Ehedrama: «Sie litt unter ihrem Mann»
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Sonntagnachmittag in Lyss. Das triste Regenwetter passt zur Stimmung im Feldeggquartier. Im sonst ruhigen, familienfreundlichen Quartier hat sich am Freitag ein tödliches Beziehungsdrama ereignet. Vor dem Haus mit der Nummer 8 steht Rahel Rodrigues und raucht. Die junge Frau ist erschüttert über das Drama, das sich am Freitagabend um ca. 20.30 Uhr in unmittelbarer Nachbarschaft ereignet hat. «Sie war eine so offene und liebe Person», sagt Rodrigues. Seit Freitag ist ihre 39-jährige Nachbarin F.L.* tot.
Mehrere Nachbarn hatten den Streit wahrgenommen. Eine Frau sei zu hören gewesen, die um Hilfe gerufen habe, und Kinder, die geweint hätten. Nachbarin Therese Reber kam mit ihrem Auto nach Hause. Als sie zum Hauseingang lief, habe es plötzlich «prätscht». Sie sei zurückgelaufen, habe gesehen, wie jemand die Store des Schlafzimmers im ersten Stock durchbrochen habe und auf das Baugerüst gelangte.
Kinder waren Zeugen
Nach dem Streit mit ihrem Mann, einem 37-jährigen Nigerianer, fand die von Nachbarn alarmierte Polizei das getrennt lebende Ehepaar tot in der Wohnung. Wie die Polizei gestern mitteilte, weisen beide Leichen diverse Stich- und Schnittverletzungen auf. Die Polizei geht davon aus, dass keine Drittperson in die Tat involviert war. F.L.s Kinder, zwei Buben im Alter von zwei und sieben Jahren, waren zur Tatzeit in der Wohnung. Sie seien an einen sicheren Ort gebracht worden und werden professionell betreut. Die Kinder seien so weit wohlauf, sagte Polizeisprecher Stefan von Below. In einer solchen Situation sei es aber schwierig, abzuschätzen, wie viel die Kinder tatsächlich mitbekommen hätten. Deshalb müssten sie beispielsweise vor Einflussversuchen geschützt werden.
Eine Kerze für die Tote
F.L., die mit ihren beiden kleinen Kindern vor knapp drei Monaten in eines der drei zusammengebauten Mehrfamilienhäuser im Feldeggquartier eingezogen ist, wird von den Nachbarn als freundlich und unauffällig beschrieben. Die meisten der Hausbewohner haben erst vom blutigen Drama erfahren, als die Polizei den Tatort absperrte und mit der routinemässigen Befragung der Nachbarn begann. Dies, obwohl sich die Gewalttat teilweise auf dem Baugerüst vor dem Haus abgespielt haben muss – noch immer sind auf einem der Wohnungsfenster sowie auf dem Rollladen davor Blutspritzer zu sehen.
Blut war auch auf den Fenstersims der darunterliegenden Wohnung im Altbaublock geflossen. Jetzt brennt dort eine Kerze. «Es war mir ein Bedürfnis», sagt die Frau, die in dieser Wohnung lebt. Sie, die lieber anonym bleiben will, kannte F.L. nur flüchtig. «Sie machte einen sehr freundlichen Eindruck, ich wollte ihr etwas Zeit geben, sich hier einzugewöhnen», sagt die Frau traurig. «Ich denke, wir hätten uns gut verstanden.» Was sie jetzt beschäftigt, ist die Frage nach dem Warum und ob man als Nachbarin das Drama hätte ahnen müssen.
«Er war gewalttätig»
Anzeichen dafür habe es wohl einige gegeben, sagt Rahel Rodrigues. «Aber ich hätte nie gedacht, dass es so weit kommt.» Rodrigues hat sich nach eigenen Angaben auf Anhieb gut mit der neuen Nachbarin verstanden. Sie lernte F.L. kurz nach deren Einzug auf dem Spielplatz vor dem Haus kennen. F.L. spielte dort mit ihren beiden Söhnen. «Sie erzählte mir, dass sie sich von ihrem Mann getrennt habe, weil dieser aggressiv und gewalttätig gewesen sei», erinnert sich Rodrigues. «Sie sagte, dass er auch nach der Trennung immer wieder Probleme gemacht habe, dass sie oft Streit gehabt hätten.» Am Tag vor der Bluttat habe sie F.L. noch gesehen. «Sie wirkte traurig. Sie litt unter der Situation mit ihrem Exmann.»
Vom Familiendrama hat Rodrigues allerdings nichts mitbekommen. Sie lebt zwar in der gleichen Siedlung, aber nicht im selben Haus wie F.L. Erst als sie gegen 22 Uhr noch vor das Haus ging, um eine Zigarette zu rauchen, habe sie das grosse Polizeiaufgebot gesehen, sagt Rodrigues. «Als ich sah, dass alles abgesperrt war und dass die Spurensicherung da war, da wusste ich, dass F. tot sein muss.»
*Name der Redaktion bekannt (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.11.2009, 08:54 Uhr







