Region

Bootsunglück: Polizei beschlagnahmt Luxusboot

Am Dienstagnachmittag hat die Seepolizei beim Camping Sutz ein Schiff abtransportiert. Nun brodelt es in der Gerüchteküche: Ist es das Schiff des Unglücksrasers, der am 11. Juli eine junge Frau gerammt und getötet hatte?


Bildstrecke

Der Unfallort am Bielersee

Der Unfallort am Bielersee
Bootshafen in Lüscherz: Nichts erinnert an den schrecklichen Unfall vom Sonntag.

Artikel zum Thema

Am Dienstagnachmittag gegen 14 Uhr sind zwei Schiffe von der Seepolizei mit einem Abschleppkahn am Camping Sutz vorbeigefahren. Bei einem der anschliessenden Privathäuser mit Seeanstoss hat sie haltgemacht. Rund eine Stunde später fuhren die zwei Polizeischiffe wieder in Richtung Erlach. In der Mitte den Abschleppkahn, der eindeutig ein Schiff geladen hatte. Typ und Farbe sind allerdings nicht zu erkennen gewesen, weil dieses mit einer Blache abgedeckt war. So haben es drei voneinander unabhängige Zeugen beobachtet, die ihre Sommerferien zurzeit im Camping Sutz verbringen.

Ein tägliches Thema

Nach wie vor ist das tragische Bootsunglück vom Sonntag, 11. Juli, täglich Thema unter den Campingbesuchern. Deshalb ist für alle klar: Es muss das Schiff eines Verdächtigen gewesen sein, das die Polizei vorgestern mitgenommen hat.

In der Woche zuvor hatte die Polizei laut Beobachtungen mehrerer Urlauber jedes der rund zwei Dutzend Häuser zwischen dem Camping Sutz und dem Ipsacher Hafen kontrolliert. Die betreffenden Häuser werden teilweise als Feriendomizil genutzt.

Polizei will nichts sagen

Die Berner Kantonspolizei will zu den Beobachtungen nicht Stellung nehmen. «Zu einzelnen Schritten sagen wir explizit nichts, um die Ermittlungen nicht zu gefährden und nicht Anlass zu weiteren Spekulationen zu geben», sagt der Sprecher der Kantonspolizei Bern, Michael Fichter.

Generell könne es aber sein, sagt er, dass die Seepolizei verdächtige Schiffe zur genaueren Kontrolle abtransportiere, weil vor Ort die geeigneten technischen Hilfsmittel für die Untersuchung fehlen. Ein solches Hilfsmittel ist zum Beispiel ein Kran, mit dessen Hilfe die Ermittler ein Boot von unten anschauen können. Wie viele Schiffe die Polizei schon kontrolliert hat und was sie dabei genau anschaut, darüber gibt die Kapo keine Auskunft.

Laut Fichter arbeitet die Sonderkommission (Soko) mit Spezialisten aus Regionalfahndung, Kriminal- und Seepolizei sowie weiteren Fachbereichen nach wie vor mit Hochdruck daran, den flüchtigen Unglückskapitän zu finden. Fichter: «Die Auswertung der vielen eingegangenen Hinweise braucht Zeit, und die Suche nach möglichen Spuren ist sehr aufwendig.»

Kurz nach dem Unfall seien mehrere Hundert Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, so Fichter. Inzwischen habe die Flut nachgelassen, es träfen nur noch vereinzelte ein.

Das Schweigen der Polizei ist zwar verständlich, verhindert aber nicht, dass die Gerüchte ins Kraut schiessen.

Der Unfall, bei dem eine junge Frau ihr Leben verlor, beschäftigt die Menschen unvermindert, wie ein Augenschein im Camping Sutz zeigt. Niemand kann verstehen, warum der Kapitän und seine Mitinsassen bis heute schweigen. Eine Kaltblütigkeit, für die selbst Fachleute keine schlüssige Erklärung haben. Die Empörung unter den Urlaubern ist gross. Dass regelmässig in den Medien berichtet und auch spekuliert wird, empfindet eine junge Frau als positiv: «Dies lässt den Täter nicht zur Ruhe kommen», meint sie, und: «Wenn er ein Mensch ist, dann muss er sich doch früher oder später stellen.»

Schweizer nehmen Anteil

Eine andere Campingbesucherin aus dem Kanton Baselland berichtet, sie werde von Bekannten aus der ganzen Schweiz nach Neuigkeiten zum Fall gefragt, weil diese wüssten, dass sie am Bielersee in den Ferien sei. Ein anderer sagt, er könne nicht verstehen, warum die Polizei den Täter noch nicht gefasst hat. Er habe an jenem Sonntag um die Tatzeit herum vom Ufer bei Lüscherz aus ein Schiff beobachtet, das in unsinnigem Tempo in Ufernähe in Richtung Biel gefahren sei. «Den hätten sie doch kriegen sollen», meint er. Gegenwärtig verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die Anstrengungen der Soko doch erfolgreich waren: Die Boulevardzeitung «Blick» spekuliert in ihrer heutigen Ausgabe, dass die Polizei den Unglücksfahrer gefunden hat. (Bieler Tagblatt)

Erstellt: 29.07.2010, 08:33 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

1 Kommentar

Paul Thürig

29.07.2010, 19:08 Uhr
Melden

Bleibt nur zu hoffen,dass diese äusserst schreckliche Tat auf dem Bielersee bald aufgeklärt werden kann! Antworten



Region

Populär auf Facebook Privatsphäre