Was tun, wenn das Eis einbricht?
Von Jonathan Spirig. Aktualisiert am 08.02.2012
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Martin Tschumi von der Berufsfeuerwehr Bern. (Bild: Adriana Bella)
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Heute Mittwoch wurde der zugefrorene Berner Egelsee erstmals seit 2009 wieder für die Bevölkerung freigeben. Auf dem kleinen Gewässer kann man nun nach Lust und Laune spazieren und Schlittschuhlaufen. Auch auf anderen Seen in der Region (siehe Artikel zum Thema) ist die Eisfläche bereits dick genug.
Feuerwehr ist gewappnet
Wie ein aktueller Fall aus Deutschland zeigt, lassen aber nicht alle bei einem zugefrorenen See die nötige Vorsicht walten. Im baden-württembergischen Obersontheim ist ein Schlittschuhläufer auf einem See ins Eis eingebrochen. Die Einsatzkräfte konnten den 58-Jährigen nur noch tot bergen.
Bei der Berufsfeuerwehr Bern ist man für solche Unfälle gewappnet. Die Fahrzeuge werden im Winter standardmässig mit Material für die Eisrettung ausgerüstet, weiss Martin Tschumi, Bereichsleiter Ausbildung und Zivilschutz. Bei einem Notruf können die Einsatzkräfte so innert zwei Minuten ausrücken und zusammen mit der Seepolizei und der Sanität die Rettung einleiten.
Kleidung anbehalten
Tschumi betont, dass die Berner Feuerwehr nur selten wegen Eiseinbrüchen ausrücken muss. Am wichtigsten seien in diesen Fällen sowieso die ersten Minuten.
Wenn jemand alleine unterwegs ist, müsse sich eine Person natürlich selber retten. «Der Verunglückte sollte dabei unbedingt seine Kleidung anbehalten, da sie wenigstens einen geringfügigen Wärmeschutz bietet», rät Tschumi. Allerdings gelte dies nicht für Wintermäntel und schwere Schuhe.
Der Eingebrochene muss das Eis zudem unbedingt in die Richtung verlassen, aus der er gekommen ist und vom Eis getragen wurde. Die deutsche Wasserwacht weist in einem Ratgeber zudem darauf hin, dass die Selbstrettung sofort erfolgen muss, weil sonst die Glieder durch die Kälte zu steif werden.
Gefahr für die Retter
Sind weitere Personen vor Ort, geht die Selbstsicherheit und die Alarmierung vor, stellt Tschumi klar. «Die Retter müssen sich bewusst sein, dass das dünne Eis auch für sie eine Gefahr darstellt.»
Sofern es möglich ist, sollte die Rettung von Land aus erfolgen, schreibt die deutsche Wasserwacht. Im Idealfall wirft der Helfer einen Rettungsring mit Leine oder ein anderes Hilfsmittel. Gelingt es dem Verunglückten nicht, selbst freizukommen, muss der Retter ihm auf dem Eis zu Hilfe kommen. Er schiebt sich liegend mit ausgebreiteten Armen, falls möglich auf einer grossflächigen Unterlage zum Eisloch vor. Dank des Hilfsmittels kann sich der Verunglückte dann im Idealfall selbst aus dem Eisloch befreien.
Person nicht sofort aufheizen
Ist der Eingebrochene bereits untergetaucht, ist eine Rettung schwieriger und der Erfolg unsicherer. Ist der Verunglückte unter eine dünne Eisdecke geraten, kann der Retter aber immerhin versuchen, die Eisdecke auf einer möglichst grossen Fläche zu zertrümmern. Falls sich der Retter für einen Tauchgang entscheidet, muss er selbst gesichert sein.
Ganz in Sicherheit befindet sich der Verunglückte aber auch nach der Befreiung aus dem See noch nicht, ergänzt Tschumi. «Es ist sehr wichtig, dass die Person nach der Rettung nicht zu schnell aufgewärmt wird.» Sonst fliesse das kalte Blut der Extremitäten in den Kern und die Person könne sterben.
Das Wichtigste: Die Eisbeschaffenheit genau kennen
Martin Tschumi, der bereits Eisrettungsübungen geleitet hat, rät trotz der schwierigen Rettung nicht grundsätzlich von der Begehung eines zugefrorenen Sees ab. «Einen freigegeben See kann man ohne Bedenken betreten. Man sollte aber nie auf einen See, wenn man dessen Eisbeschaffenheit nicht kennt.»
Im Fall des Egelsees sind die Leute sehr zurückhaltend und respektieren die Absperrungen, weiss Patrick Sutter, Präsident des Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leists. «Es kommt zwar schon vor, dass Personen den See betreten bevor er freigegeben wurde, in den letzten 20 Jahren ist soweit ich weiss aber nie jemand im Eis eingebrochen.» Es komme höchstens vor, dass jemand auf dem Eis ausrutscht und sich verletzt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.02.2012, 14:02 Uhr
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