Ungetrübte Sicht vom strittigen Turm
Von Jessica King. Aktualisiert am 28.06.2010 1 Kommentar
Die ganze Schönheit des Seelandes auf einen Blick: Das imposante Panorama vom Chutzenturm in Seedorf ist einzigartig. (Bild: Enrique Munñoz Garcia)
234 Stufen
Der Turm kostete 980'000 statt 600'000 Franken. Für den Bau wurden über 500 Tonnen Materialien gebraucht, die Rundstützen bestehen aus 63 Kubikmeter Douglasholz. Die Montage des 45 Meter hohen Turms dauerte sieben Wochen. Um ihn zu erklimmen, müssen Besucher 234 Stufen bis zur obersten Turmplattform nehmen.
«Seeland, du bist mein Glück, du kannst mir nie verleiden», singt der Männerchor Ziegelried inbrünstig auf den untersten Treppenstufen des Chutzenturms – passende Worte zur Einweihung. Von der obersten Plattform sieht man Richtung Norden Bielersee und Jura. Beim Blick nach Süden ragen die Alpen empor. Das Seeland entfaltet in 40 Metern Höhe seine ganze Schönheit.
Begeistert von der Aussicht zeigt sich neben den Besuchern auch Regierungsrätin Beatrice Simon, die bei der Planung des Turms als Gemeindepräsidentin in Seedorf aktiv war. Für sie ist das imposante Panorama symbolisch zu verstehen: «Wir haben auf dem Land durchaus auch Attraktionen. Es ist nicht nur die Stadt, die mit Bauwerken und kleinen Bärli punkten kann – die Landschaft im Seeland ist wunderschön.»
Einer der Höchsten
Nicht nur das Seeland, sondern ein grosser Teil des Kantons Bern ist von der obersten Plattform überblickbar. Für Eiger, Mönch und Jungfrau musste hoch gebaut werden – der Chutzenturm ist einer der höchsten Holztürme der Schweiz. «Wir wollten nicht a priori den höchsten haben», sagt Simon schmunzeln. «Wichtig war uns, dass man die Berner Alpen sieht und nicht nur in die Bäume starrt.»
Solides Fundament
In 40 Metern Höhe bläst ein kräftiger Wind, die Plattform wackelt wie Pudding. Obwohl Andreas Burren, Präsident des Vereins Chutzenturm, nicht schwindelfrei ist, hat er keine Angst: «Der Turm wurde solide gebaut», sagt er. Das Fundament besteht aus 427 Tonnen Beton, mächtige Douglasstämme, die zum Teil nur 70 Meter weit entfernt aufwuchsen, sichern die Plattformen. «Unser Leitspruch für das Projekt war ‹Von der Region, für die Region›», erläutert Burren. «Die meisten unserer Rohstoffe sind ‹made in Frienisberg›, auch die Arbeit wurde von ansässigen Firmen ausgeführt.» Die einzige Ausnahme bilden Zugstangen aus Stahl.
Probleme im Frühjahr
Vier Jahre hat es von der zündenden Idee bis zur Durchschneidung des roten Bandes gedauert. Die veranschlagten 600000 Franken reichten nicht aus – die Kosten stiegen auf 980000 Franken. Kurz vor Baubeginn kritisierte Thomas Fuchs, Präsident des Bundes für Steuerzahler und SVP-Grossrat, den Gemeinderat Seedorf scharf, weil er dem Verein Chutzenturm ein Darlehen von 250000 Franken gewährt hatte (wir berichteten). Seinen Ärger dazu entlädt Vereinspräsident Andreas Burren in der Einweihungsrede: «Mit dem Turm wurde Wahlkampf betrieben», sagt er klipp und klar. Regierungsrätin Beatrice Simon doppelt nach: «Man wollte verhindern, dass ich gewählt werde.» Mehr ist den beiden zu diesem Thema nicht mehr zu entlocken. Viel lieber schwärmen sie von der Aussicht hoch oben auf dem Turm. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.06.2010, 08:34 Uhr
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1 Kommentar
Es ist bedenklich, dass man für einen solchen Turm im Wald viel Geld ausgiebt. Der Försterweg wurde immer auf die lange Bank geschoben,obwohl die Gemeinde Seedorf versprach, dass die Strasse demnächst geteert werde.Ich finde das wir als Steuerzahler auch ein Recht haben auf eine staubfreie Strasse. Antworten

