«Eine Wiedereinstellung würde niemand verstehen»
Von Stefan Eiselin. Aktualisiert am 03.09.2010 3 Kommentare
Hubert Klopfenstein (FDP) ist seit 1997 Gemeinderat von Biel, seit fünf Jahren leitet er die Baudirektion. (BZ)
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Martin P.* hatte im Juni an Biels Baudirektor geschrieben. «Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient im Leben, wenn er dafür gebüsst hat und seine Schuld einsieht», erklärte er im Brief. Er meinte damit sich. Denn P. hatte als Angestellter der Bieler Kehrichtabfuhr während acht Jahren rund 80'000 Franken abgezweigt. 2007 flogen er und sein Kumpane auf und wurden gerichtlich verurteilt.
Seither war Martin P. arbeitslos. Er habe unzählige Bewerbungen geschrieben, erklärt der 50-Jährige. Doch keine Gemeinde wollte ihn als Kehrichtmann anstellen. Darum bat er nun in Biel um eine Wiederanstellung.
Herr Klopfenstein, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie den Brief des fehlbaren Kehrichtmanns erhalten haben?
Der Brief war an mich adressiert. Ich habe ihn gelesen, aber sofort an das zuständige Strasseninspektorat weitergeleitet.
Warum haben Sie Martin P. bislang nicht geantwortet?
Er hat vom Strasseninspektorat eine Antwort erhalten, allerdings bloss eine mündliche. Ich hielt die Sache dadurch für erledigt.
Gedenken Sie dem Entlassenen nun dennoch schriftlich zu antworten?
Vielleicht könnte man Martin P. den unumstösslichen Entscheid, ihn nicht wieder einzustellen, nochmals formell schriftlich bestätigen.
Kommt für Sie eine Wiederanstellung aus menschlichen Gründen in Frage?
Nein, das geht einfach nicht. Die Taten Martin P.'s haben seinerzeit für viel Unruhe im ganzen Strasseninspektorat gesorgt. Die Kehrichtmänner der Stadt Biel wurden deswegen auf die Schippe genommen oder gar angefeindet. Wenn wir Martin P. nun wieder einstellen würden, könnte das niemand verstehen.
Ist das ein Einzelfall oder haben Sie schon andere solche Fälle erlebt?
In meinen bald 14 Jahren im Stadtrat ist das der erste derart krasse Fall.
* Name geändert (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.09.2010, 17:20 Uhr
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3 Kommentare
Das ist eine Sumpfbluete mehr des mit Lohndoemping zum Versagen gebrachten Arbeitsmarktes. Schon dass der Betroffene zu dem ihn schassenden Arbeitgeber betteln gehen muss, ist entwuerdigend. Als die oeffentliche Hand noch keine Auslaender generell bevorzugen durfte, haetten sich die Gemeinden fuer die Kehrichtabfuhr um einen Abgestraften und damit zur Rehabilitation Bestimmten noch gerissen.... Antworten






