Kanton heisst Beschwerden gegen 76 geplante Wohnungen gut

MürrenDer Kanton hat dem Projekt «The Myrrhen» eine Abfuhr erteilt und die Beschwerden gegen den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern gutgeheissen. Das Bauvorhaben verstosse gegen das Baureglement.

Das Projekt The Myrrhen hätte vier Mehrfamilienhäuser im Chaletstil beeinhaltet.

Das Projekt The Myrrhen hätte vier Mehrfamilienhäuser im Chaletstil beeinhaltet. Bild: Visualisierung zvg

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Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern hat die Beschwerden mehrerer Nachbarn gegen den Neubau von vier Mehrfamilienhäusern in Mürren gutgeheissen.

Das Projekt sieht den Bau von 76 bewirtschafteten Wohnungen in vier neuen Gebäuden vor. Zudem ist vorgesehen, im bestehenden Gebäude «Alte Post» einen Empfang, eine Lobby und einen Frühstücksraum einzubauen, wie es im Beschrieb heisst.

Wie der Kanton am Dienstag in einer Mit­teilung schreibt, ver­stosse «The Myrrhen» gegen ­Vorgaben des kommunalen Bau­reglements und «ordnet sich un­genügend in das Orts- und Landschaftsbild ein».

«Jumbo-Chalets»

Das Vorhaben war vom Regierungsstatthalter Martin Künzi vergangenen Mai bewilligt worden, doch 13 Beschwerdeführer zogen den Entscheid an die kantonale Baudirektion – mit Erfolg.

In der 30-seitigen Beschwerdeschrift werden Einsprachen unter anderem so zitiert: «Der Beschwerdeführer 1 bringt vor, die vier geplanten Mehrfamilienhäuser seien deutlich grösser als die umliegenden Gebäude.» Es handle sich um überdimensionierte «Jumbo-Chalets», welche den einzigartigen Charme des ­Ferienortes Mürren nachhaltig zerstören würden.

So hätte «The Myrrhen» aussehen sollen

Auch die Beschwerdeführenden 2 bis 13 würden die Ansicht vertreten, das Projekt nehme in ortsbild- und landschaftsschützerischer Hinsicht keine Rücksicht auf die gewachsene dörfliche Struktur sowie die umliegenden schützens- und erhaltenswerten Gebäude. Weiter seien die Mehrfamilienhäuser einzeln sowie gesamthaft störend und zu dominant.

Der Direktor der Schilthornbahn, Christoph Egger erklärte am Dienstag: «Wir nehmen den Entscheid zur Kenntnis.» Dieser sei allerdings etwas überraschend gewesen, «wir haben es nicht erwartet und nicht erhofft».

«Als Bahnbetreiber und Grundeigentümer setzen wir uns weiter für die Zukunftsentwicklung ein, dazu gehören auch neue Hotelbetten.»Christoph Egger, Direktor
Schilthornbahn

Aufgrund eines ersten Überblicks müsse man fast annehmen, dass der Kanton die Kompetenz der Denkmalpflege und des Heimatschutzes anzweifle, die ebenfalls zur Jury des Architekturwettbewerbs gehörten, die sich 2014 für «The Myrrhen» aussprachen.

Wie es nun weitergehe, sei derzeit offen. Es sei zu früh dazu, detailliert zum weiteren Vorgehen Stellung zu nehmen. Hier sei der Gesuchsteller, die Zürcher Firma Steiner AG, gefordert. «Als Bahnbetreiber und Grundeigentümer setzen wir uns weiter für die Zukunftsentwicklung ein, dazu gehören auch neue Hotelbetten.»

«Weiterzug ist möglich»

Die Firma Steiner AG teilte am Dienstag mit: « Wir werden intern den Inhalt des Entscheids der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, der uns heute eröffnet wurde, prüfen und die Ausgangslage vertieft analysieren.»

Über das weitere Vorgehen werde man noch entscheiden, teilt das Unternehmen weiter mit: «Wir wollen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und behalten uns insbesondere auch einen Weiterzug an das Verwaltungs­gericht vor.»

(Berner Oberländer)

(Erstellt: 10.01.2017, 13:21 Uhr)

Jahrelange Geschichte

Das Projekt «The Myrrhen» wird seit 10 Jahren geplant. Doch die Geschichte reicht viel weiter.

1995: Die Schilthornbahn kauft das ehemalige Areal des Grand und Kurhaus Mürren, das 1954 abgerissen wurde. Danach begann die Investorensuche.

2010: Die Schilthornbahn, die damalige Zürcher Firma Karl Steiner AG (Unternehmer) und die MHBD Swiss Resort Management (Betreiber) schliessen eine Entwicklungsvereinbarung ab.

2013 stimmt die Gemeindeversammlung einer Änderung der bisherigen Überbauungsordnung in eine Zone mit Planungspflicht zu.

2014: Das Siegerprojekt von Brügger Architekten aus Thun wird im September als bau- und zonenrechtlich konforme Baueingabe eingereicht.

Februar 2016: 13 Einsprachen (eine mit 529 Mitunterzeichnern) sind nach der Auflage der Baupublikation eingegangen.

Mai 2016: Regierungsstatthalter Martin Künzi erteilt in erster Instanz die Bau­bewilligung und weist sämtliche Einsprachen ab. (fl)

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