Igor L. kommt in die Anstalt
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Der Entscheid ist gefallen: Regierungsstatthalter Gerhard Burri hat gestern über den Schläger Igor L.* einen fürsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) verhängt. Burri handelte damit in Eigenregie und noch bevor der angekündigte runde Tisch mit Vertretern von Polizei, Justiz und Gemeinde stattfand. Grundlage für seinen Entscheid lieferte ein im Mai erstelltes Gutachten des 22-jährigen Schweizers.
Gestern konnte die Polizei Igor L. in seinem Elternhaus in Schüpfen anhalten und in eine geschlossene Institution im Kanton Bern bringen.
«Igor war völlig klar»
Vor zwei Tagen hat der Regierungsstatthalter vom zuständigen Untersuchungsrichter Peter Thoma erfahren, dass man für Igor L. keine Untersuchungshaft anordnen kann. Dies, weil frühere Fälle, die Igor L. betreffen, im Juni durch ein Gericht beurteilt worden waren. Seither sind keine weiteren Straftaten bekannt. «Dass jemand nach der Entlassung aus dem Vollzug ein neues Delikt begangen hat, ist keine Wiederholungsgefahr im gesetzlichen Sinn», erklärt Burri.
Im gleichen Zug erfuhr Burri durch den Untersuchungsrichter vom gerichtlich angeordneten Gutachten. «Mit diesem 50-seitigen Dokument hatte ich das Mittel in den Händen, um den FFE auszusprechen.» Burri setzte danach alle Hebel in Bewegung: Er klärte Igor L.s Therapierbarkeit ab und organisierte einen Platz in einer Anstalt. Parallel dazu gab Burri der Polizei den Auftrag, Igor L. festzunehmen. Gestern um halb elf sass der 22-Jährige im Büro des Regierungsstatthalters. «Er war klar und anständig», so Burri, aber alles andere als erfreut über den Freiheitsentzug. «Der FFE wurde nötig, um dem jungen Mann Hilfe zu bieten und die Bevölkerung zu schützen.»
FFE auf unbestimmte Zeit
In welche Anstalt der junge Schüpfener gestern gebracht wurde, wollte Burri nicht sagen. «Es handelt sich um eine geschlossene Institution im Kanton Bern, wo Igor L. intensiv therapeutisch begleitet wird.»
Es ist bereits der zweite FFE, den Gerhard Burri über Igor L. verhängt. Der junge Schläger gab den seit langem bekannten Gewaltproblemen in Schüpfen am Mittwoch vor einer Woche ein Gesicht: An diesem Tag hatte Igor L. den Wirt des Restaurants Löwen in Schüpfen spitalreif geschlagen. Doch dies war nur die Spitze des Eisbergs: Igor L. terrorisierte die Gemeinde Schüpfen bereits seit Jahren. Er hat über 20 Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung am Hals (wir berichteten).
Beim ersten FFE wurde Igor aber nach sechs Wochen als «untherapierbar» wieder entlassen. «Dies war damals ein ärztlicher FFE, begrenzt auf sechs Wochen», so Burri. Der Regierungsstatthalter hat nebst dem ärztlichen FFE zwei weitere Optionen: einen FFE zur Begutachtung, ebenfalls auf sechs Wochen begrenzt, und den «statthalterischen» Freiheitsentzug auf unbestimmte Zeit. Jedoch: Ein FFE dauert nicht ewig: «Hoffentlich können nach einigen Wochen strafrechtliche Massnahmen angewendet werden», sagt Burri. Nur das Urteil einer höheren Instanz könnte Igor wieder auf freien Fuss setzen.
Er muss vor Gericht
Die strafrechtliche Untersuchung nach der Schlägerei im Restaurant Löwen läuft weiter. Igor L. wird sich voraussichtlich wegen Körperverletzung, Tätlichkeiten und Sachbeschädigung vor Gericht verantworten müssen. Der Zeitpunkt ist noch unbekannt.
Der Fall geht an Gerhard Burri nicht spurlos vorbei: «Ich hoffe, dass Igor L. die Kurve kriegt und sein Leben neu anpacken kann.» Niklaus Talman, seit Jahren ein enger Freund von Igor L. und der Familie, ist von Igors Therapierbarkeit überzeugt: «Er ist sehr intelligent, aber auch sensibel. Igor muss aus seinem Kollegenkreis raus, dann kann er es schaffen», so Talman.
Schüpfens Gemeindepräsident Ueli Hunziker (SVP) ist erleichtert. «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen», sagt er. Die Gemeinde hätte den Entscheid so erwartet. Hunziker: «Ich kann jetzt aufatmen. Aber abgeschlossen ist die Sache nicht.»
*Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.08.2010, 09:52 Uhr

