Lauterbrunnen

«Missing Man» über Lauterbrunnen für Bruno Durrer

LauterbrunnenEin Tal, Bergretter und sehr viele Freunde trauerten um Bruno Durrer. Die Air-Glaciers nahm mit einem «Missing Man»-Formationsflug Abschied vom Rettungsarzt.

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Die Kirchenglocken verstummten. Bergführer mit den Standarten ihrer Vereine begleiteten Pfarrer Markus Tschanz in die Kirche Lauterbrunnen. Sie war bis auf den letzten Platz besetzt, ebenso das beheizte Zelt auf dem Parkplatz. Ein Teil der Trauergemeinde blieb im Freien und blickte Richtung Breithorn.

Rund 850 Menschen, darunter viele, die im Bergrettungswesen Rang und Namen haben, trauerten um Bruno Durrer, Landarzt, Bergdoktor, Sportmediziner, Rettungsarzt, Spezialist für Notfallmedizin, Familienvater und Freund. Mit dem Folksong «The Sound of Silence» ab Band begann die Feier.

Stefan Oehrli und Heidi Grossenbacher begleiteten sie mit Querflöte und Cello und klassischer Musik. «Er war ein Freund», sagte Stefan Oehrli nach der Feier. Und wieder ab Band klang Frank Sinatras Stimme. «I’ve lived a life that’s full». Eine Bilanz, aus «My Way», die für Bruno Durrer zutrifft, wie die Ansprachen an der Abdankungsfeier eindrücklich zeigten.

Arzt mit Leuchtturmfunktion

«Bruno Durrer war Tag und Nacht für seine Patienten sowie seine Mitmenschen da und hat in den vielen Jahren seiner beruflichen Tätigkeit unzähligen Menschen geholfen», sagte Gemeindepräsident Martin Stäger. Er erwähnte, dass Durrer Verständnis für die Risikosportler im Lauterbrunnental hatte. «Er war ein Leuchtturm unter uns Hausärzten», sagte der Wengener Arzt Urs Allenspach.

«Er war ein Leuchtturm unter uns Hausärzten.»Urs Allenspach

«In Sachen Notfallversorgung im Tal verdanken wir ihm viel, er hat Strukturen hinterlassen, die funktionieren.» Und auf Durrers Menschlichkeit bezogen, sagte er: «Wenns so etwas wie einen Himmel gibt, dann ist er drin. Und nimmt die Arbeit als Schutzengel auf.»

Fels in der Brandung

Pfarrer Markus Tschanz las vor, was Bruno Durrers drei erwachsene Kinder über ihren Vater sagten: «Er war der Fels in der Brandung, ein Anker, stark und souverän und hat uns immer unterstützt.» Sehr emotional verabschiedete sich Beppe Savary aus dem Onsernonetal von seinem Freund und Kollegen aus dem Lauterbrunnental, der, wie er, oft mit dem Tod konfrontiert gewesen ist.

Er zitierte Max Frisch, den er persönlich gekannt hat: «Und vom Tod war hier die Rede, weil nur aus unserem Todesbewusstsein sich das Leben als Wunder offenbart». Luigi Festi, Professor des Masterstudiengangs «Mountain Emergency Medicine» an der Università dell’Insubria, sagte: «In diesem mystischen Tal habe ich eine Art Medizin kennen gelernt, die ich nicht kannte: einen hochprofessionellen Arzt, der den Menschen nahe war.» Der Masterkurs soll künftig nach Bruno Durrer benannt werden.

Auf spezielle Weise verabschiedete sich die Air-Glaciers von ihrem Rettungsarzt: Sie flog nach der Abdankungsfeier mit drei Helikoptern die Formation «Missing Man». Über der Kirche trennte sich der Rettungshelikopter von seinen Begleitern und flog Richtung Schilthorn in die Wolken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.12.2016, 08:17 Uhr

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