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Der schnelle Nouss fordert das Schweizer Fernsehen heraus

Von Cyril Beck. Aktualisiert am 27.08.2012 2 Kommentare

Zum ersten Mal überhaupt überträgt das Schweizer Fernsehen Hornussen live. Mehr als zwei Dutzend Personen helfen, das Eidgenössische Hornusserfest in Lyss in Szene zu setzen.

Wo ist der Nouss? Ein Hornusser schlägt das Spielgerät in den Himmel, ein Kameramann versucht, den Nouss zu filmen.

Wo ist der Nouss? Ein Hornusser schlägt das Spielgerät in den Himmel, ein Kameramann versucht, den Nouss zu filmen.
Bild: Christian Pfander

Jann Billeter kommentiert am Hornusserfest. (Bild: Christian Pfander)

Stämmige Männer, die mit Schwung einen Nouss in den Acker befördern, Festbänke und Bratwurst: So stellt man sich gemeinhin Hornussen vor. Auch am Eidgenössischen Hornusserfest, das in Lyss stattfindet, fehlen diese Zutaten nicht. Also alles wie gehabt? Nicht ganz: Kameras, TV-Produktionswagen und Grossleinwand sind neu für die Hornusser. Erstmals überträgt das Schweizer Fernsehen Hornussen live.

Über 5000 Bilder pro Sekunde

Es ist Sonntagmorgen, der Wettkampf der 1.Stärkeklasse ist in vollem Gange. Neben dem Bock, der Abschlagrampe, filmt ein Kameramann: Er versucht, dem schnell aufsteigenden Nouss mit der Kamera zu folgen. Ein weiterer Kameramann sitzt auf einem Schwenkarm und fängt das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein. Zwischen dem Ries – dem Spielfeld – und der Haupttribüne halten sich die Mannschaften auf. Ab und zu huschen Kabelträger vorbei, sie eilen den Fernsehkommentatoren nach, die nach Interviewpartnern suchen.

Die Fernsehmacher betreiben vor Ort einen beträchtlichen Aufwand. «Wir sind mit etwa 30 Leuten vor Ort. Es ist für uns ein relativ grosser Anlass, besonders weil wir auf keine Erfahrungen zurückgreifen können», erklärt Regisseur Stefan Koch. Deshalb hätten sie vorgängig mehrmals vor Ort geprobt. «Wir mussten uns auf einige Besonderheiten einstellen. Der Nouss fliegt in der Anfangsphase mit über 300 Stundenkilometern und ist in der Luft schwierig zu orten.» Deshalb arbeite man mit einer Highspeedkamera, die über 5000 Bilder macht – pro Sekunde. Und auch die Dramaturgie sei speziell: «Anders als etwa im Schwingen gibt es keinen Schlussgang, im Prinzip kann das Turnier auf jedem Spielfeld entschieden werden», fährt Koch fort.

Derweil wird auf dem Ries munter abgetan. Die Blicke der 1300 Zuschauer auf der Haupttribüne bleiben aber nicht auf dem Spiel haften, sondern gehen nach oben in die Luft. Des Rätsels Lösung: Eine Kameradrohne saust gerade über ihre Köpfe und sorgt für Staunen.

Eine neue Dimension

Auf Ries 1 geht es zwischen Bern-Beundenfeld und Wäseli um den Turniersieg. Die meisten der 13 Kameras sind auf dieses Spiel gerichtet. Mit der Liveübertragung eröffnet sich für das Hornussen eine neue Dimension: «Für uns ist das natürlich toll. Wir hoffen nun, dass unser Sport durch die Fernsehübertragung einen Aufschwung erlebt», sagt Christian Grossenbacher vom Organisationskomitee. Er erzählt, wie die Fernsehmacher aus Leutschenbach auf den Sport aufmerksam geworden sind: «Die ersten Kontakte kamen über einen Sponsor zustande. Vor zwei Monaten erfuhren wir dann definitiv, dass das Fernsehen übertragen wird.» Im Schlepptau des Schweizer Fernsehens sind gar ausländische Medien auf die Hornusser aufmerksam geworden: Der US-amerikanische Sportsender ESPN und die deutsche ARD haben sich ebenfalls für den Traditionssport interessiert.

Souffleur und Bodyguard

Mittag: Die beiden Kommentatoren des Schweizer Fernsehens, Steffi Buchli und Jan Billeter, stapfen durch das schmutzige Stroh vor der Haupttribüne. Beide strahlen, sie haben sichtlich Spass: «Das Schöne hier ist, dass wir so nahe dran sein können. Es ist unkompliziert», erzählt Jann Billeter, und Steffi Buchli ergänzt: «Es ist ein bisschen Freestyle: Wir können hier selber entdecken und spontan entscheiden. Das ist der Vorteil, wenn man so etwas zum ersten Mal macht.»

In Lyss werden die beiden von fachkundigen Begleitern unterstützt: «Sie sind unsere Souffleure, aber vor allem auch unsere Bodyguards», sagt Billeter. Er erzählt, wie ihn sein Begleiter davor bewahrt habe, zu früh das Spielfeld zu betreten – und Gefahr zu laufen, vom Nouss getroffen zu werden. «Übrigens: haben Sie die in den Boden gelassenen Kameras schon gesehen?», fragt Billeter. Und schon marschiert er zielstrebig in die Abschlagzone und zeigt die eingegrabenen schwarzen Kugeln.

Und wie erleben die Protagonisten die plötzliche Aufmerksamkeit? Thomas Sollberger vom Siegerteam Bern-Beundenfeld gibt sich gelassen. Die Kameras lenkten ihn überhaupt nicht ab, versichert er. Andere hingegen können ihre Nervosität vor der Kamera nicht verbergen. Das Rampenlicht ist für sie noch ungewohnt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.08.2012, 06:25 Uhr

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2 Kommentare

Klaus Reinmann

27.08.2012, 13:05 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Als aktiver Hornusser habe ich die ganze Sendung live am Fernsher verfolgt. Ich gratuliere dem ganzen Fersehteam wie auch den Festorganisatoren für diese tolle Sendung. Die wird sicher nachhaltig sein und den einten oder anderen motivieren, einen aktiven Hornusser zu werden. Antworten


Fritz Schlatter

27.08.2012, 17:39 Uhr
Melden 1 Empfehlung 0

Herzliche Gratulation für die grossartige Organisation der HG Lyss und all den vielen Helferinnen und Helfer!
Das war Spitze.
Merci viel Mal.
Fritz Schlatter
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