Langenthal

Was darf die Einweihung kosten?

LangenthalDem eingesetzten OK schwebte eine Wiedereröffnung des Stadttheaters wie anno dazumal vor: mit Einbezug der lokalen Chöre und Vereine. Doch der Gemeinderat hat das Projekt gestoppt. Gescheitert ist der Vorschlag an der Kostenfrage.

Baustelle Stadttheater: Während die eigentliche Sanierung des Gebäudes, hier bei einer Begehung im letzten Herbst, zügig voranschreitet, sorgt die  geplante Eröffnungsfeier im Dezember für Diskussionen.

Baustelle Stadttheater: Während die eigentliche Sanierung des Gebäudes, hier bei einer Begehung im letzten Herbst, zügig voranschreitet, sorgt die geplante Eröffnungsfeier im Dezember für Diskussionen. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

14,7 Millionen Franken kostet die aktuelle Sanierung des Langenthaler Stadttheaters. Im Baukredit enthalten sind auch 15'000 Franken für die Eröffnungsfeierlichkeiten nach Abschluss des Grossprojekts. Das eigens für die Eröffnung eingesetzte Organisationskomitee hat dem Gemeinderat nun aber ein Projekt beantragt, das sich auf satte 200'000 Franken beläuft.

In Anbetracht des Gesamtbaukredits an sich ein Pappenstiel. Doch die Exekutive erachtet diesen Betrag als zu hoch. Ein neuer Gemeinderatsbeschluss setzte der Eröffnung des sanierten Stadttheaters «gewisse Leitplanken vor, die etwas anders sind, als wir es angedacht haben», bedauert Theaterleiter und OK-Mitglied Reto Lang. Stadtpräsident Reto Müller (SP) bestätigt: «Die Eröffnung muss günstiger sein.»

Die Daten bereits reserviert

Insgesamt viermal hätte das OK im Dezember zur feierlichen Eröffnung laden wollen: zuerst eine geschlossene Gesellschaft, danach noch dreimal zur öffent­lichen Vorstellung. Zur Aufführung kommen sollte dabei ein Programm in Anlehnung an das Festspiel «Die Ruinen von Athen», mit dem seinerzeit das neu erbaute Theater eröffnet worden war.

Wie damals im Dezember 1916 sollten auch 101 Jahre später die Langenthaler Chöre eine wichtige Rolle spielen. Ebenso sollten die Musikanten des Stadtorchesters mitwirken und natürlich Solisten. Moderiert worden wäre das Ganze vom in der Region ebenfalls gut verankerten Theaterduo Strohmann-Kauz.

Zur Aufführung kommen sollte ein Programm in Anlehnung an «Die Ruinen von Athen», mit dem seinerzeit das neu erbaute Theater eröffnet worden war. 

Sie hätten sich die Daten schon reserviert, sagt Matthias «Kauz» Kunz. Nun sei ihnen aber mitgeteilt worden, dass der Gemeinderat das Projekt gestrichen habe und der Anlass so nicht stattfinden werde. Denselben Bescheid erhielten letzte Woche die Chöre und das Stadtorchester. Das sei natürlich schade, sagt Männerchorpräsident Paul Beyeler, zumal der Chor bereits bei der Eröffnung des Theaters eine wich­tige Rolle gespielt habe.

Grosse Wellen geschlagen habe die Absage im Verein aber nicht. Das Projekt habe sich offenbar in einer noch sehr frühen Planungsphase befunden und sei im Chor bislang nicht über eine grundsätzliche Zusage des Vorstands hinausgegangen.

Ähnlich klingt es beim Stadtorchester und beim Frauenchor: Man hätte gerne mitgewirkt und bedauere es, wenn das Projekt nicht zustande komme. Der Frauenchor hoffe denn auch, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, sagt Präsidentin Victoria Bringolf.

Das Nein gilt den Kosten

Der Gemeinderat habe in einer frühen Planungsphase eingreifen wollen, bevor Aufträge ausgelöst würden, sagt Stadtpräsident Müller. Grundsätzlich stehe der Rat dem Vorschlag, das hiesige Kulturschaffen in die Eröffnung mit einzubeziehen, selbstverständlich positiv gegenüber. Es sei bei der gemeinderätlichen Diskussion nicht um den Inhalt der Eröffnung gegangen, sondern um Anträge, was deren Kosten betrifft – konkret um den Teilbetrag von 160'000 Franken für die Ausstattung, die Infrastruktur, die Spesen sowie die Honorare.

Der Antrag ist im Siebnergremium offenbar kontrovers diskutiert worden. Etwa, ob es tatsächlich vier Aufführungen brauche und wie hoch die Kosten bei weniger Vorstellungen ausfallen würden. «Da dies aber nur zu ­geringen Einsparungen geführt hätte, haben wir das Projekt gestoppt», sagt Müller. Dazu geführt hätten letztlich auch offene Fragen zur Finanzierung, die es erst zu klären gelte. Entsprechend habe der Gemeinderat dem OK Rückmeldung gegeben – und sei gespannt, was dieses nun daraus mache.

Grundsätzlich stehe der Rat dem Vorschlag, das hiesige Kulturschaffen in die Eröffnung mit einzubeziehen, positiv gegenüber.

