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Psychologe zum Bootsdrama: «Nur psychisch Kranke bleiben unberührt»

Von Interview: Simone Lippuner. Aktualisiert am 16.07.2010 5 Kommentare

Für den Todeslenker werde die Angelegenheit mit jedem Tag schlimmer. Das sagt Uwe Ewert, Verkehrspsychologe bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). «Er dürfte Mühe haben, morgens in den Spiegel zu schauen.»

Uwe Ewert (Bild: zvg)

«Die Opfer wollen reden»

Viele fragen sich, wieso der Verlobte des Opfers das dramatische Erlebnis in vielen Medien bis ins Detail schildert. Wie die Notfallpsychologin Jacqueline Frossard erklärt, ist so ein Verhalten aber typisch: «Opfer wollen reden. Es ist wichtig, dass sie reden können, um das Erlebte zu verarbeiten.»

Dass es vor allem Medienleute sind, mit denen der Angehörige spricht, findet die Psychologin heikel. Sie ist überzeugt, dass er nicht abschätzen kann, was er mit seiner öffentlichen Präsenz auslöst. Ein solches Erlebnis sei bei einem Menschen überpräsent. Es könne Belastungsstörungen auslösen.

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Bilder vom Unfallort am Bielersee

Bilder vom Unfallort am Bielersee
Nach ersten Erkenntnissen ist die Frau, die von einem Schnellboot auf dem Bielersee überfahren worden ist, noch am Unfallort verblutet.

Zur Person

Uwe Ewert ist 51 Jahre alt und Verkehrspsychologe. Seit 1993 arbeitet er in der Forschungsstelle der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) in Bern.

Herr Ewert, wird sich der Unfallfahrer vom Bielersee der Polizei noch stellen?
Uwe Ewert: Das ist schwierig zu beurteilen. Es erstaunt mich, dass sich der Mann immer noch nicht gemeldet hat. Die Aufklärungsquote bei schweren Delikten ist so hoch, dass er mit grosser Wahrscheinlichkeit sowieso entdeckt wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Leute, die mit ihm auf dem Boot gewesen sein sollen, zurzeit am Abwägen der Konsequenzen sind: Verliere ich meinen Job? Mein Ansehen? Wie stehen die Chancen, dass wir nicht entdeckt werden? Doch klar ist ja, dass es an der tragischen Tatsache nichts mehr zu ändern gibt.

Wieso hat der Mann Fahrerflucht begangen?
Flucht ist ein menschlicher Impuls. Aber die eigentlich kindliche Reaktion, in Panik davonzurennen und sich unter Mutters Rockzipfel zu retten, ist hier absolut nicht angebracht: Dieser Mann ist erwachsen und muss die Konsequenzen seines Verhaltens tragen. Grundsätzlich kann man sagen, dass bei leichteren Unfällen und unter Alkoholeinfluss eher Fahrerflucht begangen wird als nüchtern und bei schwereren Unfällen.

Wie fühlt sich wohl der flüchtige Fahrer jetzt?
Ich denke schon, dass er mit schweren Gewissensbissen zu kämpfen hat. Aber es gibt natürlich auch seltene Extremfälle, wo jemand in so einer Situation emotional unberührt bleibt. Das sind dann aber Menschen mit einer krankhaften Persönlichkeitsstörung.

Könnte er seine Schuld aus dem Bewusstsein löschen?
Ein derart kritisches Lebensereignis sollte nicht abspaltbar sein. Man kann zwar auch ein tragisches Unglück im Lauf von mehreren Jahren verdrängen. Doch jetzt ist dem Mann seine Schuld sicher absolut präsent.

Wie kann sich der Druck durch die Medien auf ihn auswirken?
Ich schätze diesen Druck als sehr negativ ein. Im Moment findet ja eine Art Treibjagd statt. Das macht es für den Unfallfahrer viel schwerer, sich der Polizei zu stellen. Die Situation wird für den Mann mit jedem Tag, wo er sich nicht meldet, schlimmer.

Wie könnten die Konsequenzen aussehen?
Jemand wie dieser Mann dürfte Mühe haben, morgens in den Spiegel zu schauen. Einen schweren Unfall zu bauen, ist eine Sache. Nicht zu seiner Schuld zu stehen, die andere. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.07.2010, 07:14 Uhr

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5 Kommentare

christoph scheidegger

16.07.2010, 17:21 Uhr
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aber es seien angeblich noch zeugen mit auf dem boot gewesen, also : mitgegangen = mitgefangen. - sogar kinder wissen, man darf sich nicht anstiften lassen oder mitmachen, man darf auch nicht die aufklärung einer straftat vereiteln usw. - ist der justizia lex etwa die augen-binde ungünstig im weg...? ist etwa land in ihrer sicht und gar nicht eine fata morgana oder ihre augenbinde...? Antworten


Justizia Lex

16.07.2010, 12:52 Uhr
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Schuldfähig = stehend? Woher haben Sie denn diese Weltanschauung? Antworten


christoph scheidegger

16.07.2010, 11:32 Uhr
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wenn der täter angeblich fähig war, die tat im stehen zu begehen, so war der täter schuldfähig. seine gefühlskälte sollte erschwerend wirken und nicht etwa strafmildernd, oder ...? Antworten


Beat Schmid

16.07.2010, 10:48 Uhr
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Glaube nicht dass es hier um eine Treibjagd geht. Wenn in krassen kriminellen Handlungen wie Fahrerflucht oder Kindesentführungen sofort über sämtliche Handy Nummern der Schweiz SMS Suchmeldungen versendet würden, müsste man nicht Wochenlang danach fanden. Da es laut Zeugenasussagen so eine Person mit einem Boot gibt, wieso meldet der sich nicht? Oder weiss man vieleicht schon lange wer es ist? Antworten


Uwe Jörnsen

16.07.2010, 09:56 Uhr
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Sehr viel Mutmassungen. Ob eine Treibjagd etwas bringt? Eher nicht. Vielleicht waren es nur Urlauber oder der Täter ist im Urlaub und weiss nichts davon. Warum sollte sich der Täter stellen? Bei der Treibjagd kann er nicht mit einem fairen Verfahren rechnen. Sollten es wirklich nur 30 Boote sein, wäre die Sache in einem Tag erledigt. Oder der Freund weiss etwas mehr als er zugibt. Antworten



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