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Vom Büro zur Schule und ins Spital

Von Brigitte Walser. Aktualisiert am 22.06.2011 2 Kommentare

Am Berner Bildungszentrum Pflege gibt es eine spezielle Ausbildung für Personen, die in den Pflegeberuf wechseln wollen. Es ist eine Massnahme gegen den Mangel an Pflegepersonal, der damit aber noch nicht behoben ist.

Franziska Walter hat im April die Ausbildung zur Pflegefachfrau begonnen. Vorher hat sie im Büro gearbeitet.

Franziska Walter hat im April die Ausbildung zur Pflegefachfrau begonnen. Vorher hat sie im Büro gearbeitet.
Bild: Nadia Schweizer

Mangel an Pflegepersonal

Zum drohenden Pflegemangel kann Peter Marbet keine Entwarnung geben. Gemäss dem Direktor des Berner Bildungszentrums Pflege war bei den Ausbildungszahlen zur Pflegefachfrau HF zwar ein Aufwärtstrend festzustellen, das Ziel ist aber noch nicht erreicht. Damit der Nachwuchs gesichert ist, sollten jährlich 450 Personen die Ausbildung HF Pflege machen, letztes Jahr waren es 370, und in diesem Jahr wird mit 330 Personen gerechnet. Deshalb hat das Berner Bildungszentrum Pflege (BZ Pflege) aktuell eine Werbekampagne lanciert, die mit Marianne Barthelmy-Kaufmann, Pflegefachfrau und Schweizerin des Jahres, für eine «Aus- und Weiterbildung mit Perspektiven» wirbt.
Im Herbst wird das BZ Pflege mit 1000 Auszubildenden nach Bern Ausserholligen ziehen. Die dortigen Neubauten sind schon fast fertig, der Umzug kann wie geplant Mitte Oktober beginnen. Heute ist die Schule auf 8 Schulorte verteilt. Künftig wird es nur noch die Standorte Bern Ausserholligen und Thun geben, wo rund 200 Personen die Ausbildung absolvieren.bw

Info

Der nächste Bildungsgang Pflege als Zweitausbildung beginnt am 24.Oktober 2011. Heute Mittwoch, 22.Juni, findet um 18 Uhr an der Alpeneggstrasse 1 in Bern eine Informationsveranstaltung statt.

Es ist Samstagmittag, und Franziska Walter kommt aus der Englischlektion. Der 25-Jährigen macht es nichts aus, am Wochenende die Schulbank zu drücken, schliesslich hat sie ein klares Ziel: Sie will diplomierte Pflegefachfrau werden. Ihren Bürojob hat sie an den Nagel gehängt.

Franziska Walter ist eine von 26 Frauen und Männern, die seit dem Frühling an der höheren Fachschule (HF) den Bildungsgang Pflege als Zweitausbildung besuchen. Er wurde 2010 im Kanton Bern extra geschaffen, um dem drohenden Pflegemangel entgegenzuwirken. Das Spezielle an der Ausbildung: Wer sie macht, erhält mehr Lohn, ist mehr in der Praxis tätig und muss dafür den Schulstoff in weniger Zeit bewältigen als Absolventinnen des regulären Studiengangs.

Grosser Aufwand

Franziska Walter und ihre Schulkollegen sind zwischen 22 und 54 Jahre alt und Quereinsteiger: Die künftigen Pflegefachleute waren vorher Büroangestellte, Lehrerin, Pfarrerin oder Schreiner. Der Männeranteil liegt zwar leicht höher als in den regulären Ausbildungsgängen, ist mit knapp einem Fünftel aber trotzdem sehr tief. Die drei Jahre Ausbildung bestehen jeweils aus fünf Monaten Schule und sieben Monaten Praxis im Spital. Der Aufwand ist nicht nur für die Lernenden gross, auch für die Verantwortlichen am Berner Bildungszentrum Pflege bedeutete der neue Bildungsgang viel Arbeit. Notenmässig hat sich das ausgezahlt: Gemäss Schulleiterin Sonja Morgenegg-Marti schneiden die Absolventinnen der Zweitausbildung bei den Prüfungen gleich gut ab wie ihre Kolleginnen des regulären Bildungsgangs.

