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«Kein Wunder, wird zu schnell gefahren»

Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 14.07.2010

Bootsfahrer gehen mit dem Unfallverursacher auf dem Bielersee hart ins Gericht. Auch bei hoher Geschwindigkeit hätte er das Gummiboot sehen müssen.

1/3 Ufer in Lüscherz
Mit dem Gummiboot kann man hier gut in den Bielersee einsteigen.

   

Die drei Fahnen am kleinen Bootshafen in Lüscherz hängen reglos. Die Sonne brennt, es ist fast windstill. Ein paar Kinder spielen mit Bällen. Urlaubsstimmung kommt auf am kleinen Ort am Bielersee. Doch am vergangenen Sonntag war Lüscherz jäh aus der sommerlichen Idylle gerissen worden, als ein Luxus-Sportboot ein Gummiboot überfuhr und eine junge Frau tötete. Wer danach gefragt wird und nicht nur auf der Durchreise ist, weiss gleich, worum es geht.

«Da war Alkohol im Spiel»

Ein braungebrannter Mann Mitte 50 tankt gerade sein schmuckes, 9 Meter langes Kabinenboot. «Da war Alkohol im Spiel, ganz klar», sagt er durch seine Sonnenbrille, die allerlei Farben zurückwirft. Der Mann – er will weder namentlich genannt noch fotografiert werden – war früher selber Sportbootfahrer. «Selbst bei hoher Geschwindigkeit hätte der Fahrer das Gummiboot sehen müssen. Ich bin früher gegen 100 Kilometer pro Stunde gefahren, sogar dann sieht man eine Getränkedose noch von Weitem im Wasser schwimmen.» Er glaubt auch nicht, dass der Fahrer des Motorboots abgelenkt war, für so einen Unfall brauche es eindeutig mehr als eine kleine Unachtsamkeit, «vielleicht ist er ja nicht einmal selbst gefahren.»

Bei den Booten des Typs «Pedrazzini» und «Boesch» handle es sich um Liebhaberstücke, die immer seltener auf dem See zu sehen seien. Der Mann hofft darum, «dass der Schuldige schnell gefunden wird - und sich nicht mit Geld frei kaufen kann.» Er macht die Leinen los und legt wieder ab.

Auf dem See gebe es kaum Kontrollen

«Ich habe selten eine Kontrolle auf dem See erlebt, kein Wunder wird zu schnell gefahren», sagt ein Familienvater, der ebenfalls zum Tanken in den Hafen eingefahren ist. Auch betrunkene Bootsfahrer seien keine Seltenheit. Einen anderen Grund für den Unfall als Alkohol am Steuer kann sich dieser Mann in den 40ern ebenfalls nicht vorstellen. «Selbst ein Gummiboot sieht man aus sicherer Distanz. Wenn es ein Taucher gewesen wäre, könnte ich es noch verstehen, aber so...»

Der Lenker des Luxusboots müssen gemerkt haben, dass er ein Gummiboot überfuhr und habe danach Fahrerflucht begangen, in dieser Beurteilung sind sich die Bootsfahrer einig. «Was mich wundert», sagt der Mann schliesslich und steckt seine EC-Karte wieder ein, «ist, dass auch nach so einem Vorfall die Kontrollen nicht verschärft werden. Oder sehen Sie hier irgendwo die Seepolizei?» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.07.2010, 18:19 Uhr

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