Brigadier Broccoli gehört zum Inventar der Schweizer Armee

LyssSie hat einen neuen Dienstgrad: Brigadier Broccoli gehört nun offiziell zur Schweizer Armee. Die Katze lebt schon seit 2005 in der Kaserne in Lyss und ist dort die heimliche Chefin des Areals und der Herzen.

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Fast jeder der rund 400 Soldaten und Rekruten in der Kaserne Lyss hat eine heimliche Liebe. Oder anders: Sie haben alle dieselbe heimliche Liebe. Die schleicht nachts auf dem Kasernenareal umher. Streicht den Männern im Kampfanzug um die Beine. Streckt und räkelt sich, wenn sie Streicheleinheiten braucht. Fährt auch mal die Krallen aus, wenn sie wütend ist – und hat sich längst einen festen Platz in den Herzen der jungen Burschen erobert.

Die zugelaufene Durchdienerin Brigadier Broccoli ist seit 2005 auf dem Waffenplatz in Lyss daheim. Seit letztem Jahr gehört die Katze nun zum Inventar der Schweizer Armee – und ist unbestritten eines der wertvollsten Stücke, die das Militär zu präsentieren hat.

Im Dienst des Herzens

Mit ihrer Aufnahme in den Dienst ist Broccoli eine von lediglich 3 registrierten Katzen der Schweizer Armee – unter Hunderten von Hunden und Pferden (siehe Kasten). Die zwei anderen Katzen sind am Standort Sand-Schönbühl «offiziell», wie Oberst Hans Schori betont, für das «Bekämpfen von Mäusen in Hafer-, Heu- und Strohlager» zuständig. Broccoli hingegen habe keine offizielle militärische Aufgabe. Schori: «Sie sorgt einfach dafür, dass auf dem Waffenplatz eine gute Stimmung herrscht.» Man könnte auch sagen: Während ihre zwei Kolleginnen Mäuse jagen, die Hunde Drogen suchen und die Pferde schwere Lasten tragen, kümmert sich Broccoli um die Herzensangelegenheiten.

Das weiss auch Werner Holzer, stellvertretender Waffenplatzverwalter in Lyss. «Broccoli ist von hier nicht mehr wegzudenken», sagt er. Und die «Inventarisierung» habe Vorteile, die Soldaten müssten Broccolis Futter nicht mehr aus dem eigenen Sack bezahlen. Das Fressen wird nun über die Truppe abgerechnet. Und der Tierarzt des Zentrums im Sand rückt nach Lyss aus, wenn die Katze geimpft werden muss oder ein Leiden hat. Das kommt nun leider häufiger vor. «Broccoli ist 10-jährig, es machen sich erste Altersbeschwerden bemerkbar.» Zum Beispiel springt sie nicht mehr vom Fensterbank direkt auf den Boden, sondern nimmt den Weg über den Fax.

Am liebsten Dreckwäsche

Holzer weiss solche Sachen genau. Er kennt Broccoli, seit sie sich auf dem Waffenplatz niedergelassen hat. «Sie heisst Broccoli, weil das Gemüse das Erste war, was sie nach ihrer Ankunft in der Kaserne gefressen hat.» Ihren Impfausweis bewahrt er in der Schublade auf, die Tierarzttermine sind in seinem Computer gespeichert, und Broccolis zweitliebster Platz nach dem Radiator im Winter ist auf Holzers Schreibtisch. «Wir haben einen guten Draht zueinander», sagt er.

Er kennt Broccolis Marotten und Vorlieben. Weiss, dass sie sich Ende der Woche am liebsten im Stapel von dreckiger Bettwäsche einnistet. Dass ihre Zähne klappern, wenn sie vor dem Baum mit den Elstern sitzt und auf Beute wartet. Dass sie lieber so lange miaut, bis jemand sie zum Fenster reinlässt, statt durch die zwei Katzenschleusen zu gehen, die kürzlich extra für sie montiert wurden. Und, dass Broccoli «pünktlich wie eine Schweizer Uhr» um 6.30 Uhr auf der Matte steht, wenn die Frauen vom Reinigungspersonal ihr Futter geben. «Tritt sie um diese Zeit nicht an, ist irgendwas faul.»

Fanpost,Facebook,Fresspäckli

Die Kasernenkatze hat die hohen Zäune um den Waffenplatz längst überwunden: Broccoli hat es in den letzten Jahren nicht nur in verschiedene Zeitungen geschafft, sondern auch den Sprung ins digitale Zeitalter gemeistert: Fast 700 Mitglieder hat ihre Fangemeinde auf Facebook. Immer wieder laden die Rekruten Fotos auf die Seite «Brigadier Broccoli». Die Resonanz ist gross: Katzenfreunde aus dem ganzen Land wünschen Broccoli frohe Ostern, Weihnachten oder Sommertage und empören sich, wenn es zu lange ruhig war um den Kasernentiger. Auch im Büro von Holzer hat Broccoli eine Fanwand. Dort haften Fotos von anderen Katzen, Leserbriefe, «manchmal erhält sie auch Fresspäckli zugeschickt», weiss Werner Holzer.

Auf dem Lysser Waffenplatz ist die Kompanie 3 der Instandhaltungsschulen 50 der Armee beheimatet. Täglich gehen 400 Soldaten ein und aus. Am Wochenende jedoch sind die rund 20 Gebäude verlassen, und Broccoli hat das 60'000 Quadratmeter grosse Areal für sich alleine. Holzer, der ganz in der Nähe wohnt, geht zwischendurch auf einen Kontrollgang: «Da kommt sie jeweils sofort dahergerannt», sagt er, «wahrscheinlich fühlt sie sich schon alleine.» Die Frauen vom Reinigungsdienst füttern Broccoli auch an den Wochenenden.

Doch nicht alle mögen Katzen

Die meisten Soldaten schliessen Broccoli ins Herz. «Doch es sind nicht alle begeistert», weiss Holzer, und seine Miene verfinstert sich. Er habe auch schon beobachtet, wie jemand sie schlecht behandelt oder eingesperrt hat. Zurzeit hinkt Broccoli ein wenig, sie musste deshalb geröntgt werden. «Sie hat ein Problem mit den Hüften. Aber ob das wegen des Alters ist oder es einen Zwischenfall gab, weiss ich nicht.»

Katzen können locker 15 oder gar 20 Jahre alt werden. An Broccolis Tod mag in der Kaserne denn auch niemand denken. «Einmal wurde an der Hauptstrasse eine Tigerkatze überfahren», erinnert sich Holzer. «Wir haben gemeint, es ist Broccoli. Das war ein schrecklicher Moment.» (Berner Zeitung)

(Erstellt: 03.07.2013, 06:15 Uhr)

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Bei der Schweizer Armee sind 300 Militärhunde angestellt, wobei 200 beim Miliz- und 100 beim Berufsmilitär im Dienst stehen. Weiter gehören 350 Freiberger Pferde und Maultiere zum Corps. «Jedoch gehören diese nicht der Armee», sagt Oberst Hans Schori. Die Armee kaufe die Tiere zwar ein, bilde sie aus, verkaufe sie jedoch an private Vertragspartner weiter. «Wenn wir die Pferde dann brauchen, müssen sie wie Soldaten zum Dienst einrücken.» Nebst Kasernentiger Broccoli (siehe Haupttext) gehören 2 Katzen ins tierische Corps: Sie stehen für Schori offiziell als «biologische Schadnagerbekämpfer» im Dienst. Im Sand gibt es immer noch Tauben. Die gehören jedoch einem Brieftaubenverein. Schori: «Die Tauben sind schon seit 1994 aus der Armee ausgemustert.»

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