Wie das OK auf das Nein zum Kredit reagieren wird, ist offen. Er habe den Auftrag erhalten, das Projekt zu stoppen, und dies umgehend getan, sagt Theaterleiter Reto Lang. Das Komitee werde sich nächste Woche wieder treffen und diskutieren, ob die Idee in reduzierter Form trotzdem weiterverfolgt werden könnte oder nicht. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Wie viel die Eröffnungsfeierlichkeiten nach Ansicht des Gesamtgemeinderats kosten dürften, bleibt damit dahingestellt. Dem Organisationskomitee sei «eine entsprechende Bandbreite» im Rahmen der im Gemeindevoranschlag budgetierten Beträge kommuniziert worden, sagt der Stadtpräsident.

Nachkredit oder Fördertopf?

Dass die im Baukredit bereitgestellten 15'000 Franken kaum ausreichen dürften, scheint unbestritten zu sein. Einen zusätzlichen Betrag von 10'000 Franken hat der Gemeinderat in seiner ­alten Zusammensetzung auf Antrag der Kulturkommission bereits 2016 bewilligt für die Komposition und Bearbeitung des Stückes. Ob weitere Nachkredite anfallen und in welcher Höhe, wird sich zeigen. Denn noch sei auch ungeklärt, aus welchem Topf das Geld für die Eröffnungsfeier entnommen werden soll, sagt Müller.


Stadtpräsident Reto Müller will zuerst die noch offenen Fragen geklärt haben. Bild: Thomas Peter

Im Budget der Stadt sind für den Betrieb des Theaters für die erste Saisonhälfte 2017/2018 zwar insgesamt 257'000 Franken vorgesehen – weit mehr, als die Eröffnung kosten wird. Doch das Geld ist Teil der vertraglich geregelten jährlichen Betriebsbeiträge des Gemeindeverbands regionale Kulturförderung, an denen sich neben der Stadt auch der Kanton und die restlichen Gemeinden des Oberaargaus beteiligen.

Der Gemeinderat wolle deshalb geklärt haben, ob das Geld für die Eröffnungsfeierlichkeiten überhaupt eingesetzt werden dürfe, erklärt Müller. Zumal mit den Aufwendungen gemäss Vereinbarung an sich auch Einnahmen generiert werden müssten, was bei der Eröffnung nicht der Fall sein werde.

In diesem Zusammenhang müsse zudem geklärt werden, ob für die erste Saisonhälfte 2017/2018 überhaupt Gelder fliessen dürfen aus der regionalen Kulturförderungskasse. Denn der reguläre Spielbetrieb wird im sanierten Theater erst im Januar 2018 ­wieder aufgenommen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2017, 17:26 Uhr

Verspäteter Saisonstart

Die Bauarbeiten am Stadttheater verlaufen so weit plangemäss. Im September soll das umgebaute Bühnenhaus in Betrieb genommen werden, im Oktober die offizielle Übergabe des gesamten Gebäudes erfolgen (wir berichteten). Was indes den ordentlichen Programmstart betrifft, werden sich die Theaterliebhaber vorerst noch etwas gedulden müssen. Zwar sind laut Theaterleiter Reto Lang vereinzelte Anlässe, «im Sinne beispielsweise einer speziellen Saisoneinführung», schon vor der offiziellen Eröffnung im Dezember vorgesehen. Der eigentliche Spielbetrieb im Haus wird allerdings erst im Januar 2018 wieder aufgenommen.

«Es kommt enorm viel auf uns zu.» Lang verweist nicht nur auf den bevorstehenden Umzug vom Übergangsspielort in der Alten Mühle zurück ins richtige Theater, sondern auch auf den Rückbau, der mit dem Auszug aus dem provisorischen Spielort ansteht, und die Neuerungen technischer Natur, mit denen man sich im sanierten Gebäude erst einmal zurechtfinden müsse. Daneben noch eine reguläre Saison auf die Beine zu stellen, sagt Lang, sei «fast nicht zu bewerkstelligen».

Gemäss den Leistungsverträgen des Gemeindeverbands Kulturförderung Oberaargau beläuft sich der Betriebsbeitrag von Stadt (50 Prozent), Kanton (40 Prozent) und Gemeinden (10 Prozent) ans Stadttheater auf jährlich 1,056 Millionen Franken. Es sei nicht auszuschliessen, dass der Betrag im Konto Gastspiele für die erste Saisonhälfte 2017/2018 gesperrt werden müsse, wenn keine Saison stattfinde, sagt Stadtpräsident Reto Müller (SP). Auch diese Frage sei Gegenstand der Abklärungen, die der Gemeinderat an seiner letzten Sitzung im Zusammenhang mit der Eröffnung veranlasst habe.
khl

Artikel zum Thema

Der Durchbruch ist geschafft

Langenthal Diese Woche rückten Bauarbeiter der Nordseite des Stadttheaters zu Leibe. Mit lautstarken Schlägen wurden drei neue Eingangsportale ausgebrochen. Mehr...

Der Startschuss zur Sanierung ist erfolgt

Langenthal Wenn in knapp anderthalb Jahren die Saison 2017/2018 losgeht, soll das Stadttheater Langenthal in neuem Glanz erstrahlen. Zu sehen sein soll dann die «Kunst am Bau» mit Beteiligung lokaler Kunstschaffender. Mehr...

Theater für eine Saison

Langenthal Nun ist es offiziell: Das Stadt­theater Langenthal erhält während dessen Sanierung Gastrecht in der Alten Mühle. Mehr...

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Kommentare

Blogs

Bern & so Potz Blitz

Foodblog Gepimptes Gulasch mit Grippe

Die Welt in Bildern

Abgefeuert: Eine SpaceX-Rakete startet vom Kennedy Space Center in Florida, um Vorräte zur Raumstation ISS zu bringen. (19. Februar 2017)
(Bild: Joe Skipper) Mehr...