Die Zecken sind in diesem Jahr besonders aggressiv

Dieses Frühjahr müssen sich Mensch und Tier allerorts vor sehr vielen Zecken in Acht nehmen. Schuld an der Invasion sind die tiefen Temperaturen im vergangenen Winter.

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Ein sonniger Nachmittag im Seeland. Perfekt für einen ausgiebigen Waldspaziergang mit Hund. Bei der Rückkehr steht diesem aber eine lästige Prozedur bevor. Das Absuchen nach Zecken ist zurzeit Pflichtprogramm, weil die Plagegeister dieses Frühjahr besonders aggressiv erscheinen.

Norbert Satz, der bekannteste Zeckenexperte der Schweiz, bestätigt diesen Eindruck. Der Facharzt für innere Medizin führt in Zürich eine Spezialpraxis für Zeckenerkrankungen. Alle Jahre wieder gibt er seine Zeckenprognose ab. Dieses Jahr lautet sie: Es gibt besonders viele Zecken.

Schuld an der Plage ist der kalte Winter. Dieser hat die Zecken nicht dahingerafft – im Gegenteil. Durch die tiefen Temperaturen verfielen die Parasiten in eine Winterstarre und konnten so in grosser Zahl überleben und frisch und ausgeruht in den Frühling starten.

«Das heisst aber nicht, dass es auch mehr Erkrankungen durch Zecken geben wird», sagt Norbert Satz. «Die Zahl der Erkrankungen hängt von der Witterung ab. Wenn das Wetter gut ist und sich die Leute viel draussen aufhalten, ist die Wahrscheinlichkeit von Zeckenstichen und damit einer möglichen Infizierung höher», ergänzt Satz.

Ein Biss mit möglichen Folgen

Zecken gibt es in der ganzen Schweiz bis zu einer Höhe von 1500 Metern über Meer. Sie lauern auf Grashalmen oder Büschen in einer Höhe von bis zu 1,5 Metern über Boden und warten auf ihre Opfer. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) überträgt die Zecke in der Schweiz hauptsächlich zwei verschiedene Krankheiten. Die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Ein Biss bedeutet aber noch lange nicht, dass man auch von einer Borreliose oder vom FSME-Virus betroffen ist.

«Die Zahl der Erkrankungen durch Zeckenstiche hängt von der ­Witterung ab.»Norbert Satz, Zeckenexperte

Laut BAG sind zwischen fünf und 30 Prozent (stellenweise bis zu 50 Prozent) der Schweizer Zecken mit dem Borreliose-Bakterium infiziert. Wer durch einen Stich infiziert wird, erkrankt nicht automatisch. Die Borreliose verläuft schleichend und in verschiedenen Stadien, beginnend mit einer sich ausdehnenden Hautrötung.

Im weiteren Verlauf können Nervensysteme, Bewegungsapparat und Herz befallen werden und lebenslange Schädigungen zurückbleiben. Rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, kann die Borreliose aber vollständig geheilt werden. Schweizweit erkranken jährlich schätzungsweise 6000 bis 12'000 Menschen.

Zecken, die das FSME-Virus übertragen können, kommen nur in bestimmten Risikogebieten vor. Im Kanton Bern sind dies vor allem die Gemeinden in Aare- und Gürbetal zwischen Bern und Thun, das Dreiseengebiet und das westliche Oberland. Im Gegensatz zur Borreliose gibt es für das FSME-Virus eine Impfung, die in diesen Gebieten empfohlen wird.

Das Virus kann ­entweder problemlos wieder abklingen oder sich im Ernstfall zu einer gar lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung entwickeln. Jährlich werden zwischen 100 und 250 Fälle von Hirnhautentzündung gemeldet, etwa 80 Prozent dieser Patienten müssen ins Spital eingewiesen werden.

Mit schweizweit bisher nur zwei registrierten Fällen liegt die Zahl der Hirnhautentzündungen in diesem Jahr bisher vergleichsweise tief. Letztes Jahr erkrankten im Kanton Bern insgesamt 31 Personen an FSME. Einzig 2013 wurden mit insgesamt 40 mehr Fälle gemeldet.

Gefahren für Haustiere

Wie geht man nun mit der Zeckenplage bei den Vierbeinern um? Nach dem Spaziergang stellt sich der Hund, Bestechung mit Leckerli sei Dank, auf ein weisses am Boden ausgebreitetes Tuch. Falls sich noch nicht festgebissene Zecken beim Ausbürsten lösen, lassen sie sich auf dem hellen Untergrund am leichtesten erkennen.

«Die zurzeit wichtigste auf Hunde übertragene Krankheit ist die Babesiose, auch Hundemalaria genannt.»Bruno Gottstein, Professor

Bewaffnet mit einer Bürste, einem kleinen Zeckenkamm und einer speziellen Zeckenzange für den Ernstfall, geht es ans Werk. Die Biester totzukriegen, ist nicht ganz einfach. Zecken sind zäh. Damit sie auch wirklich sterben, muss man sie gründlich zerquetschen – die Hinterseite des Zeckenkamms eignet sich dafür gut.

