Trotz Schneemangel: Im Oberland herrscht Optimismus

Zehn Tage vor dem Auftakt zu den ­alpinen Weltcupwochen im Berner Oberland geben sich die Veranstalter optimistisch. Sowohl am Chuenisbärgli als auch am Lauberhorn ist man aber froh, auf moderne technische Beschneiung zurückgreifen zu können.

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Gestern Mittwochvormittag im Zielgelände des Chuenisbärgli, im Boden von Adelboden: Ein gelassener Rennleiter Hans Pieren blickt zum steilen Zielhang hinauf, wo ein an der Seilwinde gesichertes Pistenfahrzeug die grossen Haufen technischen Schnees in die Breite verstösst. Daneben versprüht eine Schneekanone weiterhin Schnee; eine von 18 neuen Kanonen eines Südtiroler Herstellers, die auch im kritischen Bereich um den Gefrierpunkt effizient Schnee produzieren können. Hans Pieren: «Dank dieser neusten Technologie haben wir jetzt den benötigten Schnee. Wenn wir nicht technisch ausgebaut und erneuert hätten, würde uns jetzt immer noch einiger Schnee fehlen – haben wir doch in diesen Tagen immer im Grenzbereich produziert; es war nie kälter als minus drei Grad.»

Mehr Schnee als letztes Jahr

«Ja, wir sehen den bevorstehenden Renntagen entspannt entgegen», sagt Pieren. «Letztes Jahr hatten wir um einiges weniger Schnee auf der Piste als jetzt, mussten sogar Schnee vom schattigen Unterbirg hierher transportieren und kämpfen, um überhaupt die Schneekontrolle der FIS zu bestehen. Es erwies sich wohl als Vorteil, dass ich während neun Jahren bei der FIS gearbeitet hatte, sodass mich die Verantwortlichen gut genug kannten, um zu wissen, dass wir fähig sind, die Lage selber zu beurteilen.» Trotz perfekt hergerichteter Rennstrecke musste der Riesenslalom vor einem Jahr bekanntlich wegen schlechten Wetters abgesagt werden – nur der Slalom wurde ausgetragen.

Allenfalls ein Fangnetz mehr

Für die ersten Tage des neuen Jahres prognostizieren die Meteorologen Schneefälle bis in die Niederungen, was den Organisatoren die Arbeit zur Erstellung der Sturzräume entlang der Rennstrecke wesentlich erleichtern würde. «Eine verschneite Berglandschaft gäbe zudem auch eine ganz andere Ambiance», so Pieren.

Doch der Rennleiter hätte auch beim Ausbleiben des in einer Woche erwarteten Neuschnees Lösungen parat: «Dann würden wir die Sturzräume an gewissen Stellen mit einem zusätzlichen Fangnetz verstärken. Beim Riesenslalom sind Sturzräume eh um einiges einfacher zu handhaben als bei Abfahrtspisten, wo mit viel höheren Tempi gefahren wird. Seit dem Bau der neuen Sesselbahn vor zehn Jahren haben wir zudem wesentlich grosszügigere Platzverhältnisse, sodass Sturzräume wesentlich grösser und sicherer sind als vorher.»

Lauberhorn: Bitte keinen Föhn

15 Kilometer Luftlinie weiter östlich sieht es ähnlich aus: Urs Näpflin, OK-Chef der Internationalen Lauberhornrennen, befährt täglich einmal die gesamte 4,5 Kilometer lange Rennstrecke, die seit einigen Tagen öffentlich und bis in den Zielraum von Innerwengen befahrbar ist. Die Wintersportler machen davon rege Gebrauch. «Im Moment haben wir die Rennpiste noch nicht über ihre ganze Breite präpariert. So haben wir eine genügende Schneedicke, um dann zu Beginn der Rennwoche mit den Pistenfahrzeugen den Schnee in die Breite zu stossen», sagt Urs Näpflin. An vereinzelten Stellen sei der Schnee noch etwas knapp – «jedenfalls sind wir froh, wenn wir in den nächsten Nächten noch technisch beschneien können», so Näpflin.

Wegen der grünen Flächen neben der Rennstrecke werden die Organisatoren die Installation von zusätzlichen Fangnetzen einplanen müssen. Näpflin: «Wenn es noch ein bisschen Schnee gäbe, würde uns dies die Arbeit diesbezüglich enorm erleichtern. Mit der jetzigen Situation sollten wir das Rennen aber durchführen können. Die Lage ist jedenfalls entspannter als vor einem Jahr, als wir um diese Zeit noch keine Rennstrecke hatten. Was wir jetzt einfach lieber nicht mehr haben möchten, sind Regen und Föhn.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 28.12.2016, 19:35 Uhr

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