Worte von seltener Schönheit - neues Maria Lauber-Lesebuch

In unscheinbaren, grauen Schachteln lagerte in einem Keller des Frutiger Amtshauses ein Schatz: das literarische Erbe der 1973 verstorbenen Frutigtaler Dichterin Maria Lauber.

Im Frugtiger Amtshaus wurde das literarische Erbe der 1973 verstorbenen Frutigtaler Dichterin Maria Lauber gefunden.

Im Frugtiger Amtshaus wurde das literarische Erbe der 1973 verstorbenen Frutigtaler Dichterin Maria Lauber gefunden. Bild: zvg

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In unscheinbaren, grauen Schachteln lagerte in einem Keller des Frutiger Amtshauses ein Schatz: das literarische Erbe der 1973 verstorbenen Frutigtaler Dichterin Maria Lauber. Nun wurde der Schatz gehoben, um ihn erneut einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Entstanden ist ein Lese-, Bilder- und Hörbuch, das am Freitag in Thun im Rahmen einer Vernissage vorgestellt wird. Das Buch bildet den Auftakt zu einer geplanten, auf mehrere Bände angelegten Neuedition.

Laubers Werke sind nämlich vergriffen und das schriftstellerische Werk einer der bedeutendsten Schriftstellerinnen des Berner Oberlandes drohte allmählich in Vergessenheit zu geraten.

Ihre Texte berühren auch heute noch. Mit grosser sprachlicher Sorgfalt liess die vor 125 Jahren geborene Dichterin eindringliche Bilder von grosser Tiefe entstehen. Dazu bediente sie sich in einem Gutteil ihrer Werke der reichen Frutigtaler Mundart.

Mundart als Berufung

Für Lauber war das Schreiben in Mundart Berufung und das Frutigdeutsch wie «Gasterngranit, über den leicht im Fluss der Rede die silbernen Wellen plätschern».

In einem ihrer Gedichte vergleicht Lauber ihre Muttersprache mit verschiedenen Kleidern: «Wi ds blüemlet Röcki bischt, wa ds Chind am erschte Summermorge triit, wen über ds Tou es Lüfti giit u tuusig Glöggeni gglänggelen drind». Oder: «Bischt net wi ds Röckli, wa zum Fescht i schwerer, schwarzer Syde triit ds alt Mueti, we's i d Chilha giit u Sorg het zue ma nug bis zletscht».

Die Oberländerin war «keine Schriftstellerin der lauten Töne», wie Lauber-Biograf Erich Blatter in einer Würdigung schreibt. Ganz im Gegenteil: oft begegne man der Dichterin in «beinah orientalisch anmutender Konzentration».

Grosse Welt im Innern

Maria Lauber wurde am 25. August 1891 an Prasten bei Frutigen geboren und wuchs in kargen bergbäuerlichen Verhältnissen auf. In Bern wurde sie zur Lehrerin ausgebildet. Durch Otto von Greyerz wurde Lauber früh zum Schreiben in ihrer angestammten Muttersprache ermutigt.

Im Berner Oberland wirkte Lauber viele Jahre als Lehrerin, namentlich im Adelboden, an der Lenk und in Kien. Ihre nächste Umgebung, die Familie und die Täler von Kander und Engstlige blieben zeitlebens ihr Dreh- und Angelpunkt. Und sie boten der Dichterin Schauplatz und Inspiration für ihre Werke.

Verlief Laubers Leben äusserlich wenig spektakulär, so war ihr inneres Leben umso vielschichtiger, nicht selten geprägt von Ängsten, Nöten und Zerwürfnissen.

Die ganze Weite und Tiefe menschlichen Lebens findet in Laubers Texten ihren Ausdruck. Entstanden sind Werke fernab des Mundartzeitgeistes. «Nie liess sie sich von der konservativen Heimatliteratur vereinnahmen», wie die Schriftstellerin Barbara Traber in dem neuen Lauber-Lesebuch schreibt.

Abseits mitten in der Welt

Auch wenn die Dichterin Anregung aus ihrem engsten Lebensumfeld schöpfte, so haftet ihren Werken etwas Universelles an. In ihren kleinen, alltäglichen Beobachtungen liess Lauber stets grundlegende menschliche Fragen anklingen.

In einem ihrer Gedichte schreibt Lauber über ihre engere Heimat: «Ischt net mys Tal, öes Dorf emitts, mitts i der Wäld? U was süscht git's, wa wärt u wichtig weä win das? Wa weäscht im Läbe sövel baas? Es iedersch Dorf, wa's süscht nug git, ischt näbenuus, Un og dermit e jedi Stadt, by oder wyt, si lyt net da wa d Mitti lyt».

Musik und Bild

Das Zeitlose und Universelle im Werk der Frutigtalerin erschliesst sich auch der heutigen Generation. Für den Frutiger Singer und Songwriter Christoph Trummer war die Berührung mit den Texten Maria Laubers eine sehr unmittelbare.

«Bevor ich mir Gedanken dazu gemacht hatte, waren zwei Lieder geschrieben», erinnert er sich. Die musikalische Annäherung an Laubers Werk findet sich auf einer dem Buch beiliegenden CD.

Auch Fotograf Reto Camenisch liess sich von Laubers Texten in den Bann ziehen lassen. Entstanden sind Naturbilder aus der Heimat der Dichterin voller Kraft und Intensität. Sie ergänzen Text und Ton in dem im Zytglogge-Verlag erschienenen, neuen Buch.

Mit ihm, so die Hoffnung der Kulturstiftung Frutigland, die den umfangreichen Nachlass Laubers verwaltet und das neue Lesebuch herausgab, soll ein neuer Kreis von Menschen angesprochen werden, dem die Oberländer Dichterin bislang fremd war.

Maria Lauber gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des Berner Oberlandes. 1951 wurde sie mit dem Buchpreis der Schweizerischen Schillerstiftung und 1966 mit dem Literaturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet. (cla/sda)

Erstellt: 17.08.2016, 09:33 Uhr

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