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Synodalrat untersagt Seeländer Pfarrerin Mitwirkung an Hetz-Blog

Aktualisiert am 26.01.2012 2 Kommentare

Im Fall der Seeländer Pfarrerin Christine Dietrich hat der Synodalrat nach eingehenden Abklärungen ein Machtwort gesprochen: Die Seelsorgerin soll sich künftig von islamfeindlichen Blogs fernhalten.

In diesem Blog waren Einträge der Seeländer Pfarrerin Christine Dietrich zu lesen.

In diesem Blog waren Einträge der Seeländer Pfarrerin Christine Dietrich zu lesen.
Bild: Screenshot Politically Incorrect

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Zwar könnten ihr keine eigenen hetzerischen Äusserungen gegen den Islam oder gar Hasspredigten vorgeworfen werden. Doch ihre «mitbestimmend-verantwortliche» Funktion im Blog «Politically Incorrect» lasse sich nicht mit ihrer Stellung als bernische Pfarrerin vereinbaren.

Zu diesem Schluss kommt der Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn nach einer Untersuchung über das Verhalten der Pfarrerin, wie er am Donnerstag mitteilte. Er war der Sache nachgegangen, nachdem Medien im letzten Spätsommer über angeblich islamfeindliche Umtriebe der Pfarrerin berichtet hatten.

Mit der externen Untersuchung wurde der frühere Berner Regierungsstatthalter Andreas Hubacher beauftragt. Gestützt auf dessen Erkenntnisse und nach Anhörung der Pfarrerin habe der Synodalrat nun seine Schlüsse gezogen, heisst es.

Die Untersuchung habe keinen Beweis für islamophobe Äusserungen oder Schriften der Pfarrerin von Siselen-Finsterhennen ergeben, hält der Synodalrat fest. Es seien keine «Hasspredigten» bekannt geworden, und die ihr angelasteten hetzerischen Ausdrücke stammten nicht von ihr.

Insbesondere seien keine derartigen Verfehlungen im Pfarramt der jetzigen Kirchgemeinde bekannt. In dieser Beziehung nehme der Synodalrat die Pfarrerin in Schutz.

Teilnahme an Demos in Deutschland

Für Auftritte an islam- und fremdenfeindlichen Veranstaltungen in Deutschland sei Dietrich schon im August 2010 gerügt und ermahnt worden - namentlich, weil sie auf einer islamfeindlichen Kundgebung eine Andacht gehalten und an einer solchen Demonstration Übersetzerdienste geleistet habe.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass Dietrich diese Mahnung seither missachtet habe. «Die Mahnung hat somit ihre Wirkung getan und wird vom Synodalrat bestätigt», heisst es.

Gutachter Hubacher kam weiter zum Schluss, dass die Pfarrerin beim islamfeindlichen Blog «Politically Incorrect» eine mitbestimmende Funktion wahrgenommen habe, auch wenn der Hauptverantwortliche offenbar ein anderer gewesen sei.

In dem Blog seien herabwürdigende und hetzerische Artikel publiziert worden. Daher sei es für eine bernische Pfarrerin nicht angezeigt, sich «in leitender Stellung» an der Website zu beteiligen. Der Synodalrat erteilte Dietrich deshalb formell mehrere Weisungen, sich von solchen Blogs fernzuhalten.

Blog-Tätigkeit eingestellt

Dietrich habe zugesichert, sich an die Weisungen zu halten. Nach Erkenntnissen des Synodalrats gab sie ihre Tätigkeit bei «Politically Incorrect» schon im vergangenen Sommer auf.

Dietrich selber machte verschiedentlich geltend, sie trete vor allem für die Menschenrechte - zum Beispiel der islamischen Frauen - ein und für das Existenzrecht des Staates Israel. Sie stehe auch dem Dialog mit einem aufgeklärten Islam positiv gegenüber.

Der Kirchgemeinderat Siselen-Finsterhennen schreibt auf seiner Website, Dietrich habe nie Muslime beleidigt. Sie stelle jedoch kritische Fragen, wenn die Rechtsgleichheit in einem demokratischen Staat aus Gründen religiöser Rücksichtnahme nicht gewährt werden solle. Die Stellungnahme ist von Dietrich mitunterzeichnet. (cls/sda)

Erstellt: 26.01.2012, 17:11 Uhr

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2 Kommentare

Ursula Schüpbach

30.01.2012, 11:54 Uhr
Melden

Wenn sich eine Dietrich schon für Rechtsgleichheit einsetzen will, dann hätte sie sich gegen das willkürliche Minarettverbot engagieren können. Das verhindert z.B. keine einzige Zwangsehe von Hindus, aber kommt halt davon, wenn man Willkürsätze in die Verfassung kratzt, obwohl rechtl. Mittel gegen Zwangsehe (= Nötigung) bereits vorhanden sind, die Ahndung das Problem ist. Antworten


Ursula Schüpbach

30.01.2012, 11:41 Uhr
Melden

Fragt sich, wie unabhängig der SVPler Hubacher urteilte. Man weiss nicht mal, auf welche Texte sich alles bezieht. Wenn Christen- und Judentum samt Europa als (gute) Titanic dargestellt werden, der Islam als (böser) Eisberg, durch den "wir" untergehen werden, wird ein fragwürdiges Bild transportiert, das die angebliche Islamisierung zeigen soll. Strafrechtlich wohl irrelevant, aber populistisch. Antworten



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