Löwen-Wirt: «Ich habe Verfolgungswahn»
Von Simone Lippuner. Aktualisiert am 31.08.2010 1 Kommentar
Der Löwen ist ab 8. September wieder offen. (Bild: Beat Mathys)
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Im Wallis versucht sich Fritz Meier derzeit vom bisher schlimmsten Erlebnis seines Lebens zu erholen. «Das wird wahrscheinlich noch lange dauern», sagt der Wirt des Restaurants Löwen in Schüpfen. Zu tief sitzt der Schock vom Mittwoch, 18. August, als Igor L.* dem 63-jährigen Wirt einen Metallaschenbecher über den Kopf schlägt und ihn schwer verletzt. Meier musste am Kopf genäht werden. Doch die psychischen Wunden sind nicht mit Nadel und Faden zu reparieren.
Schlaflose Nächte
Gegen Igor L. wurde letzten Freitag ein Fürsorgerischer Freiheitsentzug (FFE) verhängt, der 22-Jährige wurde in eine geschlossene Anstalt gebracht (wir berichteten). Wirt Fritz Meier ist erleichtert: «Endlich haben die Behörden reagiert, ich bin ihnen dankbar.» Doch von Ruhe kann beim Wirt nicht die Rede sein. «Ich kann nicht schlafen und leide an Verfolgungswahn.» Bei jedem unbekannten Geräusch schrecke er sofort auf.
Die Familie unterstütze ihn sehr im Prozess. «Doch vielleicht werde ich noch professionelle Hilfe brauchen», sagt Meier. Im Wallis kann sich der Wirt beim Wandern erholen. «Die Natur gibt mir viel Kraft.» Seine Beiz wird Meier am 8. September wieder öffnen. «Ich darf noch gar nicht daran denken.» Zumal Igor L. und dessen Kollege Amin G.* alles verwüstet haben; unter anderem sind Fensterscheiben zerstört. «Das muss ich wahrscheinlich selber bezahlen.» Die Gemeinde hat dem 17-jährigen Amin G. nun Hilfe angeboten, die er auch annehmen will.
Besuch in der Anstalt
Niklaus Talman ist ein enger Freund von Igor L. und der Familie. Er wird dem 22-Jährigen einen Brief schreiben und ihn in der Anstalt besuchen. «Ich kenne Igor seit seiner Geburt und hoffe, ich kann eine Vertrauensperson werden», so Talman.
Talman will vermeiden, dass die Schuld den Eltern zugeschoben wird. Es handle sich um eine intakte Familie und Igor L. hange am Elternhaus. «Allen, die Kinder haben, kann das Gleiche passieren.» Der Wirt tue ihm sehr leid. «Für ihn ist das ein Trauma.» Am Samstag hat Talman Igor L.s Eltern besucht: «Auch ihnen geht es gar nicht gut.»
*Namen der Redaktion bekannt
(Berner Zeitung)
Erstellt: 31.08.2010, 08:11 Uhr

