Familie packt aus: Wie ein Ex-UBS-Banker sie abgezockt hat

Von Clara Brachvogel/BT. Aktualisiert am 30.07.2009 2 Kommentare

Das Bieler Tagblatt berichtete bereits von mehreren Personen, die vom ehemaligen Grenchner UBS-Banker in finanzielle Notstände gebracht wurden – jedoch immer anonym. Nun spricht eine Familie aus Büetigen ganz offen darüber.

Vertrauen, das bestraft wurde: Familie Mathys leidet jetzt unter der kriminellen Energie eines Bankangestellten.

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Er zeigt Reue
Zum Fall der Familie Mathys äussert sich auch der Ex-UBS-Banker selbst. «Es tut mir wirklich sehr leid», sagt er. Er sei sich bewusst, dass er der Familie etwas zu Leide getan habe. Weiter korrigiert er das Gerücht, er sei wieder im Finanzbereich tätig: «Ja, ich arbeite, aber nicht im Finanzbereich. Da will ich auch nie wieder arbeiten, abgesehen davon, dass mich keine Bank mehr einstellen wird.»

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Die Wut und Traurigkeit über ihre Lage ist allen anzusehen, auch wenn sie eine fröhliche Runde sind. Hans-Peter Mathys, Halbitaliener und gelernter Maurer, ist verbittert über den Betrug, die vielen Stunden Arbeit, die er, seine Familie und Freunde in die Renovierungsarbeiten an der Hauptstrasse in Büetigen investiert haben. Arbeiten, die jetzt nicht zu Ende gebracht werden können.

Geld, das es nicht gab

Als die Familie Mathys bei der UBS Grenchen einen Bankkredit über 200'000 Franken aufnahm, hatte sie sicher nicht geahnt, dass sie von dem Geld keinen Rappen sehen würde. Trotzdem muss sie nun für den Betrag die Zinsen und Steuern zahlen.

«Wir wollten ursprünglich maximal 70'000 Franken. Der italienische Bankberater überredete uns, gleich 200'000 zu leihen, den Rest könnten wir retour geben, wenn wir ihn nicht bräuchten», erzählt Brigitta Mathys. Dann habe er das Geld auf verschiedene Konten verteilt, mit der Begründung, so besser den Überblick zu behalten, welches Geld für welche Rechnungen bereitstehe. Den Überblick hatte er im Dezember letzten Jahres, kurz vor seiner vorläufigen Verhaftung, wohl nicht mehr. Die Unterschriften aber, die Brigitta Mathys damals tätigte, als der Banker das Geld vom Konto verschob, kommen sie heute teuer zu stehen. Die Rechnungen wollte er immer persönlich zahlen, «er nannte das Dienst am Kunden», sagt Brigitta Mathys mit bitterem Lachen.

Die Staatsanwaltschaft Solothurn ermittelt gegen den ehemaligen Mitarbeiter der UBS, der sich mittlerweile wieder auf freiem Fuss befindet, nach wie vor wegen qualifizierter Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei und Urkundenfälschung (wir berichteten).

UBS hüllt sich in Schweigen

Die UBS indessen verweist an die Behörden zurück. Man könne zudem keine Details über Kundenbeziehungen preisgeben, das Bankgeheimnis eben, erklärt Pressesprecherin Eveline Müller-Eichenberger. Ob die UBS für die Schäden an ihren Kunden geradestehen muss, bleibt unbeantwortet. Brigitta Mathys erzählt: «Wir wussten von nichts, bis die UBS im Dezember bei uns anrief und sagte, mit unseren Unterlagen sei etwas nicht in Ordnung – da kam für uns die Decke runter.»

Sabine Husi teilt mit: «Unseren Erkenntnissen nach haben die Anleger in diesem Fall rund 17 Millionen Franken investiert. Die effektive Schadenssumme beläuft sich aufgrund von Rückzahlungen auf rund acht Millionen Franken.»

Bei Baufirmen aus der Region hat Familie Mathys für die Renovierungsarbeiten am 2007 erworbenen Haus Material und Dienstleistungen gekauft. Diese wurden vom selben Banker aus dem ersten Baukredit bezahlt – schon damals auf recht unkonventionelle Weise. Jeder von ihnen hat die Vorgänge als suspekt erlebt: «Im Nachhinein war für mich klar: Der Banker hat den Kredit für spekulative Tätigkeiten eingesetzt. Das Geld war weg, bevor es verbaut wurde», sagt der Mitarbeiter einer Baufirma, N. (Name der Redaktion bekannt).

Auf Druck seien immer wieder Raten eingegangen. Eines Tages erschien der UBS-Banker bei ihm persönlich. «Es kam mir sehr merkwürdig vor, dass er anbot, notfalls persönlich für die Familie zu bürgen.» Daraufhin habe er versucht, ihn telefonisch in der Filiale in Grenchen zu erreichen – erfolglos.

Bei einem Schreiner aus Grenchen, der für die Familie unter anderem den Einbau der Küche vorgenommen hat, erschien der Banker und legte 10'000 Franken bar auf den Tisch, was Erstaunen hervorrief. Felix Gerber erinnert sich noch: «Er wollte nicht einmal eine Quittung. Das Ganze kam mir sehr unseriös vor.» 75'000 Franken haben seine Arbeiten am Haus der Mathys gekostet.

«UBS sollte zahlen»

Da die Zahlungen nie pünktlich eingingen und der Banker seine Versprechen nicht hielt, machte Gerber Druck: «Ich traf ihn über zehn Mal, irgendwann drohte ich ihm, seinem Chef bei der UBS einen Brief zu schreiben, da wurde er sehr nervös.» Die UBS solle für die Taten ihres ehemaligen Angestellten Verantwortung übernehmen und zahlen, findet Gerber.

Über die Zeitung will die Familie Mathys aus Büetigen vor allem Menschen finden, denen es ähnlich ergangen ist wie ihnen – Menschen, mit denen sie sich austauschen und beraten können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.07.2009, 09:07 Uhr

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2 Kommentare

Tom Berger

30.07.2009, 10:16 Uhr
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Steuerbetrüger und ihre Helfer in den USA, Veruntreuer von Millonenberägen in Grenchen und nun auch noch Vorwürfe wegen Bestechung von Bundesbeamten. Die UBS scheint Figuren der Halbwelt anzuziehen wie das Licht die Motten. Antworten


Rosemarie Niklaus

30.07.2009, 19:21 Uhr
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Ja so kanns gehen wenn man zu grosses Vertrauen in die, ach so netten Bankherren und Damen hat! es ist zu hoffen das diese Misere bald ein Ende hat, aber halt es sind doch noch "Boni" fällig oder irre ich mich da? Antworten



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