 1 Uhr am Morgen unvermittelt mit einem Gewehr auf die Polizei gefeuert und den Überraschungsmoment sowie die Dunkelheit genutzt, um zu entkommen. Gaudy: «Bei all unseren Überlegungen stand stets die Sicherheit der Polizisten und des Mannes selbst im Vordergrund.»

Beim Schusswechsel ist ein Elitepolizist am Kopf schwer verletzt worden. Er musste notoperiert werden. Sein Zustand ist aber stabil.

Der 67-Jährige Peter K. wird von Anwohnern als Eigenbrötler beschrieben, der das Haus nicht oft verlassen habe. Anwohner äusserten bereits am Donnerstagmorgen die Vermutung, der Mann halte sich nicht mehr im Haus auf.

Erste Anzeichen von Beruhigung

Die 40 Bewohner aus den umliegenden Gebäuden sind teilweise in Zivilschutzanlagen untergebracht worden, andere wohnten bei Bekannten. Am Donnerstag um 20 Uhr dürfen sie in ihre Wohnungen im Lindenquartier zurückkehren. Ebenfalls evakuiert wurden die Schülerinnen und Schüler der Linden-Schulhäuser. Am Freitag findet der Schulunterricht jedoch wieder normal statt.

Bei den Anwohnern des Lindenquartiers machte sich am Donnerstag Unbehagen breit. «Wir haben schon etwas Angst», erzählte ein älteres Ehepaar aus der Nachbarschaft. Eine direkte Nachbarin des flüchtigen Mannes beschrieb die Stimmung als angespannt. Sie bezeichnete den 67-Jährigen als Einzelgänger, «aber nicht böse oder gefährlich». Mit der Polizeiarbeit sei sie zufrieden, wie sie gegenüber bernerzeitung.ch weiter ausführte. Sie schätzte die Situation als sehr schwierig für die Polizei ein, nicht zuletzt weil der Garten des Rentners verwildert und deshalb unüberschaubar sei.

Sicherheitsmassnahmen noch immer hoch

Die Sicherheitsvorkehrungen im Lindenquartier sind seit Donnerstagmorgen verschärft worden. Für die Kantonspolizei Bern stand ein Super Puma der Schweizer Armee im Einsatz, wie Armeesprecher Christoph Brunner auf Anfrage sagte. Dieser Helikopter sei mit einer speziellen Wärmebildkamera ausgestattet, die zur Lokalisierung von Personen geeignet sei. Das Quartier befindet sich in der Nähe des Bieler Stadtzentrums. Auch dort herrscht erhöhte Polizeipräsenz.

Haus sollte versteigert werden

Das Haus des 67-Jährigen sollte per Gerichtsbeschluss versteigert werden, am Mittwoch hätte eine Besichtigung stattfinden sollen: Doch genau dies verhinderte der 67-jährige Mann, indem er sich alleine in besagtem Haus verschanzte und einen Schuss abgab. Angeblich soll er sogar selber die Polizei alarmiert haben, wie das «Bieler Tagblatt» in der Ausgabe vom Donnerstag schreibt.

Schüsse und Detonationen

Verschiedene Behördenstellen versuchten laut Miteilung, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Danach bemühten sich Spezialisten der Polizei darum, das Gespräch mit dem Mann aufzunehmen. Am späten Mittwochabend überstürzten sich dann die Ereignisse. Die Stadtpolizei Zürich rückte mit Spezialkräften an. Die Kantonspolizei Bern hatte Verstärkung angefordert, weil gleichentags der deutsche Bundespräsident Christian Wulff in Bern weilte und Kräfte dadurch gebunden waren. Die Kantonspolizei Zürich rückte bereits am Mittwochabend nach Biel aus. In der Nacht wurde diese jedoch noch zu einem weiteren Einsatz gerufen. Sie traf am Donnerstagmorgen erneut im Lindenquartier ein.

Gegen 22.27 Uhr waren mehrere Knallgeräusche zu hören, die wie Schüsse tönten. Gegen 22.55 Uhr gab es erneut einen lauten Knall, der sich wie eine Detonation anhörte. Gegen 0:20 Uhr am Donnerstag knallte es erneut zwei Mal. Polizeisprecherin Florie Marion bestätigte am Donnerstagmorgen genüber der Schweizerischen Depeschenagentur «Detonationen» in der Nacht. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2010, 16:23 Uhr

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46 Kommentare

daniel meier

09.09.2010, 10:21 Uhr
Melden

unglaublich... ein einzelner hält kantonspolizisten aus 3 kantonen sowie spezialeinheiten in schach und verletzt trifft auch noch. entweder herrscht dort ein einziges organisation chaos, oder diese sogenannten "spezialtruppen" sind überhaupt nicht sachgemäss ausgebildet? oder wie ist es anders zu erklären, dass sich dieser mann immer noch frei bewegen kann? Antworten


Christian Hirschi

09.09.2010, 10:43 Uhr
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@daniel meier Wieder einmal typisch! Vom Bürostuhl aus die Lage analysieren und die Verantwortlichen vor Ort krtisieren. Sie haben doch überhaupt keine Ahnung! Schweigen wäre in Ihrem Falle die beste Variante! Antworten



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