Wie verwandelt man ein AKW in eine grüne Wiese?

Das AKW Mühleberg muss eventuell Mitte 2013 vom Netz. Der Weg zu einer definitiven Stilllegung wäre lang und mit vielen Unbekannten gespickt. Sicher ist nur: Es bräuchte viel Zeit und Geld.

Es bräuchte viel Zeit und Geld, bis an der Stelle des AKWs Mühleberg eine grüne Wiese sein wird.

Es bräuchte viel Zeit und Geld, bis an der Stelle des AKWs Mühleberg eine grüne Wiese sein wird. Bild: zvg

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Ein Atomkraftwerk abzuschalten, ist nicht schwer. Die komplizierte Arbeit beginnt danach: Die Anlage muss demontiert werden, ohne dass die Arbeiter oder die Umwelt unter radioaktiver Strahlung leiden. «Rückbau» heisst dieser Prozess. Laut dem Nuklearforum Schweiz ist es dabei üblich, dass sämtliche AKW-Gebäude abgerissen und das Areal letzten Endes wieder in eine grüne Wiese verwandelt wird. Das dauert: Allein um alle Anlagen sorgfältig zu entfernen, braucht es rund 20 Jahre.

Ob jemals wieder Kühe auf der gleichen Fläche grasen können, sei fragwürdig, meint Greenpeace Schweiz auf Anfrage. Das Problem sei nicht etwa, dass radioaktive Strahlung zurückbleibe, sondern dass es sich um ein zubetoniertes Industrieareal handle.

Sicherheit hat oberste Priorität

Nach dem Abschalten folgt als Erstes die sogenannte Nachbetriebsphase, die fünf Jahre dauert. Die Brennelemente werden in dieser Zeit gekühlt. Erst dann können sie verpackt und vorerst in das Zwischenlager in Würenlingen abtransportiert werden. Die Kosten betrügen mehrere Hundert Millionen Franken, schreibt das Nuklearforum auf seiner Website. Dafür aufkommen muss der AKW-Betreiber, im Fall Mühleberg also die Berner Kraftwerke (BKW).

Nachdem die Brennelemente weg sind, beginnt der eigentliche Rückbau. Dabei bleibt der Sicherheitsbehälter (Containment) vorerst intakt, um weiterhin vor Radioaktivität zu schützen. Materialien, die radioaktiv verseucht sind, werden möglichst entkontaminiert – etwa durch Säuren und elektrische Verfahren. «Weniger als fünf Prozent des Rückbaumaterials sind am Schluss noch kontaminiert oder radioaktiv», hält das Nuklearforum fest. Diese fünf Prozent sollen in ein geologisches Tiefenlager gelangen. Nach einem geeigneten Standort für ein solches Endlager sucht die Schweiz nun schon seit rund 40 Jahren. Es sieht nicht danach aus, dass sie jemals einen findet.

Finanzierung würde knapp

Gemäss den neusten Schätzungen von Swissnuclear kosten die Stilllegung sowie die Entsorgung der radioaktiven Abfälle von Mühleberg rund 2,6 Milliarden Franken. Per Ende 2010 hatte die BKW dafür 1,15 Milliarden Franken zurückgestellt. Das Geld liegt in zwei Fonds des Bundes. Über diese Fonds wollen die Schweizer AKW-Betreiber ihre Rückbaukosten finanzieren. Sie zahlen anteilsmässig ein – bei der BKW sind es seit diesem Jahr jährlich 13,1 Millionen Franken in den Stilllegungsfonds und 19,6 Millionen Franken in den Entsorgungsfonds.

Die Berechnungen beruhen allerdings auf der Annahme, dass das Atomkraftwerk bis 2022 in Betrieb bleiben und die BKW so lange einzahlen wird. «Je früher Mühleberg abgeschaltet wird, desto stärker belastet dies die Rechnung in den kommenden Jahren», erklärte deshalb BKW-Sprecher Sebastian Vogler. Die Erfahrungen in Deutschland zeigen zudem, dass der Abriss von Atomkraftwerken oft deutlich teurer wird als erwartet.

Unklar, wer einspränge

Wer zahlt nun, wenn das Geld für den Rückbau von Mühleberg nicht reicht? Das Bundesamt für Energie konnte diese Frage gestern nicht beantworten. Nicht auszuschliessen ist aber, dass die Eigentümer in die Pflicht genommen würden. Das heisst, der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär müsste in die Tasche greifen – und damit der Steuerzahler. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.03.2012, 08:47 Uhr

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