Langenthal

Der Fall Roth spaltet die SP

LangenthalDie Ereignisse um Alain Roth haben ein partei­internes Nachspiel. Eine Arbeitsgruppe der SP Kanton Bern will die Vorgänge des letzten Sommers neu aufrollen. Im Fokus steht vor ­allem die SP-Sektion Langenthal.

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Fast ein Jahr ist es her, seit Alain Roth vermummt an einer Demonstration in Paris teilnahm und dabei von einer Tränengasgranate schwer verletzt wurde. Der Fall des damaligen Präsidenten der Juso Oberaargau sorgte landesweit für Schlagzeilen. Die höchsten Wellen warf die Geschichte aber in Langenthal. Hier hätte Roth im Herbst 2016 für die SP sowohl für den Gemeinderat als auch für den Stadtrat kandideren sollen. ­Bekanntlich wurde daraus nichts. Die SP Langenthal strich Roth ­infolge der Ereignisse von Paris von all ihren Listen. Heute haben sich die beiden Parteien nichts mehr zu sagen.

Viel Kritik seitens der Juso

Aktuell sorgt der Konflikt wieder für Wirbel – und zwar auf Kantonsebene. Die SP Kanton Bern hat vor kurzem eine dreiköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt, welche den Fall neu aufrollen und allfällige Fehltritte herausstreichen soll. Sie tut dies vor allem auf Druck der Juso. Vertreter der Jungpartei sind der Meinung, dass die SP Langenthal Fehler ­begangen hat. Insbesondere werfen sie den Langenthaler Genossen vor, dass sie unkoordiniert und eigenmächtig gegenüber den Medien kommuniziert haben. Aber die Juso sind nicht die Einzigen, die Kritik an den Langenthalern üben.

«Laufende Untersuchung»

Bereits im letzten Sommer gab es unter den Sozialdemokraten grosse Meinungsverschiedenheiten, ob die SP Langenthal korrekt gehandelt hatte, indem sie Roth von der Liste kippte. Roth selbst sagte gegenüber der «SonntagsZeitung», dass er in Paris keinerlei Gewaltabsichten hatte und sich mit seiner Vermummung lediglich vor dem Tränengas schützen wollte. Bilder und Videos von der Demo geben Roth recht: Die Pariser Polizei hat tatsächlich verbreitet Tränengas eingesetzt. Die SP Langenthal vertrat aber den Standpunkt, dass eine Vermummung an einer Demo so oder so «inakzeptabel» sei.

Die Berner Kantonsführung stärkte den Langenthalern damals den Rücken. Aber viele Berner Sektionen waren über die Haltung der Langenthaler empört. Obwohl vor allem intern Kritik geübt wurde, konnte die SP Kanton Bern nicht verhindern, dass sich einzelne Exponenten auch öffentlich zu Wort meldeten. So etwa Nationalrat Corrado Pardini oder Christian Boesch, Vorstand der SP Bern-Nord.

Weil der Fall intern derart für Unstimmigkeiten sorgte, wird er nun neu aufgerollt. Laut David Stampfli, Grossrat und geschäftsführender Parteisekretär der SP Kanton Bern, geht es aber nicht darum, Schuldzuweisungen zu machen. «Es ist auch keine Untersuchung, sondern eine Aufarbeitung», sagt er und nimmt die SP Langenthal damit explizit aus der Schusslinie. Es gehe nicht ­darum, was die Ortspartei falsch gemacht habe, sondern «was wir alle hätten besser machen können», so Stampfli.

Das sehen Kreise der Juso ­anders. Sie erhoffen sich, dass die kantonale SP ihren damals vertretenen Standpunkt revidiert und das Vorgehen der SP Langenthal nachträglich rügt. Offiziell Stellung nehmen will die Parteileitung aber nicht. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello, welche letzten Sommer als Sprachrohr von Roth fungierte, verweist auf die Juso Kanton Bern. Dort ­entscheidet sich das Co-Präsidium nach 30 Minuten Be­denkzeit, dass man sich derzeit nicht äussern will, da es sich um eine «laufende Untersuchung» ­handle.

Ein grösserer Konflikt

Dass der Fall Roth die SP noch ­immer spaltet, ist auch ein ­Symptom eines grösseren Konflikts. Seit Wochen gibt der Einfluss der Juso auf die Mutterpartei national zu reden. Auch im Fall Roth stehen sich die stark ideologischen Teile der Partei – angeführt von den Juso – den eher gemässigten Genossen gegenüber. Die SP Langenthal gilt seit je eher als sozialliberale Sektion innerhalb der Berner SP. Die Juso, aber auch gewerkschafts­nahe Sektionen, sehen die Langenthaler deswegen nicht auf Parteikurs.

Die Resultate bleiben intern

Bei der SP Langenthal macht man sich wegen der Aufarbeitung des Falls aber derzeit keine Sorgen. «So wie ich das verstanden habe, geht es vor allem darum, was für Lehren man aus dem Fall ziehen kann», sagt Roland Loser, Co-Präsident der SP Langenthal. Einblick in die Arbeitsgruppe hat er allerdings nicht. «Ich gehe davon aus, dass sie irgendwann auf uns zukommen werden.»

Keinen Einblick in die Aufarbeitung erhalten wird auch die Öffentlichkeit. Die SP Kanton Bern sagt, dass die Resultate der Arbeitsgruppe nur parteiintern kommuniziert werden. (Langenthaler Tagblatt)

Erstellt: 07.06.2017, 06:20 Uhr

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