«Das muss ich machen»

Franziska Walter ist in Deutschland aufgewachsen, noch als sie ein Kind war, wurde ihr Vater krank. «Er sagte immer, Du solltest Krankenschwester werden», erzählt sie und wechselt mühelos von Hochdeutsch auf Schweizerdeutsch. Als es um die Berufswahl ging, entschied sie sich dann doch für eine Bürolehre. In Deutschland und später in der Schweiz habe sie gute Bürostellen gehabt, und doch kam immer stärker das Gefühl auf, in eine Sackgasse zu steuern. «Nachdem ich den Infoabend zur Pflegeausbildung besucht hatte, wusste ich: Das muss ich machen.» Sie bewarb sich beim Berner Bildungszentrum Pflege, wurde aufgenommen und erhielt nach einem Eignungspraktikum auch eine Stelle im Spitalzentrum Biel. Um die Ausbildung beginnen zu können, benötigen die Kandidatinnen sowohl einen Ausbildungsvertrag an der Schule als auch einen Anstellungsvertrag in der Praxis. Vor knapp zwei Monaten begann dann für Franziska Walter die Schule.

Zu wenige erreicht

Pro Jahr sollten 100 Personen die neue Ausbildung starten, so war es in den Plänen des Kantons vorgesehen. Doch es konnten pro Jahr nur rund 50 gewonnen werden. Eine Evaluation habe ergeben, dass für viele Interessierte der Lohn zu tief angesetzt war, als dass sie damit die Lebenskosten finanzieren könnten, sagt Danny Heilbronn, Leiter der kantonalen Dienststelle Berufsbildung der Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Mit den Spitälern wurde eine Lohnempfehlung zwischen 1800 und 2200 Franken ausgehandelt, auch während der Schulblöcke. Das ist gut doppelt so viel wie im regulären Bildungsgang. Als Quereinsteiger habe man schon einen gewissen Lebensstandard, dann reiche das nicht, sagt auch Franziska Walter. Sie kann auf die Unterstützung ihres Partners und der Familie zählen. Offenbar bezahlen gewisse Spitäler inzwischen auch mehr.

Ersatz wird geprüft

Das Projekt «Zweitausbildung» ist vom Kanton auf zwei Jahre befristet worden. Gemäss Sonja Morgenegg-Marti wird es eine Nachfolgeregelung geben. Im Moment wird geprüft, ob als Ersatz ein Teilzeitstudium oder eine berufsbegleitende Ausbildung infrage kommt. Auf Franziska Walter ist der aktuelle Bildungsgang perfekt zugeschnitten. Sie will sich ganz auf die Ausbildung konzentrieren können, um dann möglichst schnell ins neue Leben zu starten. «Nach dieser Ausbildung werde ich noch nicht dort angekommen sein, wo ich hinmöchte», sagt sie. Sie kann sich eine Spezialisierung im Bereich Psychologie vorstellen. «Die Zweitausbildung ist der Grundstein dafür.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.06.2011, 10:07 Uhr

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2 Kommentare

Annelies Zürcher

22.06.2011, 17:50 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Von den verkürzten Studiengänge, welche zuvor Fachfrau Gesundheit ( FaGe) erlernt haben und somit schon Berufserfahrung haben, steht hier rein gar nichts. Wir können uns mit unserem Gehalt nur beklagen und vom Selbständigen Leben nur träumen! Freundliche Grüsse, zukünftige Pflegefachfrau im 2 Ausbildungsjahr Antworten


Geru Berner

22.06.2011, 17:53 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Tolle Sache, ABER,es können nur Personen diese Ausbildung besuchen, welche kaum Verpflichtungen haben. Einer reiferen Person mit einem grossen Brocken Lebenserfahrung bleibt eine solche Zusatzausbildung in der Pflege aufgrund des Ausbildungslohnes verwehrt. Auch da möchte man lieber junge "lebensunerfahrene" Personen. Schade um das Know How.In der Pflege zählt weniger die Erfahrung als der Titel. Antworten



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