Oberried

Millionenträume am Brienzersee

OberriedDas Resort Brienzersee konkretisiert sich: Während zweier Tage wurden die Pläne der einheimischen Bevölkerung und der Öffentlichkeit vorgestellt. Man erwartet 130'000 Übernachtungen.

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Hochglanzprospekte, schöne Filme, beeindruckende Visualisierungen und ein Miniaturmodell: Eine Berliner Werbefirma zog in den vergangenen zwei Tagen alle Register, das Resort am Brienzersee wirksam zu verkaufen. Geladen ins Grand Hotel Jungfrau-Victoria in Interlaken und zu einem Baustellenrundgang in Oberried waren Bevölkerung, Politiker, Touristiker und Investoren.

Wie der CEO der Florens Resort & Suites, Paul Wehrens, nach den Präsentationen erklärte, sei das Vorhaben sehr gut aufgenommen worden. «Die Leute haben positiv auf unsere Präsentation reagiert.» Ein Zuschauer: «Oberried muss endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.»

Ausländer können kaufen

Das Bauvolumen umfasst 150 Millionen Franken. Finanziert wird die erste Tranche von 71 Wohnungen von einem holländischen Investor: «Leo van Gansewinkel ist als Inhaber und Finanzier des Resorts in der Schweiz ansässig, ohne ihn wäre das Projekt nicht möglich», erklärte Wehrens.

So sieht das Modell des geplanten Resorts am Brienzersee aus. Video: Fritz Lehmann

Der 78-jährige van Gansewinkel hat sein gemäss verschiedenen Quellen geschätztes Vermögen von rund 400 Millionen im Recyclinggeschäft erwirtschaftet. Gegenüber dieser Zeitung wollte er keine Stellung ­nehmen.

Die Wohnungen sind so­genannte hotelbewirtschaftete Wohnungen: Die Ferienwohnungen würden vermietet, wenn die Besitzer keinen Eigenbedarf anmeldeten, sagte Wehrens. Deshalb könne man trotz Lex Koller (Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer) und Zweitwohnungsgesetz (hotelbewirtschaftete Wohnungen sind davon ausgenommen) an ausländische Interessenten verkaufen. «Es ist sozusagen eine der letzten Chancen für Nichtschweizer, eine Wohnung zu kaufen.»

Kritische Voten

Auf die Frage des Oberrieders Peter Ganz, wer sonst noch hinter der Finanzierung stehe, wollte Wehrens nicht eingehen. Ganz, ein Pensionär, war nicht nur skeptisch im Hinblick auf die Finanzierung, sondern auch auf die prognostizierten 130'000 Übernachtungen: «Bisher waren es rund 5000.»

Auch die Preise hätten sich seit der letzten Präsentation nahezu verdoppelt. Ein 3½-Zimmer-Appartement soll mit 844'000 Franken zu Buche schlagen, ein Penthouse mit 2,25 Millionen. «Bei solchen Preisen frage ich mich, ob die Besitzer ihre Immobilie vermieten werden.» Wehrens erklärte, die Zürcher Totalunternehmung Steiner AG wäre kaum eingestiegen, wenn die nötigen Mittel nicht vorhanden wären.

So wird das Projekt auf Youtube beworben.

Zahlen und Fakten

Inhaber ist das 2016 gegründete Unternehmen Lake Resort Interlaken AG in Oberried. Der Vertrieb, das Marketing und die Vermietung werden unter dem Namen Florens Resort & Suites realisiert; CEO ist Paul Wehrens. Das Projekt umfasst 18 Gebäudekomplexe mit 151 Luxus­appartements und Penthouse-Wohneinheiten und 20 Suiten.

Hier soll das geplante Resort entstehen. Geplanter Baubeginn: März 2017. Video: Fritz Lehmann

Als Baubeginn wird März angepeilt, die erste Etappe mit 8 Wohngebäuden mit 71 Appartements soll 2019 beendet sein. Die Fertigstellung der Hoteleinrichtungen und die Eröffnung des Resorts sind für Weihnachten desselben Jahres geplant. Die Investitionskosten werden mit 150 Millionen Franken angegeben, die geschätzten 130'000 Übernachtungen sollen 250'000 Franken Kurtaxen generieren. Die Gesamtfläche des Areals umfasst 65'400 Quadratmeter. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.02.2017, 06:10 Uhr

«Wir lassen uns überraschen»

Der Gemeindepräsident von Oberried, Andreas Oberli, war an den Präsentationen ebenfalls dabei. Und ist weiterhin vom Projekt überzeugt.

Sind Sie guten Mutes?
Andreas Oberli: Ich bin seit 2008 dabei und habe geholfen das Projekt zu entwickeln und war schon damals guten Mutes, dass es eine gute Sache ist.

Wie beurteilen Sie das Vorhaben aus architektonischer Sicht?
Hier entsteht ein ganz neuer, separater Dorfkern. Punkto Aussehen kann man geteilter Meinung sein. Ich finde, es ist eine Einheit.

Mittlerweile spricht man von einem Investitionsvolumen von 150 Millionen, rund 130'000 Übernachtungen sollen generiert werden. Treffen da nicht Welten aufeinander – das beschauliche Oberried und internationales Publikum?
Da treffen sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Doch man muss offen sein und schauen, was für die Gemeinde positiv ist. Das Projekt selber entspricht unseren Vorstellungen, ist aber mittlerweile höher angelegt als zu Beginn der ersten Planungen. Wir lassen uns überraschen.

Was hat die Allgemeinheit von diesem Projekt?
Das ganze Areal wird für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Wir können dadurch den Uferweg bauen. Das wird eine grosse Bereicherung und eine Attraktivität für Oberried sein. Und es gibt ein Restaurant unten am See.

Neben Kurtaxeneinnahmen, was erwarten Sie weiter?
Es gibt Arbeitsplätze. Das ist das Wichtigste. Wer kann heute schon neue Arbeitsplätze anbieten in einer Region wie dieser? Wir haben keine Industrie, also hoffen wir auf den Tourismus.

Gibt es eine Vitalisierung der Gemeinde, einen Aufschwung?
So ein Resort muss betrieben werden. Es braucht Personal für Unterhalt, Reinigung etc. Da erhoffen wir uns schon Möglichkeiten für Leute aus dem Dorf.

Hätte es Alternativen zu einem Resort gegeben?

Eine reiche Person hätte beispielsweise das Areal erwerben und seine Luxusimmobilie umzäunen können. Das wäre schlecht gewesen, mit dem Resort bleibt das Areal offen. Interview: Fritz Lehmann

Andreas Oberli

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