Wird einer der Blutsauger bereits im angesaugten Zustand entdeckt, sollte er schnellstmöglich mit einer Zeckenzange entfernt werden. Dabei die Zecke senkrecht herausziehen, damit auch das ganze Ungetüm mitkommt. Hunde und Katzen sind von Natur aus besser gegen die Krankheitserreger im Zeckenspeichel gerüstet und erkranken nur selten.

«Die zurzeit wichtigste durch Zecken auf Hunde übertragene Krankheit ist die Babesiose, auch Hundemalaria genannt. Diese wird in der Schweiz hauptsächlich durch die braune Hundezecke und die Auwaldzecke übertragen», erklärt Professor Bruno Gottstein vom Institut für Parasitologie in Bern. Die Auwaldzecke kommt laut dem Experten mehrheitlich in der Genferseeregion vor, in den letzten Jahren hat sie sich aber auch nördlich der Alpen ausgebreitet und kann im Bereich zwischen Genfer- und Bodensee nachgewiesen werden.

«Eine genaue Erfassung der Anzahl jährlicher Fälle gibt es nicht, aber geschätzt sollten in der Schweiz zwischen 20 und 50 neue Fälle auftreten, Tendenz jährlich steigend», so Gottstein. Fälle von erkrankten Katzen gibt es in der Schweiz nicht. Hunde können vor Babesiose durch Impfen geschützt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.04.2017, 12:11 Uhr

Was sind Zecken?

Die achtbeinigen Zecken sind mit den Spinnen verwandt. Von den weltweit über 800 verschiedenen Arten kommen in der Schweiz circa 20 vor. Am häufigsten ist dabei der Holzbock. Die Zecke lebt am Boden und wartet auf einem Grashalm oder einem Busch auf einen Wirt. Mithilfe vieler Zähne bohrt sie ihren Rüssel in die Haut und hält sich fest. Beim Biss sondert sie eine betäubende Substanz ab und bleibt so meist unbemerkt.

Zecken durchlaufen drei Entwicklungsstadien. Das Zeckenweibchen legt bis zu 1000 Eier, woraus die Larven schlüpfen. Für ihre Weiterentwicklung braucht die Larve Nahrung in Form von Blut, meist heftet sie sich dazu an kleine Säugetiere oder Vögel. Aus der Larve wird dann die sogenannte Nymphe. In diesem Stadium ist die Zecke am gefährlichsten und überträgt am meisten Borreliose-Erreger.

Die Nymphe nimmt etwas grössere Tiere wie Füchse oder Hunde ins Visier. Ist sie nach mehreren Tagen vollgesogen, lässt sie sich zu Boden fallen. Aus ihr wird eine erwachsene weibliche oder männliche Zecke. Der Blutdurst geht weiter, denn nun braucht sie Energie zum Eierlegen. Ist dies vollbracht, verendet die Zecke schliesslich. mel

Tipps für Menschen

Beim Spaziergang sollte man das Unterholz oder hohes Gras meiden sowie gut abschliessende Kleidung und geschlossene Schuhe tragen. Helle Kleidung hilft, die Zecken besser zu sehen.
Nach dem Spaziergang die Kleidung und den Körper gründlich nach Zecken absuchen.

Die Zecken möglichst rasch mit einer Pinzette entfernen.
Die Stichstelle desinfizieren, markieren und im Auge be­halten.
Bei einer Hautrötung oder allgemeinem Unwohlsein nach einem Zeckenstich besser einen Arzt aufsuchen.

Die kostenlose App «Zecke», entwickelt von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und vom Bundesamt für Gesundheit, bietet Infos und Ratschläge zu Zeckenstichen sowie eine dynamische Gefahrenkarte. mel

Tipps für Tiere

Den Hund oder die Katze nach dem Aufenthalt im Freien gründlich absuchen. Verschiedene Mittel, welche dem Hund oder der Katze zwischen den Schulterblättern auf die Haut appliziert werden, liefern guten Schutz vor Zecken. Diese gibt es für Katzen und für Hunde in unterschiedlichen Dosierungen je nach Gewichtsklasse. Sie sollen Katzen zwei Wochen und Hunde einen Monat schützen, danach müssen sie erneut angewendet werden.

Die Pfötli-Apotheke von Dr. Noyer in Bern empfiehlt zusätzlich ein natürliches Mittel. Die speziellen hauseigenen Hefetabletten verändern die Ausdünstung des Tieres und sollen es so für Zecken weniger attraktiv machen. Besonders Katzen sollen die Tabletten so sehr mögen, dass sie sie sogar als Gudeli fressen. mel

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