Deutsche lieben den 100-Kilometer-Lauf
Von Simone Lippuner. Aktualisiert am 10.06.2010
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Laufprofi Constanze Wagner. (Bild: zvg)
Sie holte im Seeland zwei Mal Gold
Sie ist eine der versiertesten Langstreckenläuferinnen aus Deutschland: Constanze Wagner aus Reichelsheim. Neun Mal hat die 47-Jährige den Bieler «Hunderter» bereits bestritten. Zwei Mal holte sie Gold. Bei vier Austragungen landete die Deutsche unter den Top 10. «Der ‹Hunderter› ist mein Lieblingslauf», sagt die Sportlerin. «Mir gefällt, dass der Lauf in der Nacht und in einer einzigen Runde absolviert wird.» Zudem sei ein gutes Organisationskomitee am Werk, und der Ruf des Laufs sei in Deutschland in der Tat legendär, schwärmt die Läuferin. Morgen steht Constanze Wagner nicht am Start. Sie hat ihre Laufkarriere eigentlich schon 2005 beendet, liess sich jedoch die Jubiläumsausgabe des Kultlaufs in Biel nicht entgehen: 2008 fand der «Hunderter» zum 50.Mal statt.
Bei den deutschen Läufern sind auch der Jungfrau-Marathon und der Alpin-Marathon in Davos sehr beliebt. Tausende Schweizer reisen umgekehrt für die Marathons in Berlin oder Hamburg über die Grenze.
Sie tauschen das Bett gegen die Strasse: Um die 2000 Läuferinnen und Läufer rennen in der Nacht auf Samstag von Biel nach Biel – und dazwischen 100 Kilometer quer durchs Seeland, das Fraubrunnenamt und den Bucheggberg. Der Bieler «Hunderter» lockt immer wieder Laufbegeisterte aus aller Welt in die Seelandmetropole. Vor allem den Deutschen brennt es unter den Füssen, wenn sie an die längste Nacht von Biel denken – im Nachbarstaat geniesst der Anlass einen legendären Ruf.
«Diese Begeisterung geht noch auf die 80er- und 90er-Jahre zurück, als Deutschland auf einige Laufstars stolz sein konnte», sagt Jakob Etter, OK-Präsident der Bieler Lauftage. Er nennt Namen wie Helmut Urbach oder Werner Sonntag, der 1978 mit seinem Buch «Irgendwann musst du nach Biel» eine Ode an den Bieler Nachtlauf verfasste. Seit Jahren stammen jeweils rund 50 Prozent der Teilnehmenden aus Deutschland. Etter: «Einmal am ‹Hunderter› teilgenommen zu haben, ist für die Deutschen ein Statussymbol.»
Schnelle Frauen
Für deutsche Frauen scheint «Wadenwoodstock», wie der Langstreckenlauf unter Insidern auch genannt wird, besonders attraktiv zu sein: In den letzten acht Jahren belegten – mit Ausnahme von 2006 – jedes Jahr mindestens zwei Deutsche die ersten drei Ränge. Eine von ihnen ist Constanze Wagner aus Reichelsheim (siehe Box). Bei den Männern waren hingegen mehrheitlich Schweizer auf den Podestplätzen anzutreffen.
Die Begeisterung der Deutschen ist auch für die Tourismusbranche erfreulich: Rund 2000 Übernachtungen generieren die diesjährigen Bieler Lauftage in der Seelandmetropole. «Die Lauftage gehören für die Stadt nebst dem Schachfestival zu einem der wichtigsten Events», sagt Samuel Kocher, Direktor von Tourismus Biel-Seeland. Das gibt der Bieler Hotellerie, die sonst eher von Kongressen profitiert, in den Sommermonaten Aufwind.
Im Hotel statt im Zelt
In den letzten 15 Jahren hat sich zudem gemäss Kocher der Trend massiv gewandelt: Die Läufer gestalten ihren Aufenthalt nicht mehr so spartanisch wie früher mit Zelt und Plane, sondern verbinden das Lauferlebnis mit einem Kurzurlaub – dazu darf durchaus ein Hotel der Luxusklasse gehören.
Einen Tag vor dem Auftakt zum grossen Lauffestival ist OK-Präsident Jakob Etter zufrieden: Er erwartet um die 4000 Läuferinnen und Läufer. Davon wird rund die Hälfte den Hunderter und die andere Hälfte die anderen Läufe wie den Marathon absolvieren. «Unser legendärer Ruf scheint nicht nur die Deutschen anzulocken», sagt er.
Auch Franzosen, Österreicher, Spanier und vereinzelt Polen und Rumänen nehmen die lange Reise auf sich, um in Biel von Biel nach Biel zu rennen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 10.06.2010, 09:06 Uhr






