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Wie die Kirche bei Ehekrisen hilft

Von Susanne Graf. Aktualisiert am 24.03.2009

Wer von der Partnerschaft zu viel erwartet und nicht bereit ist, Frustrationen zu ertragen, ist potenzieller Kunde von Bernard Kaufmann. Er arbeitet auf den kirchlichen Eheberatungsstellen in Langnau und Langenthal.

Paartherapeut Bernard Kaufmann: «Die Erwartungen an eine Partnerschaft werden immer grösser.»

Thomas Peter

Der Kanton bezahlt mit

Seit 60 Jahren gibt es kirchliche Beratungsstellen für Ehe, Partnerschaft, und Familie im Kantons Bern (EPF). In 10 regionalen Stellen leisten 20 speziell ausgebildete Ehe-, Partnerschafts- und Familienberater pro Jahr insgesamt rund 9000 Beratungsstunden. Der Aufwand dafür beläuft sich auf 1,4 Millionen Franken. 70 Prozent werden von den Kirchgemeinden in den Bezirken aus den Steuereinnahmen und freiwilligen Beiträgen der Ratsuchenden finanziert. Der Synodalverband der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn beteiligt sich mit 50'000 Franken. Der Kanton übernimmt im Rahmen einer Leistungsvereinbarung gut 300'000 Franken.

Ratsuchende, die sich bei einer kirchlichen EPF-Stelle beraten lassen, bekommen keine Rechnung. Von ihnen wird aber ein freiwilliger, ihren finanziellen Möglichkeiten entsprechender, Beitrag erwartet. Die Beratung steht allen offen, unabhängig von Konfession, Nationalität und Alter. sgs

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Gut 20 Jahre waren sie verheiratet. Drei erwachsene Kinder hatten sie. Doch die Beziehung war am Ende. Die Frau hatte sich bereits eine eigene Wohnung genommen, als sie mit ihrem Mann zu Bernard Kaufmann in die Beratung kam. Der Paartherapeut erinnert sich: «Ständig erhob sie Vorwürfe gegen ihren Mann, der ihren Ansprüchen nicht genügte.» Und er? «Er sass da und wusste nicht, was machen». Man sei nicht weitergekommen, sagt Kaufmann. «Es war wie ein Treten an Ort.» So kam es, dass der Eheberater auf die Möglichkeit einer Scheidung hinwies. Das Paar war einverstanden. «Und es war entlastet», sagt Kaufmann. Kurz darauf liess es sich scheiden. Ein halbes Jahr später bat die Frau erneut um einen Beratungstermin und gestand, sie habe immer noch Gefühle für ihren Ex-Mann. Wie sich zeigte, ging es ihm nicht anders. «Jetzt reden sie davon, wieder zusammenzuziehen», sagt Kaufmann.

Hohe Erwartungen

Obwohl der Weg über die Scheidung nicht gerade alltäglich ist, hat der Paarthearapeut das Beispiel bewusst gewählt. Denn deshalb sei das Paar wieder zusammen: «Sie haben ihre übertriebenen Erwartungen aufgegeben», stellt Kaufmann fest. «Sie haben gemerkt, dass sie die Alltagsprobleme doch eigentlich ganz gut gelöst und sich immer noch gern hatten.»

Seit 30 Jahren versucht Bernard Kaufmann im Auftrag der Kirche, Ratsuchenden bei Beziehungsproblemen beizustehen, «und wenn möglich der Ehe eine Chance zu geben». Eigentlich seien die Probleme immer die selben, sagt er, kommt aber trotzdem auf eine Veränderung zu sprechen: «Die Erwartungen an eine Partnerschaft werden immer grösser.»

Früher seien Ehen vor allem Arbeitsgemeinschaften gewesen, «heute will man vom Partner erfüllt werden, man will geliebt sein». Vom Gegenüber werde erwartet, dass es einen glücklich mache. «Das ist eine Illusion», sagt Kaufmann. Eine Beziehung ohne Probleme sei unrealistisch. Kaufmann sagt: «Die Ehe ist ein alltägliches Unterfangen für gewöhnliche Menschen.» Aber viele hätten nie gelernt, mit Konflikten umzugehen, eine gewisse Frustration zu ertragen und Probleme als Chance anzuschauen, stellt der Eheberater fest.

Unterschied Stadt-Land

Kaufmann, der sowohl in Langnau als auch in Langenthal tätig ist, sagt: «Ich habe das Gefühl, im ländlichen Langnau ist man tendenziell noch eher bereit, an einer Beziehung festzuhalten.» Was aber nicht heisse, dass es nicht auch im bäuerlichen Milieu immer häufiger zu Scheidungen komme. Im städtischeren Langenthal aber kämen die Paare häufig zu ihm, «um sich beraten zu lassen, wie sie sich einigermassen anständig trennen können». Gelingt das, spricht Kaufmann auch von einem Erfolg. «Ich will nicht unbedingt Ehen retten, wo nichts mehr zu retten ist», sagt er. Sein Ziel ist es, dass Paare nach der Beratung sagen: «Uns geht es jetzt besser.» In mehr als zwei Dritteln aller Fälle gelinge das auch.

Das Rezept

Und was gehört für Bernard Kaufmann zu einer guten Beziehung? «Respekt, gemeinsames Erleben und Konfliktfähigkeit.» Zu Enttäuschungen und zum Scheitern führen seiner Meinung nach «die übertriebenen Erwartungen, dass man es immer schön und harmonisch haben kann miteinander.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.03.2009, 08:21 Uhr

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