Max und seine 27-jährige Cherry

Vor 27 Jahren hat Max Brändli ein selbst entworfenes Flugzeug fertiggestellt. Bis heute lebt der 85-Jährige für die Fliegerei.

Stolz: Max Brändli mit seinem «Kirschlein».

Stolz: Max Brändli mit seinem «Kirschlein». (Bild: Zier & van de Steenoven)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Schon als Kind war Max Brändli aus Safnern von der Technik und allem, was fliegt, fasziniert. «Meine ersten Flugzeugmodelle baute ich bereits im Vorschulalter. Einige flogen länger, einige gingen zu Bruch», erzählt er. In der Werkstatt der elterlichen Garage konnte er seiner Fantasie freien Lauf lassen. Das änderte sich aber mit dem Tod des Vaters. Brändli war damals 16 Jahre alt, und als zweitältester von sechs Brüdern musste er seiner Mutter zur Hand gehen.

Während der Lehre zum Mechaniker baute Max seine ersten Flugmodelle und Motoren. Er begann die Flugschulung auf einem «Zögling», einem Schulgleiter, der mittels Seilwinde in die Luft katapultiert wird. Die Flüge dauerten nur Minuten, dafür investierte man Stunden für Reparaturen. Für Max Brändli war klar, er wollte seine Kenntnisse im Flugzeugbau erweitern. So bildete sich der wissenshungrige Ikarus-Jünger weiter zum Maschinenbauingenieur, was ihm später bei der Entwicklung und dem Bau seines eigenen Flugzeugtyps BX-2 zugute kommen sollte.

1972 erweiterte Brändli sein fliegerisches Können mit dem Erwerb des Motorflugausweises. Während Jahren war der umtriebige Mann verantwortlich für den Unterhalt der Segel- und Motorflugzeuge der Segelfluggruppe Biel (SGB). Dass er auch noch mit 85 Jahren unentbehrlich für den Klub ist, zeigen seine unzähligen ehrenamtlichen Einsätze. Wenn Lösungen gesucht werden, ist Brändli auch heute noch der richtige Mann.

TĂĽfteln im Keller

Nachdem seine vier Kinder flügge geworden waren, setzte er einen Traum um. Er baute 1979 den Keller in seinem Einfamilienhaus zu einer Werkstatt um. Und dort erblickte sein erstes Flugzeug das Licht der Welt. Er machte alles selbst: Den Bauplan, statische und aerodynamische Berechnungen, die Materialprüfung, den Motoreinbau und alles, was dazugehört.

Bei seinen Träumen und Vorhaben immer unterstützt hat ihn seine inzwischen verstorbene Gattin Heidy; sie pflegte ihren Garten, derweil Max an seinem Flugzeug baute. Ganze 5500 Stunden und eine Bauzeit von 3,5 Jahren hat Max in die Verwirklichung seines Flugzeugs gesteckt, das dann auf den fruchtigen Namen Cherry getauft wurde. Dieser Name kam nicht von ungefähr, hatte man Max Brändli in der Bezirksschule doch bereits «Cherry Brandy» – wie der Branntwein – genannt, was dann in Fliegerkreisen zu Cherry abgekürzt wurde.

Ăśber 100 Cherrys weltweit

Die Testflüge machte er gemeinsam mit seinem Sohn Markus, der als Militärpilot und Airlinekapitän seine Erfahrung einbringen konnte. Doch Ehre, wem Ehre gebührt, den Jungfernflug machte Max. Und siehe da, die Aviatikwelt staunte, und das nicht schlecht. Fliegen doch in der Zwischenzeit über 100 Cherrys in der Welt umher, die nach Brändlis Plänen konstruiert wurden.

Der reife Pilot hat ganz Europa mit seiner Cherry durchflogen. «Kommst du mit deinem Kirschlein», bekommt er auf Flugplätzen oft zu hören. Noch heute ist er europaweit an Flugmeetings ein willkommener Gast. Auf die Frage, was er als Nächstes plane, überlegt er nicht lange: «Im Juni fliegen wir wie jedes Jahr mit Kollegen nach Skandinavien.» Ja, Max Brändli hat Geschichte geschrieben und sich den Traum vom massgeschneiderten Flugzeug erfüllt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.06.2009, 10:19 Uhr

Meistgelesen in der Rubrik Region

BLS

Roger Schaeli bloggt aus der Wand

BZ-Forum - Ihre Plattform

Emil Frey AG Autocenter Bern




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten