Lyss könnte sein wichtigstes Lokal verlieren
Von Simone Lippuner. Aktualisiert am 08.02.2012
Haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in Lyss bald kein Dach mehr über dem Kopf? Momentan macht im Dorf ein hartnäckiges Gerücht die Runde. Und am Montag brachte Anton Clerc (FDP) an der Sitzung des Grossen Gemeinderates das Thema mittels einer einfachen Anfrage auf den Tisch: Josef und Flavia Steiner, Grundeigentümer des Weissen Kreuz, wollen aufhören. Was mit dem Hotel, dem Restaurant und der Saalanlage passiert, ist derzeit unklar. Steiners sind im Urlaub und können keine Auskunft geben.
Dennoch ist die Unruhe bereits gross. Der Kreuz-Saal beherbergt nicht nur die Parlamentsmitglieder während ihrer Sitzungen. Er ist Lebensnerv der Gemeinde und Ort der Feste und Fröhlichkeit für viele Lysser Vereine. «Wie geht es weiter, wenn wir den Saal nicht mehr haben?», wollte Anton Clerc vom Gemeinderat wissen.
Kauf kommt nicht in Frage
Für den Gemeinderat ist es nichts Neues, dass das Wirtepaar Steiner altersbedingt mit einem Ausstieg liebäugelt. Bereits im Herbst 2010 stand er deshalb mit Steiners in Verhandlungen und hat verschiedene Abklärungen getroffen. Vergangenen Mai wollte er von den Parteien wissen, wie sie zu einem möglichen Kauf des Kreuz-Saals durch die Gemeinde stehen, wie Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP) auf Anfrage sagt. Fazit: Für keine Partei kam ein Kauf in Frage. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, einen Saal zu betreiben. Zudem fürchteten sie Konflikte zwischen der Gemeinde als Saalbetreiberin und den nach wie vor privaten Hoteleigentümern, zum Beispiel wegen Lärm.
Steiners wurde dieser Entscheid mitgeteilt – «seither habe ich nichts mehr von ihnen gehört», sagt Hegg. Was nicht heisst, dass die Eigentümer ihre Fühler nicht weiter ausgestreckt haben: Das Wirtepaar hat bei der Bauabteilung Vorabklärungen getroffen. «Steiners wollten wissen, was in dieser Zone grundsätzlich möglich ist», bestätigt Ruedi Frey, Leiter der Bauabteilung. Auch Pläne und ein Konzept haben sie eingereicht. Frey will jedoch nicht konkret werden, weil Steiners derzeit keine Stellung nehmen können. Klar ist: Das Weisse Kreuz befindet sich in einer sogenannten Kernzone A, was grundsätzlich fast alle Bauvorhaben möglich macht. «Anstelle des Saals könnten auch ein Hotel, Wohnungen, Büros oder ein Mix von allem zu stehen kommen», sagt Frey. Ein Baugesuch liege noch nicht vor. Die Gerüchte im Dorf sprechen von einem neuen Hotel und Wohnungen.
Lyss braucht Hotels
«Ein weiteres Hotel könnte Lyss gut gebrauchen, es gibt nur drei», sagt Hegg zwar. Aber die Angst vor dem Verlust des Saals überwiegt. «Der Saal ist für uns unglaublich wichtig. Ohne ihn haben wir ein ernsthaftes Problem.» Vor allem für die Fasnacht würde dies zu grössten Schwierigkeiten führen, sagt Hegg.
Das Weisse Kreuz hat eine bewegte Geschichte hinter sich. In den Neunzigerjahren hatte der Betrieb unter den damaligen Besitzern mit massiven Geldproblemen zu kämpfen. Mehrere Millionen Franken steckte die Gemeinde an Steuergeldern ins marode Kreuz, die Pächter wechselten laufend und das Image war schlecht. Heute ist die Saalanlage für die Gemeinde unverzichtbar geworden. Und Hegg hofft noch immer, dass die Situation gleich bleibt. Derzeit bezahlt Lyss den Vereinen die Miete für die Nutzung des Saals – jährlich circa 60'000 Franken. «Wir wären sogar bereit, über höhere Mieten zu verhandeln», so Hegg.
Das Thema Mehrzweckhalle
Alternativen sieht der Gemeindepräsident kaum. «Wir haben drei Aulas und das Sportzentrum Grien. Für die Parlamentssitzungen mag das gehen. Aber dort können wir weder die Fasnächtler noch die Jodler oder die Trachtengruppe unterbringen.»
Für Hegg besteht Handlungsbedarf. Dabei kommt ein anderes Thema auf den Tisch: der Bau einer Mehrzweckhalle. «Doch dafür existieren derzeit noch keine konkreten Pläne. Und das Geld fehlt uns auch.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.02.2012, 07:22 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte warten