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Lyssbachstollen: Hochwasser überzeugte Skeptiker

Von Thomas Uhland. Aktualisiert am 13.05.2009

Überglücklich sei er, sagte der Lysser Gemeindepräsident Hermann Moser. Denn am kommenden Montag wird mit den Vorarbeiten für den Bau des Stollens begonnen, der künftig Hochwasser des Lyssbachs verhindern wird.

Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer informierte gestern mehr als 250 Lyserinnen und Lysser über den Bautart des Lyssbachstollens.

Iris Andermatt

Stollen schützt ab 2011

In den nächsten Tagen beginnen die Vorarbeiten für den Bau des Lyssbachstollens. Der Start der eigentlichen Tunnelarbeiten ist für Frühling 2010 geplant. Der Kanton Bern rechnet damit, dass er das Bauwerk im November 2011 in Betrieb nehmen kann. Bis im September 2012 soll die Implenia AG, die den Bauauftrag bekommen hat, alle Arbeiten – auch in der Umgebung des Stollens – abgeschlossen haben.

Der Tunnel wird 2,5 Kilometer lang. Sein Innendurchmesser ist 4,4 Meter. Bei Hochwasser wird Wasser aus dem Lyssbach in den Stollen fliessen. Unterirdisch und auf direktem Weg wird es Lyss durchqueren, wobei die Gemeinde vor grösseren Überschwemmungen verschont bleibt. Das Projekt kostet voraussichtlich 52 Millionen Franken. Davon bezahlen Bund und Kanton drei Viertel. Die restlichen Kosten übernehmen die sechs Mitgliedergemeinden des Lyssbachverbands. Sie haben alle seit letzten November ihrem Anteil an der Finanzierung zugestimmt.

Beschleunigt haben das Projekt die Ereignisse im Sommer 2007. Damals trat der Lyssbach in Lyss mehrmals über die Ufer und richtete einen Schaden von über 100 Millionen Franken an.

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Mit Moser freuten sich mehr als 250 Lysserinnen und Lysser, die gestern Abend zur Informationsveranstaltung in die Aula des Schulhauses Grentschel kamen.

Immer wieder Hochwasser

Noch hatten sie die Bilder vor Augen, die sich am 29.August 2007 in Lyss abspielten. Der Lyssbach war völlig ausser Kontrolle geraten. Das Wasser ergoss sich in die Strassen, teils Hunderte Meter vom Bach entfernt. Quer durch Lyss füllte er Keller, Tiefgaragen und Erdgeschosse von Gewerbe- und Wohnbauten mit Wasser und Schlamm.

Es war dies das schwerste Hochwasser des Lyssbachs seit Menschengedenken, aber keineswegs das einzige. Allein in jenem Sommer war der Lyssbach drei Mal über die Ufer getreten. Es habe diese Häufung wohl gebraucht, um auch die Skeptiker von der Notwendigkeit des Stollens zu überzeugen, sagte die bernische Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer.

Nicht nur der Klimawandel sei schuld an den Überschwemmungen, betonte Egger-Jenzer. «In den letzten Jahren wurde immer mehr auch in gefährdeten Gebieten gebaut.» Beispiele sind in Lyss etwa die Überbauung entlang der Zeughausstrasse oder das Industriegebiet Nord, das in einer ehemaligen Auenlandschaft steht.

Auch diese Liegenschaften hätten künftig nichts mehr zu befürchten, sagte die Baudirektorin – notabene an dem Tag, als in Thun erstmals Wasser durch den dortigen Entlastungsstollen floss. Dennoch: «Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben.» Man müsse sich weiter anstrengen und den Ereignissen stets einen Schritt voraus sein.

Abwanderung befürchtet

Nach dem Katastrophensommer 2007 befürchtete Gemeindepräsident Moser, dass nicht nur Einwohner, sondern auch Firmen in trockenere Gemeinden abziehen könnten. Dass dies nicht geschah, ist wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass Bund, Kanton und Gemeinden in Rekordzeit ein Stollenprojekt herbeizauberten und dessen Finanzierung sicherstellten. Innerhalb eines Jahres präsentierte das kantonale Tiefbauamt ein Projekt. Im Januar stimmte der Grosse Rat dem Kredit von 52,3 Millionen Franken zu. Am Montag wird beim künftigen Auslauf des Stollens in der Fulenmatt mit den Vorarbeiten begonnen, «und im November 2011 werden wir von dem Schrecken erlöst sein», sagte Moser. Dann nämlich soll der Stollen in Betrieb genommen werden.

Der Hochwasserstollen war, bis der Kanton die Federführung übernahm, ein Projekt des Gemeindeverbandes Lyssbach. Jedoch keineswegs das einzige, wie dessen Präsident Fritz Ruchti ausführte. Mehrere Renaturierungs- und Schutzprojekte, wie etwa das renaturierte Ausgleichsbecken Schatthole, hätten 2007 verhindert, dass die Überschwemmungen noch verheerender ausfielen.

Nicht in den Bereich des Gemeindeverbandes fallen weitere Arbeiten, welche Überschwemmungen entlang der Alten Aare zwischen Busswil und Meienried verhindern sollen. Besonders wenn auch der Nidau-Büren-Kanal viel Wasser führt, kann sich die Alte Aare stauen. Ausgleichsbecken sollen hier Abhilfe schaffen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.05.2009, 10:41 Uhr

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