Rhythmische Klänge gegen böse Geister

MeiringenWährend der Altjahrswoche läuten im Haslital ­Glocken und Schellen: Umzüge mit Triichlern formieren sich al­lerorten, um anschliessend beim Ubersitz ihren Höhepunkt zu ­erreichen.

Die Triichler aus Unterbach sind am Albach angekommen.

Die Triichler aus Unterbach sind am Albach angekommen. Bild: Anne-Marie Günter

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Urig gehts zu und her, wenn in der Altjahrswoche vom 25. bis 30. Dezember «im Haslital Trommeln geschlagen und grosse Viehglocken und Schellen geläutet werden, um in den längsten Nächten des Jahres die bösen Geister zu verscheuchen», wie es im Lexikon heisst.

Wichtig: Der Ubersitz darf nicht auf einen Sonntag fallen, trifft dies dennoch zu, wird der Ubersitz einen Tag vorverlegt. Wann der Brauch eingeführt wurde und woher er kommt, ist nicht genau bekannt.

In seinem Buch «O du fröhliche – Prosit Neujahr!» über Winterbräuche in der Schweiz von Fritz Gunten heisst es, der Brauch sei Jahrhunderte alt. Vermutlich würde er «bis in die vorchristliche Zeit ­zurückgehen und scheine alemannischen Ursprungs», heisst es im Werk über Winterbräuche in der Schweiz.

Ohne Regelwerk

Der Ablauf ist jedes Jahr gleich: Während der Altjahrswoche formieren sich in den verschiedenen Dörfern des Haslitals Triichel­züge – im Hasli schreibt man nicht Trychel – und sammeln sich zum Finale am Ubersitz, dem letzten Arbeitstag im Jahr, zum grossen Finale. Ein eigentliches Regelwerk, wer, wann, wie und wo treichelt, gibt es keines, weil die Triichler nicht vereinsmässig organisiert sind.

Die Guttanner und die Gadmer gehen einen Tag vor dem Ubersitz nach Meiringen. Die Züge aus Meiringen, Hasliberg, Hausen, Eisenbolgen, Willigen und Unterbach sind am 30. Dezember mit von der Partie. Ganz laut wird es, wenn sich einzelne Züge kreuzen. Vom Queren eines Triichelzugs oder dem Davor-stehen-Bleiben zwecks Foto ist für Besucher abzuraten.

Schnabelgeiss, so heisst eine ­giraffenähnliche Figur des Umzugs, die darauf spezialisiert ist, Zuschauer zu erschrecken. In einigen Zügen gibt es auch das «Huttewybli», ein altes Froueli, das auf seinem Rücken den Mann trägt und die Gassen für die Triichelzüge freibahnt.

«Das ist Musik für uns»

«Für viele Hasler und Heimwehhasler ist der Ubersitz der Anlass, um Freundschaften und Bekanntschaften zu pflegen», erklärt der Gemeindepräsident von Meiringen, Roland Frutiger. «Triicheln und Trommeln haben wir von Kindsbeinen an in den Ohren, das ist Musik für uns.»

Mit dem Brauchtum wachse man als Hasler auf und mache mal mehr und mal weniger aktiv mit. Er schätzt die Besucherzahl auf mehrere Tausend Personen, je nach Wetter. «Es ist wie bei einem Schwingfest, volkstümlich, aber friedlich.»

Am 30. Dezember ­werde von 8 Uhr abends bis zum nächsten Mittag durchgefeiert. «Dadurch ist es dann an den Silvesterfeiern im Haslital etwas ­ruhiger»,erklärt er.

Zeitraum der Festivitäten: Der Ubersitz dauert dieses Jahr vom 25. Dezember bis zur Nacht vom 30./31. Dezember. www.haslital.ch (Berner Oberländer)

(Erstellt: 25.12.2016, 09:05 Uhr)

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